HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/051

Job­sha­ring bleibt ein Rand­phä­no­men

Beim Job­sha­ring tei­len sich zwei Ar­beit­neh­mer ei­ne Stel­le. Bis­her fin­det das Mo­dell we­nig An­klang. Ei­ni­ge Un­ter­neh­men wol­len das än­dern
starker Geschäftsmann und starke Geschäftsfrau

25.02.2019. (dpa/fle) - Der Ein­fall kam den bei­den SAP-Ma­na­ge­rin­nen qua­si auf dem Spiel­platz.

In ih­rer El­tern­zeit tra­fen sich Sven­ja Mül­ler und Brit­ta Freu­den­stein im­mer wie­der, bei­de woll­ten in Teil­zeit ein­stei­gen, aber mög­lichst we­nig Ver­ant­wor­tung in ih­ren Jobs im Ver­trieb für den Soft­ware­kon­zern ab­ge­ben.

"Wir kann­ten und moch­ten uns aus dem Team und wa­ren schon vor­her sehr kom­pa­ti­bel", sagt Mül­ler. Da­mit war die Idee ge­bo­ren: Job­sha­ring.

Job-Tan­dems ha­ben bei SAP ei­ne ge­wis­se Tra­di­ti­on. Selbst die Vor­stands­spit­ze be­stand vor Jah­ren ein­mal aus zwei Leu­ten. Das Bei­spiel mach­te Schu­le und seit 2013 lässt SAP grund­sätz­lich ge­teil­te Ver­ant­wor­tung auf Füh­rungs­ebe­ne zu. Jetzt plant der Kon­zern den nächs­ten Schritt.

"Wir schrei­ben ab so­fort stan­dard­mä­ßig al­le Stel­len als für Job­sha­ring ge­eig­net aus", sagt SAPs Per­so­nal­chef Ca­wa You­no­si. "Wir ha­ben fest­ge­stellt, dass ma­xi­ma­le Fle­xi­bi­li­tät am wich­tigs­ten für un­se­re Mit­ar­bei­ter ist", sagt You­no­si.

Jobs tei­len konn­ten sich auch schon Mit­ar­bei­ter un­ter­halb der Füh­rungs­ebe­ne. "Bis­lang ar­bei­ten bei SAP in Deutsch­land fünf oder sechs Tan­dems", so der Ma­na­ger. "Das größ­te Pro­blem war es bis­lang, ei­nen pas­sen­den Part­ner au­ßer­halb des ei­ge­nen Netz­werks zu fin­den." Des­halb rich­tet SAP ei­ne On­line-Platt­form ein. Wie in ei­ner Part­ner­bör­se sol­len sich zwei Mit­ar­bei­ter dort über ge­mein­sa­me In­ter­es­sen fin­den kön­nen.

Die Idee ist nicht ganz neu: Bosch bei­spiels­wei­se hat 2016 ei­ne "Job­con­nec­tor" ge­nann­te Part­ner­bör­se ein­ge­führt. Rund 1.600 Mit­ar­bei­ter ha­ben sich dort in­zwi­schen re­gis­triert. Wie vie­le Paa­re sich dort ge­fun­den ha­ben, weiß man bei Bosch of­fi­zi­ell nicht. Die Mo­del­le rei­chen aber von ei­ner 50:50-Tei­lung bis hin zu klas­si­schen Dop­pel­spit­zen oder Voll­zeit­stel­len, bei de­nen ein Pro­zent­satz in ei­ne ge­teil­te Po­si­ti­on ein­ge­bracht wird. Da­mit Über­ga­ben mög­lich sind, lässt Bosch bei Job­sha­ring auch 120 Pro­zent auf ei­ner Stel­le zu.

Laut ei­ner Un­ter­su­chung der Ge­sell­schaft für Kon­sum­for­schung GfK und Ro­land Ber­ger im Auf­trag des Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­ums bie­tet et­wa ein Drit­tel der deut­schen Fir­men mit mehr als 15 Mit­ar­bei­tern ein sol­ches Job­sha­ring-Mo­dell an. Der Kon­sum­gü­ter­kon­zern Bei­ers­dorf et­wa zähl­te zu­letzt bun­des­weit 19 Job-Tan­dems.

Auch bei der Bahn wird ak­tu­ell ein stär­ke­rer Fo­kus auf Job­sha­ring-Mo­del­le ge­legt. Der Kon­zern stellt der­zeit mehr Men­schen ein als je zu­vor - 20.000 Mit­ar­bei­ter wer­den ge­sucht. Mo­der­ne Ar­beits­zeit­mo­del­le sind da ein wich­ti­ges Ar­gu­ment. Die bei­den Bahn-Ma­na­ge­rin­nen Ca­ro­la Gar­be und Ca­the­ri­ne-Ma­rie Koffnit tei­len sich seit gut ei­nem Jahr die Stel­le der Per­so­nal­lei­te­rin des Re­gio­nal­be­reichs Ost bei der DB Netz. Sie ar­bei­ten je­weils 60 Pro­zent und wech­seln sich wo­chen­wei­se ab.

Wi­der­stän­de gab es vor al­lem auf den mitt­le­ren Füh­rungs­ebe­nen. "Es ist so, dass wir den tra­dier­ten Füh­rungs­kräf­ten ei­nen Spie­gel vor­ge­hal­ten ha­ben", sagt Gar­be. Frü­her sei Ver­ant­wor­tung im­mer mit lan­gen Ar­beits­zei­ten gleich ge­setzt wor­den. "Das ist nicht das, was wir wol­len, wenn wir an Mill­en­ni­als den­ken", sagt sie. In­zwi­schen ha­be ein Um­den­ken ein­ge­setzt. In ih­rem Team sei­en die Leu­te be­geis­tert ge­we­sen. "Be­son­ders Leu­te um die 30 fin­den das ein coo­les Mo­dell", sagt die Bahn-Per­so­na­le­rin. Nur ver­ein­zelt tä­ten sich Mit­ar­bei­ter schwer mit der dop­pel­ten Che­fin.

Bei der Bahn wird Job­sha­ring nur Füh­rungs­kräf­ten an­ge­bo­ten. Auf an­de­ren Ebe­nen - et­wa bei Re­fe­ren­ten und Schicht­ar­bei­tern sei Teil­zeit im Ta­rif­ver­trag ver­an­kert und müs­se nur or­ga­ni­siert wer­den, er­klärt Per­so­na­le­rin Gar­be. Ih­re Kol­le­gin Koffnit sieht vor al­lem ei­ne wich­ti­ge Grund­la­ge, da­mit das Mo­dell funk­tio­niert: "Man muss sich ver­trau­en und Macht ab­ge­ben". Koffnit war zu­vor die Stell­ver­tre­te­rin ih­rer heu­ti­gen Tan­dem-Part­ne­rin. "Zwei Frem­de zu­sam­men­zu­brin­gen, hal­ten wir für schwie­rig."

Ge­nau dar­auf zielt die Soft­ware der Fir­ma Tand­em­ploy, die auch SAP für sei­ne Job-Part­ner­bör­se ein­setzt. Mit­grün­de­rin Ja­na Te­pe sagt: "Die bei­den müs­sen nicht be­freun­det sein, aber ähn­li­che Ar­beits­wei­sen ha­ben." Auch Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wei­sen und Zie­le müss­ten sich glei­chen.

Das se­hen die bei­den SAP-Mit­ar­bei­te­rin­nen ähn­lich: "Uns bei­den ist der Job wich­tig - Über­stun­den sind für uns selbst­ver­ständ­lich, wenn es sein muss. Das mi­ni­miert den Ge­sprächs­auf­wand", sagt Sven­ja Mül­ler. Gleich­zei­tig ge­be es durch­aus Un­ter­schie­de, sagt ih­re Kol­le­gin Brit­ta Freu­den­stein. "Sven­ja trifft schnell Ent­schei­dun­gen, wäh­rend ich vie­le Mög­lich­kei­ten ab­wä­ge. Da er­gän­zen wir uns gut." Sven­ja Mül­ler und Brit­ta Freu­den­stein ar­bei­ten in­zwi­schen je 70 Pro­zent. Sie tei­len sich ein gro­ßes Ge­biet im SAP-Ver­trieb - Mes­sen und ganz­tä­gi­ge Kun­den­be­su­che ge­hö­ren zum Ge­schäft.

Sie kann sich gut vor­stel­len, dass das Mo­dell auch in an­de­ren Si­tua­tio­nen funk­tio­niert. "Et­wa beim Über­gang in den Ru­he­stand, wenn ein Nach­fol­ger ge­fun­den wer­den muss."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 4. März 2019

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email* Nachname
  Abmelden   *Pflichtangabe

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2019:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de