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Lohnt sich ein Voll­stu­di­um im Aus­land?

Stu­di­en­auf­ent­hal­te im Aus­land sind be­liebt. Doch lohnt es sich, wenn das gan­ze Stu­di­um im Aus­land ab­sol­viert wer­den soll?
Einstiegsgehalt für Absolventen, Studium, Akademiker

18.11.2019. (dpa/fle) - Spa­ni­en, Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en: Aus­lands­auf­ent­hal­te auf Zeit ge­hö­ren mitt­ler­wei­le für im­mer mehr Stu­die­ren­de zum Cur­ri­cu­lum.

Das zei­gen et­wa Da­ten, die der Deut­sche Aka­de­mi­sche Aus­tausch­dienst (DA­AD) 2019 zu­sam­men­ge­stellt hat.

Wäh­rend ein Eras­mus-Auf­ent­halt im Schnitt nach et­wa fünf bis sechs Mo­na­ten wie­der zu En­de ist, dau­ert ein Voll­stu­di­um im Aus­land meh­re­re Jah­re.

Wer vor solch ei­ner gro­ßen Über­le­gung steht, hat na­tür­lich vie­le Fra­gen: Was ist bei der Pla­nung zu be­rück­sich­ti­gen? Und ist der Auf­ent­halt wirk­lich vor­teil­haft für den Job­ein­stieg in Deutsch­land?

Klar ist: Oh­ne Vor­be­rei­tung geht es nicht. Be­son­ders für ein Voll­stu­di­um im Aus­land ist im Vor­feld viel zu re­geln. Wolf­gang Gai­ring vom Deut­schen Aka­de­mi­schen Aus­tausch­dienst (DA­AD) emp­fiehlt Stu­die­ren­den da­her, be­reits 12 bis 14 Mo­na­te vor­her zu wis­sen, wo­hin es ge­hen soll.

Die Fris­ten und Un­ter­la­gen, die für ei­ne Be­wer­bung nö­tig sind, un­ter­schie­den sich teil­wei­se er­heb­lich von de­nen für deut­sche Hoch­schu­len. In Groß­bri­tan­ni­en et­wa müs­sen sich In­ter­es­sier­te dem Ex­per­ten zu­fol­ge be­reits im Ja­nu­ar be­wer­ben - für an­ge­hen­de Ba­che­lor­stu­die­ren­de be­deu­tet das viel Stress noch vor den Ab­itur­prü­fun­gen.

Sprach­zer­ti­fi­ka­te oder Eig­nungs­test, wie der Gra­dua­te Ma­nage­ment Ad­mis­si­on Test (GMAT) für Busi­ness Schools, müss­ten in vie­len Fäl­len eben­falls vor Be­wer­bung oder Stu­di­en­start ab­ge­legt wer­den.

"Au­ßer­dem ist es viel schwie­ri­ger, sich über ei­nen Stu­di­en­gang oder Stu­di­en­ort im Aus­land zu in­for­mie­ren", gibt Gai­ring zu be­den­ken. Wenn die Wunsch­u­ni­ver­si­tät in den USA, statt in der Hei­mat- oder Nach­bar­stadt liegt, kann man sich die­se vor­her nicht ein­fach an­schau­en. Ob sich Stu­die­ren­de am Cam­pus wohl­füh­len, wel­chen Ein­druck die Hoch­schu­le macht - all das bleibt dann wo­mög­lich bis zum Um­zug of­fen.

Die Fi­nan­zen sind ein wei­te­res The­ma, über das sich Stu­die­ren­de Ge­dan­ken ma­chen müs­sen, die ih­ren Ba­che­lor oder Mas­ter im Aus­land ab­sol­vie­ren wol­len. So sei­en die Stu­di­en­ge­büh­ren vor al­lem in den USA und Groß­bri­tan­ni­en enorm hoch, sagt Gai­ring. Hier wür­den auch Sti­pen­di­en des DA­AD die Kos­ten nicht voll­stän­dig de­cken. Ob sich das fi­nan­zi­el­le En­ga­ge­ment spä­ter aus­zahlt, sei nicht im­mer ab­zu­schät­zen.

Das be­stä­tigt Mat­thi­as Rau­hut von der Zen­tra­len Aus­lands- und Fach­ver­mitt­lung (ZAV) der Bun­des­agen­tur für Ar­beit. Die Re­inte­gra­ti­on in den deut­schen Ar­beits­markt kön­ne mit ei­nem Hoch­schul­ab­schluss aus dem Aus­land schwie­ri­ger ver­lau­fen, als bei Ab­sol­ven­ten, die ei­nen deut­schen Ab­schluss vor­zu­wei­sen ha­ben.

"Man muss sich ge­nau über­le­gen, war­um man sein gan­zes Stu­di­um im Aus­land ab­sol­vie­ren möch­te", so sein Rat. Wer bei­spiels­wei­se sei­ne be­ruf­li­che oder pri­va­te Zu­kunft im Ziel­land sieht, für den sei ein Voll­stu­di­um im Aus­land kein Pro­blem.

Falls man aber nach Deutsch­land zu­rück­kom­men möch­te, sei­en ei­ni­ge Fall­stri­cke zu be­ach­ten. So ist vor­ab zu prü­fen, ob der Stu­di­en­ab­schluss in Deutsch­land an­er­kannt wird. Das be­trifft Rau­hut zu­fol­ge ins­be­son­de­re Stu­di­en­gän­ge für staat­lich re­gu­lier­te Be­ru­fe, wie Arzt, Leh­rer oder An­walt, die in Deutsch­land mit ei­nem Staats­ex­amen ab­ge­schlos­sen wer­den.

Dar­über hin­aus sei­en In­hal­te und Be­grif­fe nicht eins-zu-eins über­trag­bar und für Ar­beit­ge­ber manch­mal un­durch­sich­tig. "Dar­um emp­feh­len wir, den Ba­che­lor in Deutsch­land zu ma­chen und dann den Mas­ter bei­spiels­wei­se in Groß­bri­tan­ni­en", so der Be­ra­ter.

Wolf­gang Gai­ring sieht dies ähn­lich. Er hält es eben­so für den bes­se­ren Weg, nicht das gan­ze Stu­di­um im Aus­land zu ab­sol­vie­ren.

Al­ler­dings gä­be es teils fach­li­che Un­ter­schie­de. "Wäh­rend es in den Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten zum gu­ten Ton ge­hört, in­ter­na­tio­nal zu stu­die­ren, sind die In­ge­nieur­wis­sen­schaf­ten in Deutsch­land eher stand­ort­treu. Klas­si­scher­wei­se schät­zen Ar­beit­ge­ber in Deutsch­land aus­ge­bil­de­te In­ge­nieu­re sehr." Das je­wei­li­ge Stu­di­en­fach stellt da­her bei der Ent­schei­dung für ein Voll­stu­di­um im Aus­land eben­falls ei­ne Rol­le.

Wenn be­stimm­te Vor­aus­set­zun­gen er­füllt sind, kann sich ein Ba­che­lor oder Mas­ter im Aus­land aber durch­aus po­si­ti­ve Ef­fek­te für die Kar­rie­re ha­ben. Aus Sicht von An­na Lütt­gen, Ex­per­tin für in­ter­na­tio­na­le Re­kru­tie­run­gen beim Per­so­nal­ver­mitt­ler Hays, könn­ten Be­wer­ber spä­ter zum Bei­spiel mit dem Re­nom­mee aus­län­di­scher Uni­ver­si­tä­ten bei Ar­beit­ge­bern punk­ten.

Manch­mal gä­be es in ei­ni­gen Fä­chern auch Stu­di­en­in­hal­te, die nur an aus­län­di­schen Uni­ver­si­tä­ten ge­lehrt wer­den wür­den. Und die Soft Skills sind nicht zu un­ter­schät­zen. Ein Ab­sol­vent, der ins Aus­land geht, ver­lässt der Per­so­nal­ex­per­tin zu­fol­ge zum Bei­spiel sei­ne per­sön­li­che Kom­fort­zo­ne, er­wirbt in­ter­kul­tu­rel­le Kom­pe­ten­zen und gilt all­ge­mein als selbst­stän­di­ger. Das kann bei der Job­su­che Tü­ren öff­nen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 18. November 2019

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