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Im­mer we­ni­ger neue Azu­bis

Vie­le Un­ter­neh­men su­chen hän­de­rin­gend Nach­wuchs. Die­ses Jahr blie­ben rund 10 Pro­zent al­ler Aus­bil­dungs­plät­ze un­be­setzt
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11.12.2019. (dpa/fle) - Auch in die­sem Aus­bil­dungs­jahr sind wie­der Zehn­tau­sen­de Lehr­stel­len un­be­setzt ge­blie­ben, wäh­rend zur glei­chen Zeit Zehn­tau­sen­de Ju­gend­li­che kei­nen Aus­bil­dungs­platz ge­fun­den ha­ben.

Die Nach­fra­ge nach Lehr­stel­len sinkt au­ßer­dem.

Das geht aus ei­ner Bi­lanz des Bun­des­in­sti­tuts für Be­rufs­bil­dung (BIBB) her­vor, die am Mitt­woch vor­ge­legt wur­de. Aus Sicht der Wirt­schaft sind die Zah­len ein wei­te­rer Be­leg für den Fach­kräf­te­man­gel. Ge­werk­schaf­ten da­ge­gen sind der Mei­nung, die Pro­ble­me sei­en haus­ge­macht. Sie se­hen die Un­ter­neh­men und den Staat in der Pflicht.

Der Bi­lanz des BIBB zu­fol­ge blie­ben zum Stich­tag 30. Sep­tem­ber rund 53.000 und da­mit fast 10 Pro­zent al­ler von Be­trie­ben an­ge­bo­te­nen Aus­bil­dungs­plät­ze un­be­setzt. Nach jah­re­lan­gem An­stieg gab es in die­sem Jahr ei­nen leich­ten Rück­gang bei den of­fe­nen Stel­len (- 4.500). Fast 74.000 Ju­gend­li­che such­ten auf der an­de­ren Sei­te aber auch ver­geb­lich nach ei­nem ih­nen pas­send er­schei­nen­den Aus­bil­dungs­platz.

Im lau­fen­den Aus­bil­dungs­jahr wur­den den An­ga­ben zu­fol­ge 525.100 neue Aus­bil­dungs­ver­trä­ge ge­schlos­sen, ein Mi­nus von 6.300 im Ver­gleich zu 2018. Die Nach­fra­ge nach Lehr­stel­len - al­so die Zahl der neu­en Azu­bis plus die Zahl der Be­wer­ber, die noch kei­nen Platz ge­fun­den hat­ten - sank laut BIBB zum ers­ten Mal un­ter 600.000.

Als Grund für die sin­ken­de Nach­fra­ge wird die de­mo­gra­fi­sche Ent­wick­lung mit sin­ken­den Schul­ab­gän­ger­zah­len ge­nannt. Bis­lang ha­be das durch ei­ne wach­sen­de Nach­fra­ge jun­ger Ge­flüch­te­ter nach Aus­bil­dungs­plät­zen aus­ge­gli­chen wer­den kön­nen. Der An­stieg in die­sem Be­reich ist den An­ga­ben zu­fol­ge aber zum Still­stand ge­kom­men.

Ge­werk­schaf­ten for­der­ten an­ge­sichts der Zah­len mehr An­stren­gun­gen von Un­ter­neh­men und Po­li­tik: "Die Wirt­schaft muss mehr be­trieb­li­che Aus­bil­dungs­plät­ze be­reit­stel­len", mahn­te die stell­ver­tre­ten­de DGB-Vor­sit­zen­de El­ke Han­nack. Zu­dem müs­se in Re­gio­nen mit ei­nem an­ge­spann­ten Aus­bil­dungs­markt ver­stärkt auch au­ßer­be­trieb­li­che - al­so staat­li­che - Aus­bil­dung an­ge­bo­ten wer­den. "Nur so las­sen sich wei­te­re Brü­che auf dem Aus­bil­dungs­markt ver­mei­den."

Auch aus Sicht der IG Me­tall bie­ten die Un­ter­neh­men zu we­nig Aus­bil­dungs­plät­ze an. Die Ge­werk­schaft ver­weist dar­auf, dass die Zahl der un­ver­sorg­ten Be­wer­ber hö­her ist als die Zahl der nicht be­setz­ten Lehr­stel­len. IG-Me­tall-Vor­stand Hans-Jür­gen Ur­ban sag­te, die Aus­bil­dung ha­be mit der po­si­ti­ven Be­schäf­ti­gungs­ent­wick­lung der ver­gan­ge­nen Jah­re in vie­len Bran­chen nicht mit­ge­hal­ten. "Die von Ar­beit­ge­bern häu­fig be­klag­ten Eng­päs­se sind haus­ge­macht."

Aus Sicht der Wirt­schaft stellt sich die La­ge an­ders dar: Die Un­ter­neh­men hät­ten in die­sem Jahr ei­ne Re­kor­d­an­zahl an Aus­bil­dungs­plät­zen be­reit­ge­stellt, sag­te der stell­ver­tre­ten­de DIHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Achim Dercks. Das Aus­bil­dungs­an­ge­bot sei "aus Sicht der Ju­gend­li­chen so gut wie noch nie" ge­we­sen. "Der Fach­kräf­te­man­gel bleibt in vie­len Be­rei­chen der Wirt­schaft ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung."

Dercks wies auch dar­auf hin, dass par­al­lel zum Rück­gang der Zah­len der im BIBB-Be­richt ab­ge­bil­de­ten Be­rei­che In­dus­trie, Han­del oder Hand­werk die Aus­zu­bil­den­den­zah­len in der Pfle­ge und in den Er­zie­hungs­be­ru­fen an­stie­gen sei­en. "Ein brei­te­rer Blick auf den Aus­bil­dungs­be­reich ist da­her er­for­der­lich, um die Ver­än­de­run­gen rich­tig ab­zu­bil­den", sag­te er.

Jens Bran­den­burg, Spre­cher für be­ruf­li­che Bil­dung der FDP-Bun­des­tags­frak­ti­on, sag­te, die sin­ken­de Nach­fra­ge nach ei­ner be­ruf­li­chen Aus­bil­dung sei er­schre­ckend. "Mit Theo­re­ti­kern al­lein wer­den wir die Zu­kunft nicht ge­stal­ten." Bran­den­burg for­der­te ei­ne bes­se­re Be­rufs­be­ra­tung an den Schu­len und "Azu­bi-Bot­schaf­ter", die in Schul­klas­sen aus der ei­ge­nen Aus­bil­dung be­rich­ten.

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Letzte Überarbeitung: 11. Dezember 2019

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