HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/074

In­te­gra­ti­ons­kur­se sind oft nicht sehr ef­fek­tiv

Vie­le Mi­gran­ten tun sich trotz In­te­gra­ti­ons­kurs schwer mit der Spra­che. Soll­te das Kon­zept ver­bes­sert wer­den?
Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt durch Sprachkurs

22.03.2019. (dpa/fle) - Vie­le Zu­wan­de­rer schei­tern beim Deutsch­test am En­de der In­te­gra­ti­ons­kur­se oder er­rei­chen nur ein ge­rin­ges Sprach­ni­veau.

Das geht aus der Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf ei­ne An­fra­ge der AfD-Frak­ti­on so­wie aus An­ga­ben des Bun­des­amts für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (Bamf) her­vor.

Al­ler­dings er­reich­ten in den ers­ten drei Quar­ta­len des Jah­res 2018 laut Bamf 52,3 Pro­zent der Test­teil­neh­mer das Sprach­ni­veau B1. Wei­te­re 33,5 Pro­zent ka­men auf das nied­ri­ge­re Sprach­ni­veau A2.

Dem­nach gab es nach an­de­ren, vor­läu­fi­gen Zah­len 2018 ins­ge­samt 202.000 Kurs­teil­neh­mer. Rund 109.000 ab­sol­vier­ten ei­nen vor­ge­se­he­nen Deutsch-Kurs so­wie ei­nen Test "Le­ben in Deutsch­land" er­folg­reich.

Der In­te­gra­ti­ons­for­scher Her­bert Brü­cker vom In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung, dem For­schungs­in­sti­tut der Bun­des­agen­tur für Ar­beit, mahn­te al­ler­dings zur Vor­sicht bei der In­ter­pre­ta­ti­on der An­ga­ben. In der Ge­samt­zahl der Teil­neh­mer sei­en un­ter­schied­li­che Grup­pen zu­sam­men­ge­fasst, sag­te Brü­cker.

Von den Teil­neh­mern der In­te­gra­ti­ons­kur­se er­reich­ten 61 Pro­zent das er­wünsch­te Sprach­ni­veau B1, wei­te­re 31 Pro­zent ka­men auf das Ni­veau A2. Beim Ni­veau B1 kann man laut Ge­mein­sa­mem Eu­ro­päi­schen Re­fe­renz­rah­men die Haupt­punk­te ver­ste­hen, wenn kla­re Spra­che ver­wen­det wird und es um ver­trau­te Din­ge geht. Bei A1 kön­nen die Per­so­nen Sät­ze und häu­fig ge­brauch­te Aus­drü­cke ver­ste­hen und sich in ein­fa­chen Si­tua­tio­nen ver­stän­di­gen.

Im Al­pha­be­ti­sie­rungs­kurs er­reich­ten laut Brück­ner 17 Pro­zent das B1-Ni­veau, 43 Pro­zent das nied­ri­ge­re Le­vel A2.

Dass die Durch­fal­ler-Quo­te von 40 auf 45 Pro­zent ge­stie­gen sei, wie es die AfD aus den Re­gie­rungs­an­ga­ben ge­schluss­fol­gert hat­te, wies Brück­ner zu­rück. Das Bamf hat­te nach Kri­tik an man­gel­haf­ten Kur­sen die Qua­li­täts­kon­trol­le im ver­gan­ge­nen Jahr nach An­ga­ben des In­nen­mi­nis­te­ri­ums "er­heb­lich" ver­stärkt.

Ein Spre­cher des Mi­nis­te­ri­ums be­ton­te, die Bi­lanz sei nicht durch­weg ne­ga­tiv. Die Zahl der Ab­sol­ven­ten, die im Deutsch­kurs das Sprach­ni­veau B1 oder A2 er­reich­ten, sei na­he­zu un­ver­än­dert. Dies sei­en "klei­ne Er­fol­ge". Brü­cker sag­te, un­ter den Ge­sichts­punk­ten der In­te­gra­ti­on auf dem Ar­beits­markt sei ein hö­he­res Ni­veau wün­schens­wert als viel­fach er­reicht.

Die im Jahr 2005 ein­ge­führ­ten In­te­gra­ti­ons­kur­se be­ste­hen aus ei­nem Deutsch­kurs und ei­nem "Ori­en­tie­rungs­kurs" zur Rechts- und Ge­sell­schafts­ord­nung. Der Sprach­kurs um­fasst 600 Un­ter­richts­ein­hei­ten à 45 Mi­nu­ten.

In drei Fäl­len stell­te das Bamf im ver­gan­ge­nen Jahr Straf­an­zei­gen ge­gen An­bie­ter von In­te­gra­ti­ons­kur­sen, wie aus der Re­gie­rungs­ant­wort wei­ter her­vor­geht. Bei sechs Kurs­trä­gern wur­de die Zu­las­sun­gen wi­der­ru­fen und bei zehn Trä­gern ei­ne Fol­ge­zu­las­sung nicht er­teilt. Ein Bamf-Spre­cher sag­te, straf­recht­lich re­le­van­tes Ver­hal­ten sei sel­ten. Bun­des­weit ar­bei­tet das Bamf sei­nen Wor­ten zu­fol­ge mit et­wa 1.700 Trä­gern von Sprach­kur­sen zu­sam­men.

Im­mer wie­der war zu­letzt ge­for­dert wor­den, die In­te­gra­ti­ons­kur­se wei­ter zu ver­bes­sern. So hat­te die schwarz-gel­be Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on in Nord­rhein-West­fa­len im Ja­nu­ar ver­langt, die Zahl der Deutsch­stun­den für Men­schen oh­ne Schul­ab­schluss zu er­hö­hen und die Teil­neh­mer­zahl der Kur­se zu ver­klei­nern. Er­war­tet wird, dass das The­ma auch ei­ne Rol­le bei der In­te­gra­ti­ons­mi­nis­ter­kon­fe­renz am 11. und 12. April in Ber­lin spielt.

Die im Haus­halt ver­an­schlag­ten Mit­tel für In­te­gra­ti­ons­kur­se stie­gen dem Zei­tungs­be­richt zu­fol­ge von 610 Mil­lio­nen EUR im Jahr 2017 auf 765 Mil­lio­nen EUR im ver­gan­ge­nen Jahr. Die Teil­neh­mer­zahl sank im glei­chen Zeit­raum um 90.000. Ei­nem Be­richt der "Welt" zu­fol­ge wa­ren un­ter den Erst­teil­neh­mern vor al­lem Sy­rer (39.000), Af­gha­nen (15.000), Ira­ker (13.000), Ru­mä­nen (12.000), Tür­ken (9.000) und Bul­ga­ren (8.000). Fast 45.000 konn­ten zu­erst nicht Le­sen und Schrei­ben.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 29. März 2019

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email* Nachname
  Abmelden   *Pflichtangabe

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2019:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de