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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/262

Im­mer mehr Äl­te­re blei­ben im Job

Im­mer mehr Men­schen ar­bei­ten auch mit über 60. Für das län­ge­re Ar­bei­ten kann es un­ter­schied­li­che Grün­de ge­ben
Renter, Senioren, Rentenalter, vital und aktiv im Alter

26.11.2019. (dpa/fle) - Ar­bei­ten im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter wird in Deutsch­land im­mer mehr zum Nor­mal­fall.

Die Zahl der so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Be­schäf­tig­ten im Al­ter von 60 Jah­ren und mehr hat sich seit 2007 fast ver­drei­facht.

2007 wa­ren 903.488 Be­schäf­tig­te 60 Jah­re und äl­ter. Bis 2018 stieg die Zahl kon­ti­nu­ier­lich auf 2.609.777. Dies zeigt ei­ne Ant­wort der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) auf ei­ne An­fra­ge der Lin­ken im Bun­des­tag.

Da­mit wuchs die Zahl der äl­te­ren Be­schäf­tig­ten stär­ker als die der Be­schäf­tig­ten ins­ge­samt. Ihr An­teil lag im Jahr 2007 bei 3,34 Pro­zent, 2018 bei 7,93 Pro­zent.

In man­chen Be­rei­chen ist mehr als je­der zehn­te Be­schäf­tig­te 60 oder äl­ter. Am höchs­ten war der An­teil im ver­gan­ge­nen Jahr im Be­reich "Öf­fent­li­che Ver­wal­tung, Ver­tei­di­gung, So­zi­al­ver­si­che­rung" - näm­lich 12,3 Pro­zent al­ler Be­schäf­tig­ten. Bei Er­zie­hung und Un­ter­richt wa­ren es 10,8 Pro­zent, im Be­reich der Was­ser­ver­sor­gung und Ab­fall­ent­sor­gung 10,1 Pro­zent. Be­am­te sind in die­sen Zah­len nicht ent­hal­ten.

Auch an­de­re Er­he­bun­gen zei­gen, dass Äl­te­re im­mer häu­fi­ger am Er­werbs­le­ben teil­neh­men. Stu­di­en wie der Al­ters­sur­vey des Deut­schen Zen­trums für Al­ters­fra­gen zeig­ten schon in den ver­gan­ge­nen Jah­ren meh­re­re Ur­sa­chen, war­um Men­schen selbst im Ren­ten­al­ter noch ar­bei­ten - et­wa Spaß an der Ar­beit, In­ter­es­se an an­de­ren Men­schen oder fi­nan­zi­el­le Grün­de. Die BA stellt in ei­ner Pu­bli­ka­ti­on fest: "Die Er­werbs­nei­gung Äl­te­rer hat in den letz­ten Jah­ren im Ver­gleich zur Er­werbs­nei­gung ins­ge­samt über­pro­por­tio­nal stark zu­ge­nom­men."

Trotz­dem sind Äl­te­re wei­ter un­ter­durch­schnitt­lich am Er­werbs­le­ben be­tei­ligt. In der Be­völ­ke­rung zwi­schen 15 und un­ter 65 Jah­ren ge­hen 21 Pro­zent laut BA kei­ner be­zahl­ten Ar­beit nach oder su­chen nicht da­nach - bei den 55- bis un­ter 65-Jäh­ri­gen trifft dies auf 26 Pro­zent zu.

Die Zahl der Rent­ner zwi­schen 60 bis un­ter 65 Jah­ren hat sich in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren da­ge­gen fast hal­biert: 2008 be­zo­gen noch über 1,3 Mil­lio­nen Men­schen in die­sem Al­ter ei­ne Al­ters­ren­te, das wa­ren 32 Pro­zent. 2014 wur­de die Mil­lio­nen-Gren­ze laut BA un­ter­schrit­ten. En­de 2018 be­zo­gen 723.000 Per­so­nen von 60 bis un­ter 65 Jah­ren ei­ne Ren­te we­gen Al­ters (13 Pro­zent).

Ein Grund ist, dass das Ren­ten­al­ter seit 2012 schritt­wei­se von 65 auf 67 Jah­re an­ge­ho­ben wird. Nach Ein­füh­rung der ab­schlags­frei­en Ren­te mit 63 im Jahr 2014 stieg die Zahl der Be­zie­her im Al­ter von 63 bis un­ter 66 Jah­ren an­de­rer­seits auf 584.000 En­de ver­gan­ge­nes Jahr.

Die ar­beits­markt­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Links­frak­ti­on, Sa­bi­ne Zim­mer­mann, die die An­fra­ge ge­stellt hat­te, sag­te: "Mit der Al­te­rung der Be­schäf­tig­ten hält der de­mo­gra­fi­sche Wan­del auch Ein­zug in Be­trie­be und Ver­wal­tun­gen." Ei­ne im­mer grö­ße­re Rol­le müs­se da­her auch ei­ne al­ters­ge­rech­te Ar­beits­ge­stal­tung spie­len. "Die Ar­beits­be­din­gun­gen müs­sen so aus­ge­stal­tet sein, dass die Be­schäf­tig­ten über­haupt bis zum Ren­ten­al­ter durch­hal­ten und auch bei gu­ter Ge­sund­heit in Ren­te ge­hen." Da­zu ge­hö­re aber auch ein rea­lis­ti­sches Ren­ten­ein­tritts­al­ter. 67 Jah­re oder so­gar 70 sei in vie­len Bran­chen un­rea­lis­tisch und nichts an­de­res als ei­ne Ren­ten­kür­zung, wenn die Men­schen mit Ab­schlä­gen vor­her aus­schie­den.

Die FDP for­der­te da­ge­gen die Ab­schaf­fung des star­ren ge­setz­li­chen Ren­ten­al­ters und ei­nen fle­xi­blen Ren­ten­ein­tritt nach skan­di­na­vi­schem Vor­bild. "Der Über­gang in den Ru­he­stand muss in­di­vi­du­el­ler wer­den, um den Wan­del am Ar­beits­markt an­ge­mes­sen ab­zu­bil­den", sag­te ihr Ren­ten­ex­per­te Jo­han­nes Vo­gel. In Schwe­den et­wa wer­de län­ge­res Ar­bei­ten be­lohnt - fle­xi­ble Teil­ren­ten­mo­del­le sei­en ein­fach mög­lich.

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Letzte Überarbeitung: 26. November 2019

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