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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/016

IG Me­tall be­fürch­tet schwie­ri­ge Zei­ten

Mit­glie­der­plus und Re­kord­ein­nah­men: Die IG-Me­tall steht gut da. Doch das The­ma Elek­tro­mo­bi­li­tät macht der Ge­werk­schaft Sor­gen
Stellenabbau, Entlassungen, Entlassungswelle

21.01.2019. (dpa/fle) - Die IG Me­tall rüs­tet sich für kom­pli­zier­te Zei­ten.

Noch steht die größ­te Ge­werk­schaft Deutsch­lands stark da. Mit­glie­der, Ein­nah­men, Or­ga­ni­sa­ti­on: Auf al­len Ge­bie­ten konn­te die IG Me­tall am Mon­tag in Frank­furt neue Re­kor­de vor­wei­sen.

So hat das Jahr 2018 wie­der ein klei­nes Mit­glie­der­plus von 8.000 Per­so­nen ge­bracht.

2,27 Mil­lio­nen Mit­glie­der zahl­ten zu­sam­men den Re­kord­bei­trag von 585 Mil­lio­nen EUR ein, was ei­nem Plus von 4,3 Pro­zent zum Vor­jahr ent­spricht. Da­von gin­gen nur rund 40 Mil­lio­nen EUR an strei­ken­de Mit­glie­der zu­rück. Der gro­ße Rest floss in die Ge­schäfts­stel­len, ins Per­so­nal und die Rück­la­gen eben­so wie in Im­mo­bi­li­en. "Wir ha­ben auch fi­nan­zi­ell ei­nen lan­gen Atem", konn­te Haupt­kas­sie­rer Jür­gen Ker­ner bei der Vor­la­ge sei­ner Bi­lanz ver­mer­ken.

Und die Mit­glie­der der Ge­werk­schaft kön­nen es sich zu­neh­mend leis­ten, statt mehr Ge­halt freie Ta­ge zu wäh­len. Rund 260.000 Schicht­ar­bei­ter, El­tern klei­ner Kin­der oder pfle­gen­de Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge ha­ben die ent­spre­chen­den Mög­lich­kei­ten zur Ar­beits­zeit­ver­kür­zung ge­nutzt. Sie er­hal­ten nach dem jüngs­ten Ta­rif­ver­trag auf An­trag acht zu­sätz­li­che freie Ta­ge statt ei­nes in die­sem Jahr erst­mals fäl­li­gen ta­rif­li­chen Zu­satz­geldes. Laut IG Me­tall wa­ren 93 Pro­zent der An­trä­ge auf mehr Frei­zeit in den Be­trie­ben er­folg­reich.

Die Ge­gen­wehr der im Vor­feld um ih­re Fach­kräf­te be­sorg­ten Ar­beit­ge­ber blieb al­so mit we­ni­gen Aus­nah­men aus: In vie­len Fir­men sei­en die neu­en Mög­lich­kei­ten über die ta­rif­li­chen Ver­ein­ba­run­gen hin­aus gleich al­len Be­schäf­tig­ten an­ge­bo­ten wor­den, be­rich­tet der Ge­werk­schafts­chef Hof­mann. Der Ar­beit­ge­ber­ver­band Ge­samt­me­tall hat kei­ne ei­ge­ne Zah­len er­ho­ben und wi­der­spricht nicht. Im Süd­wes­ten sei es in vie­len Be­trie­ben nicht ge­lun­gen, das ent­fal­len­de Ar­beits­vo­lu­men aus­zu­glei­chen, mo­nier­te der Süd­west­me­tall-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Peer-Mi­cha­el Dick. "Nur, weil vie­le Un­ter­neh­men in den sau­ren Ap­fel ge­bis­sen ha­ben, An­trä­ge auch oh­ne ent­spre­chen­den Aus­gleich zu ge­neh­mi­gen, um den Be­triebs­frie­den zu wah­ren, konn­te das Gros der An­trä­ge be­wil­ligt wer­den", er­klär­te er in Stutt­gart.

Dass Ge­werk­schafts­chef Hof­mann auf der Jah­res-Pres­se­kon­fe­renz den­noch vor­wie­gend Moll-Tö­ne an­schlägt, liegt an dem tief­grei­fen­den Um­bruch, vor dem die deut­sche Leit­bran­che Au­to­mo­bil steht. Nach Ein­schät­zung der Ge­werk­schaft muss im Jahr 2030 je­des zwei­te in Deutsch­land neu zu­ge­las­se­ne Au­to ei­nen Elek­tro­an­trieb ha­ben, um die in der EU ver­ein­bar­ten Kli­ma­zie­le auch nur an­nä­hernd ein­zu­hal­ten.

Für die deut­sche Kern­in­dus­trie, in der die IG Me­tall tra­di­tio­nell ih­re stärks­ten Trup­pen hat, be­deu­tet das ei­nen ge­wal­ti­gen Um­bau, der mit mas­si­ven Ar­beits­platz­ver­lus­ten ein­her­zu­ge­hen droht. Hof­mann zu­fol­ge ste­hen min­des­tens 150.000 der rund 800.000 deut­schen Au­to­jobs zur Dis­po­si­ti­on. Bes­ten­falls 40.000 neue Stel­len könn­ten ent­ste­hen, wenn kon­se­quent in Deutsch­land in­ves­tiert wür­de, was kei­nes­wegs aus­ge­macht sei. Die Ge­werk­schaft for­dert da­her kräf­ti­ge In­ves­ti­tio­nen in die Bat­te­rie-Tech­no­lo­gie, in ei­ne flä­chen­de­cken­de Lad­ein­fra­struk­tur so­wie in neue Mo­bi­li­täts­kon­zep­te.

Gar nichts hält Hof­mann aber von hö­he­ren Be­las­tun­gen für die au­to­fah­ren­den Pend­ler. Die hät­ten ge­ra­de in länd­li­chen Ge­bie­ten we­nig Al­ter­na­ti­ven, da­für aber gel­be Wes­ten im Au­to, warnt der Ge­werk­schafts­boss vor fran­zö­si­schen Ver­hält­nis­sen. Ei­nen mas­si­ven Ein­griff in ih­re Mo­bi­li­tät wür­den die Bür­ger nicht ak­zep­tie­ren.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 23. Juli 2019

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