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Kampf um die Os­ram-Über­nah­me be­ginnt

Zwei kon­kur­rie­ren­de In­ter­es­sen­ten wol­len den Licht­kon­zern Os­ram über­neh­men. Ver­hand­lungs­punk­te sind ne­ben dem Preis auch die Stand­ort­si­che­rung
Glühlampe in dunklem Raum

22.08.2019. (dpa/fle) - Der Licht­kon­zern Os­ram macht den Weg frei für ein Über­nah­me­an­ge­bot des ös­ter­rei­chi­schen Chip­kon­zerns AMS.

Vor­stand und Auf­sichts­rat von Os­ram hät­ten das be­ste­hen­de Still­hal­te­ab­kom­men mit AMS auf­ge­ho­ben und ei­ne Ko­ope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung un­ter­zeich­net, teil­te das Un­ter­neh­men am Mitt­woch­abend in Mün­chen mit.

Da­mit eb­net das Münch­ner MDax-Un­ter­neh­men dem ös­ter­rei­chi­schen Halb­lei­ter­her­stel­ler den Weg für den of­fi­zi­el­len Ein­stieg in das Bie­ter­ren­nen. AMS kon­kur­riert mit den bei­den US-Fi­nanz­in­ves­to­ren Bain Ca­pi­tal und Car­lyle. Os­ram-Chef Olaf Ber­li­en sag­te am Don­ners­tag in ei­ner Te­le­fon­schal­te mit Ana­lys­ten, dass sein Un­ter­neh­men und AMS un­ter­schied­li­che An­sich­ten über die Zu­kunft der Di­gi­tal­spar­te hät­ten.

Der Os­ram-Auf­sichts­rat stimm­te am Mitt­woch zu­dem ei­ner Zu­sam­men­schluss­ver­ein­ba­rung mit AMS zu, die "Schutz­zu­sa­gen für Mit­ar­bei­ter, Stand­or­te und we­sent­li­che Un­ter­neh­mens­tei­le" ent­hält, wie es in der Mit­tei­lung heißt.

AMS be­ton­te nach der Ent­schei­dung die Vor­tei­le der "Schaf­fung ei­nes welt­weit füh­ren­den An­bie­ters von Sen­so­rik­lö­sun­gen und Pho­to­nik" für Kun­den. Ein Zu­sam­men­schluss der bei­den Fir­men er­mög­li­che "ei­ne er­heb­li­che Wert­stei­ge­rung". Be­ste­hen­de Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen, Ta­rif­ver­trä­ge und ähn­li­che Ver­ein­ba­run­gen in Deutsch­land wol­le AMS im Fall ei­ner Über­nah­me fort­set­zen. Für die deut­schen Pro­duk­ti­ons­stand­or­te sprach der Halb­lei­ter­her­stel­ler zu­dem ei­ne min­des­tens drei­jäh­ri­ge Stand­ort­si­che­rung aus.

Die IG Me­tall spricht sich wei­ter­hin klar ge­gen ei­ne Über­nah­me von Os­ram durch AMS aus, wie ein Ge­werk­schafts­ver­tre­ter der dpa nach der Auf­sichts­rats­ent­schei­dung sag­te. Der Grund sei, dass es aus IG-Me­tall-Sicht trotz der Ko­ope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung wei­ter­hin kei­ne wirk­lich be­last­ba­re Ar­beits­platz­si­cher­heit ge­be. "Da­vid will Go­li­ath über­neh­men und lehnt da­bei bis­her rechts­si­che­re be­last­ba­re Ver­ein­ba­run­gen zur Be­schäf­ti­gungs­si­che­rung ab", kri­ti­sier­te Ire­ne Schulz, ge­schäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied der IG Me­tall, am Don­ners­tag.

Im Ge­gen­zug für das Still­hal­te­ver­spre­chen hat­te AMS im Ju­ni Ein­blick in die Os­ram-Bü­cher er­hal­ten. Es muss­te auf­ge­löst wer­den, da­mit AMS sein An­ge­bot den Os­ram-Ak­tio­nä­ren of­fi­zi­ell vor­le­gen kann. Der Sen­sor­her­stel­ler will das Münch­ner Un­ter­neh­men für 38,50 EUR je Ak­tie über­neh­men und die bei­den Un­ter­neh­men dann zu­sam­men­schlie­ßen.

Die US-In­ves­to­ren wol­len den Ak­tio­nä­ren nur 35 EUR je Ak­tie zah­len - da­für hat­ten sie den Os­ram-Be­schäf­tig­ten aber schon früh den Er­halt von Stand­or­ten und Ar­beits­plät­zen zu­ge­sagt. Das An­ge­bot an die Ak­tio­nä­re läuft am 5. Sep­tem­ber aus. Bain und Car­lyle ha­ben be­reits das grü­ne Licht der Fi­nanz­auf­sicht er­hal­ten. Bei AMS muss es noch er­fol­gen, be­vor sie den Os­ram-Ak­tio­nä­ren das An­ge­bot for­mal auch wirk­lich un­ter­brei­ten kön­nen.

Der Kampf um die Über­nah­me dürf­te dann an Fahrt ge­win­nen: An­fang der Wo­che hat­te es Be­rich­te ge­ge­ben, nach de­nen Bain und Car­lyle über ei­ne Er­hö­hung ih­res Ge­bots nach­den­ken, wenn Os­ram ein öf­fent­li­ches An­ge­bot ein­rei­che. Ber­li­en er­klär­te am Don­ners­tag, dass er zu mög­li­chen Re­ak­tio­nen der US-Bie­ter nichts sa­gen kön­ne.

Zu­nächst hat­ten Os­ram-Vor­stand und -Auf­sichts­rat über Wo­chen ei­ne Über­nah­me durch die US-Ame­ri­ka­ner fa­vo­ri­siert. Dann leg­te AMS ein ver­bes­ser­tes An­ge­bot vor. Seit­dem führ­ten bei­de Un­ter­neh­men nach Os­ram-An­ga­ben "kon­struk­ti­ve Ge­sprä­che über ei­ne Zu­sam­men­schluss­ver­ein­ba­rung".

Die IG Me­tall, die eben­falls mit Mit­glie­dern im Auf­sichts­rat von Os­ram ver­tre­ten ist, blieb al­ler­dings stets hart: Man be­zweif­le, dass AMS aus­rei­chend Er­fah­rung ha­be, um die Kom­ple­xi­tät des an­ge­schla­ge­nen Münch­ner Leuch­ten­her­stel­lers voll­stän­dig zu durch­drin­gen. Zu­dem müs­se sich AMS für die Über­nah­me wei­ter ver­schul­den. Das sei ris­kant.

AMS ist be­reits hoch ver­schul­det und müss­te die Über­nah­me auf Kre­dit fi­nan­zie­ren. Des­we­gen gibt es Be­fürch­tun­gen, dass die Ös­ter­rei­cher ei­ne Über­nah­me durch die Zer­schla­gung von Os­ram ge­gen­fi­nan­zie­ren könn­ten, um nur die Tei­le zu be­hal­ten, die für AMS wich­tig sind. AMS und Os­ram sind auf ei­ni­gen Fel­dern di­rek­te Kon­kur­ren­ten.

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Letzte Überarbeitung: 7. Oktober 2019

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