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ARBEITSRECHT AKTUELL // 20/027

Ho­he Pend­ler­zah­len in Nie­der­sach­sen

Pen­deln ge­hört für vie­le Men­schen zum All­tag. In Nie­der­sach­sen pen­delt je­der sieb­te Ar­beit­neh­mer in ein an­de­res Land
Autos im Stau, Pendler, Straßenverkehr

06.02.2020. (dpa/fle)- Für Hun­dert­tau­sen­de Be­schäf­tig­te in Nie­der­sach­sen und Bre­men fal­len Wohn­ort und Ar­beits­platz nicht zu­sam­men - sie pen­deln so­gar über Lan­des­gren­zen hin­weg.

Bun­des­weit liegt das im Trend: 2019 fuh­ren rund 3,4 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­te für den Job in an­de­re Bun­des­län­der, nach An­ga­ben der Ar­beits­agen­tur et­wa 50.000 mehr als im Vor­jahr.

Grün­de gibt es vie­le: Teu­re Mie­ten in den gro­ßen Städ­ten, Sehn­sucht nach dem Le­ben im Grü­nen, aber auch das Feh­len gut be­zahl­ter Jobs auf dem Land.

Doch im Nor­den gibt es be­son­de­re Pro­ble­me zwi­schen dem Flä­chen­land Nie­der­sach­sen und den Stadt­staa­ten Ham­burg und Bre­men. Ge­ra­de Bre­men als kleins­tes und ärms­tes Bun­des­land lei­det fi­nan­zi­ell dar­un­ter, dass ein Teil sei­ner Ar­beits­kräf­te im Um­land in Nie­der­sach­sen wohnt.

Die Zah­len aus nie­der­säch­si­scher Sicht: Et­wa je­der sieb­te Ar­beit­neh­mer des Lan­des hat sei­nen Job in ei­nem an­de­ren Bun­des­land. Die Pend­ler­quo­te lag da­mit 2019 wie im Vor­jahr bei 14 Pro­zent. Das geht aus Zah­len der Ar­beits­agen­tur her­vor, die die Lin­ken-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Sa­bi­ne Zim­mer­mann aus­ge­wer­tet hat.

Da­bei ha­ben die meis­ten nie­der­säch­si­schen Pend­ler ih­ren Job beim kleins­ten Nach­barn: 119.634 fuh­ren nach Bre­men oder Bre­mer­ha­ven. Ins grö­ße­re Ham­burg pen­del­ten 102.802 Be­schäf­tig­te, ins noch grö­ße­re Nord­rhein-West­fa­len wa­ren es 102.626 Be­schäf­tig­te. Um­ge­kehrt ka­men et­wa 300.000 Men­schen von au­ßen nach Nie­der­sach­sen zur Ar­beit. Die meis­ten stamm­ten aus Nord­rhein-West­fa­len (92.090), Sach­sen-An­halt (41.262) und Bre­men (36.232).

Die Bre­mer Sicht: 334.000 ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Jobs bie­tet das kleins­te Bun­des­land, gut ein Drit­tel geht den Zah­len nach an Pend­ler. Sie kom­men zur Ar­beit nach Bre­men, le­ben aber in Nie­der­sach­sen und zah­len dort ih­re Ein­kom­men­steu­er. Die Krei­se Os­ter­holz, Achim, Ver­den, Die­p­holz und Ol­den­burg zäh­len zu die­sem Speck­gür­tel.

Dem ar­men Zwei-Städ­te-Staat Bre­men feh­len da­durch Steu­er­ein­nah­men, die für Schu­len, So­zia­les und Stra­ßen ge­braucht wür­den. Bre­men hat zwar in den ver­gan­ge­nen Jah­ren Ein­woh­ner hin­zu­ge­won­nen, das war vor al­lem Zu­zug aus dem Aus­land. Da­ge­gen hat das Land nach Be­rech­nun­gen der Han­dels­kam­mer seit 2009 et­wa 16.500 Ein­woh­ner an das Um­land ver­lo­ren, meist er­werbs­tä­ti­ge Men­schen mit Kin­dern. Den jähr­li­chen Ein­nah­me­ver­lust be­zif­fert die Han­dels­kam­mer auf 100 Mil­lio­nen EUR - Ten­denz stei­gend.

"Wer es sich aus­su­chen und leis­ten kann, wohnt nicht in ei­ner Stadt, die bei al­len Ver­glei­chen im­mer das Schluss­licht bil­det", schrieb ein Le­ser­brief­schrei­ber am Don­ners­tag im "We­ser-Ku­rier". Denn Bre­men liegt mit der bun­des­weit höchs­ten Ar­beits­lo­sen­quo­te von 10,3 Pro­zent und ei­nem ho­hen An­teil an So­zi­al­hil­fe­emp­fän­gern hin­ten. Wie man mehr Men­schen in Bre­men hal­ten könn­te, dar­über sind sich Stadt­po­li­tik, Wirt­schaft und So­zi­al­or­ga­ni­sa­tio­nen ei­nig: Bes­se­re Schu­len, mehr Woh­nungs­bau und ein Kampf ge­gen die Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit.

Im­mer­hin ar­bei­ten auch nicht al­le Bre­mer zu­hau­se. 53.000 Bre­mer pen­deln in an­de­re Bun­des­län­der, da­von rund 36.000 nach Nie­der­sach­sen.

In Ham­burg hat das Ein­pen­deln aus Wohn­or­ten in Nie­der­sach­sen und Schles­wig-Hol­stein ähn­li­che ne­ga­ti­ve steu­er­li­che Aus­wir­kun­gen wie in Bre­men. Doch die Han­se­stadt an der El­be steht mit ih­rer grö­ße­ren Wirt­schafts­kraft ins­ge­samt bes­ser da. "Ham­burg hat viel ge­baut", sagt Spre­che­rin Ma­ri­on Köh­ler von der Me­tro­pol­re­gi­on Ham­burg. Und sie ver­weist dar­auf, dass die fi­nan­zi­el­le Wech­sel­wir­kung durch das Pen­deln kom­pli­ziert sei. Es ge­he auch nicht nur um Steu­ern. Zwar nutz­ten die Pend­ler die Ham­bur­ger In­fra­struk­tur. Aber sie lie­ßen auch Geld in der Me­tro­po­le: "Die Wert­schöp­fung aus dem Um­land ist groß."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 2. August 2020

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