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Kar­stadt und Kauf­hof sind fu­sio­niert

Kar­stadt und Kauf­hof sol­len zu­sam­men wie­der wett­be­werbs­fä­hig wer­den. Streit be­steht über die Er­folgs­bi­lanz von Kauf­hof
Modegeschäft, Textil-Einzelhandel, Shopping

03.12.2018. (dpa/fle) - Deutsch­land hat ei­nen neu­en Wa­ren­haus­rie­sen. Der Zu­sam­men­schluss von Kar­stadt und Kauf­hof wur­de am Frei­tag of­fi­zi­ell voll­zo­gen, wie die Un­ter­neh­men mit­teil­ten.

Über­schat­tet wur­de der Schritt al­ler­dings durch mas­si­ve Que­re­len hin­ter den Ku­lis­sen. Der Kauf­hof-Chef Ro­land Neu­wald und ei­ni­ge sei­ner engs­ten Mit­ar­bei­ter wer­den den neu­for­mier­ten Wa­ren­haus­kon­zern wohl ver­las­sen.

Der neue Ein­zel­han­dels­rie­se wird eu­ro­pa­weit 243 Stand­or­te ha­ben und rund 32.000 Mit­ar­bei­ter be­schäf­ti­gen. Ge­lei­tet wer­den soll das Un­ter­neh­men vom bis­he­ri­gen Kar­stadt-Chef Ste­phan Fan­derl. Auch wei­te­re wich­ti­ge Schlüs­sel­po­si­tio­nen sol­len mit Kar­stadt-Leu­ten be­setzt wer­den.

Im Mit­tel­punkt des Streits stand die Fra­ge, wie schlecht es um Kauf­hof wirk­lich steht. Kauf­hof-Chef Neu­wald wur­de aus dem Um­feld von Kar­stadt vor­ge­wor­fen, dass sein Sa­nie­rungs­pro­gramm "Turn 2 Win" deut­lich hin­ter den Er­war­tun­gen zu­rück­ge­blie­ben sei. Der Kar­stadt-Chef sei mit der Si­tua­ti­on bei Ga­le­ria Kauf­hof hoch­gra­dig un­zu­frie­den, hieß es. Die La­ge dort sei noch schlech­ter als bei Ver­trags­un­ter­zeich­nung im Spät­som­mer er­war­tet. Die Ver­lus­te wür­den im­mer grö­ßer, sag­te ei­ne Per­son, die die ak­tu­el­len Zah­len kennt.

Im Um­feld von Kauf­hof wur­de die­se Dar­stel­lung al­ler­dings ent­schie­den wi­der­spro­chen. Kauf­hof wer­de schlecht­ge­re­det, hieß es dort. Neu­wald kön­ne das Un­ter­neh­men "mit er­ho­be­nem Haupt" ver­las­sen. Denn das Kauf­hof-Sa­nie­rungs­pro­gramm zei­ge in­zwi­schen deut­li­che Er­fol­ge. Die Kos­ten sei­en be­reits um über 30 Mil­lio­nen Eu­ro ge­senkt wor­den. Die Um­satz­rück­gän­ge bei der Köl­ner Wa­ren­haus­ket­te sei­en ge­stoppt wor­den. Im Ok­to­ber und No­vem­ber hät­ten die Um­sät­ze so­gar erst­mals wie­der über dem Vor­jah­res­ni­veau ge­le­gen.

Bei der Kri­tik an der La­ge des Kauf­hof ge­he es mög­li­cher­wei­se auch dar­um, den Bo­den für die Ver­hand­lun­gen mit der Ge­werk­schaft Ver­di über ei­nen Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag vor­zu­be­rei­ten, wur­de auf Kauf­hof-Sei­te spe­ku­liert.

Ver­di for­der­te ei­ne "so­for­ti­ge Ein­bin­dung" der Be­triebs­rä­te und der Ge­werk­schaft. "Für Ver­di und die Ge­samt­be­triebs­rä­te steht bei al­len Über­le­gun­gen die Stand­ort- und Be­schäf­ti­gungs­si­che­rung so­wie die Bin­dung an den Flä­chen­ta­rif­ver­trag an ers­ter Stel­le", er­klär­te Bun­des­vor­stands­mit­glied Ste­fa­nie Nut­zen­ber­ger. Kauf­hof und Kar­stadt recht­lich als zwei Un­ter­neh­men zu füh­ren, sei ei­ne rich­ti­ge Ent­schei­dung, weil dies die größ­ten Chan­cen für den Er­halt der Dop­pel­stand­or­te bie­te.

Un­ter dem Dach der neu­en Hol­ding wer­den nicht nur die deut­schen Kauf­hof- und Kar­stadt-Fi­lia­len ver­eint, son­dern auch die Kar­stadt-Sport­häu­ser, die eu­ro­päi­schen Fi­lia­len der Out­let-Ket­te Saks Off 5th, die Ga­le­ria-In­no-Kauf­häu­ser in Bel­gi­en, die erst kürz­lich ge­grün­de­ten Hud­son's-Bay-Wa­ren­häu­ser in den Nie­der­lan­den so­wie ei­ne Rei­he von In­ter­net-An­bie­tern. Die Mehr­heit am neu­en Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men hält der bis­he­ri­ge Kar­stadt-Ei­gen­tü­mer Re­né Ben­ko. Der Kauf­hof-Ei­gen­tü­mer Hud­son's Bay Com­pa­ny bleibt als Min­der­heits­ei­gen­tü­mer an Bord.

Der Zu­sam­men­schluss ist aus der Not ge­bo­ren. Kauf­hof und Kar­stadt macht seit Jah­ren der Sie­ges­zug von Bil­lig­an­bie­tern wie Pri­mark und On­line-Händ­lern wie Ama­zon oder Za­lan­do zu schaf­fen, aber auch die Kon­kur­renz der gro­ßen Ein­kaufs­zen­tren. Von dem Zu­sam­men­schluss er­hof­fen sich die bei­den Ket­ten ei­ne Ver­bes­se­rung ih­rer Wett­be­werbs­po­si­ti­on.

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Letzte Überarbeitung: 11. Juli 2019

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