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Lo­ka­les Roa­ming beim Mo­bil­funk­aus­bau er­zwin­gen?

Beim Mo­bil­funk­aus­bau ist lo­ka­les Roa­ming in der Dis­kus­si­on, das in ei­nem Funk­loch den Wech­sel auf ein an­de­res Netz er­laubt
Handy, Smartphone, Erreichbarkeit im Job

31.01.2019. (dpa/fle) - In der Ko­ali­ti­on bahnt sich ein Streit über Vor­ga­ben für Netz­be­trei­ber beim Aus­bau des schnel­len Mo­bil­funks an.

Wirt­schafts­po­li­ti­ker der Uni­on for­der­ten Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz (SPD) auf, den Weg für das lo­ka­le Roa­ming frei zu ma­chen. Da­bei wür­den Kun­den, die in ei­ner be­stimm­ten Ge­gend kei­nen Emp­fang ha­ben, au­to­ma­tisch mit ei­nem an­de­ren Netz­an­bie­ter ver­bun­den.

"Die Ein­füh­rung von lo­ka­lem Roa­ming darf nicht wei­ter ver­schleppt wer­den", heißt es in ei­ner Stel­lung­nah­me ei­ni­ger CDU-Wirt­schafts­po­li­ti­ker. "Sonst wer­den wir im länd­li­chen Raum wei­ter­hin von ei­nem Funk­loch ins nächs­te fah­ren. Das ist Po­li­tik ge­gen die Men­schen und die Wirt­schaft im länd­li­chen Raum."

Hin­ter­grund sind Ver­hand­lun­gen zu ei­ner Än­de­rung des Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­set­zes. Die Uni­on will, dass die Bun­des­netz­agen­tur künf­tig lo­ka­les Roa­ming in un­ter­ver­sorg­ten Ge­bie­ten an­ord­nen kann, wenn kei­ne frei­wil­li­gen Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­fir­men zu­stan­de kom­men. Für die Öff­nung ih­rer Net­ze sol­len die Be­trei­ber ein Ent­gelt von den mit­nut­zen­den Fir­men er­hal­ten.

"Es geht um die Da­seins­vor­sor­ge für al­le Bür­ger", heißt es in der Stel­lung­nah­me der CDU-Wirt­schafts­po­li­ti­ker. "Zu­gleich ver­lie­ren auch die mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men im länd­li­chen Raum den An­schluss an tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lun­gen."

Die Uni­ons­ab­ge­ord­ne­ten for­der­ten Scholz zum Han­deln auf: "Wenn SPD tat­säch­lich flä­chen­de­ckend 5G an je­der Milch­kan­ne will, wie sie es be­haup­tet, dann kann Sie jetzt die Wei­chen da­für stel­len. An­sons­ten führt die SPD die Men­schen im länd­li­chen Raum hin­ters Licht."

Das Kür­zel 5G steht für die 5. Mo­bil­funk­ge­ne­ra­ti­on. Die Über­tra­gung ist et­wa 100 Mal schnel­ler als der ak­tu­ell weit ver­brei­te­te Stan­dard 4G, auch LTE ge­nannt. Für Pri­vat­kun­den dürf­te 5G nicht all­zu wich­tig sein, da für die meis­ten mo­bi­len An­wen­dun­gen auf dem Smart­pho­ne oder Ta­blet 4G reicht. Für die In­dus­trie hat 5G hin­ge­gen zen­tra­le Be­deu­tung, et­wa für au­to­nom fah­ren­de Au­tos oder für die Te­le­me­di­zin.

Die Bun­des­netz­agen­tur hat­te da­vor ge­warnt, lo­ka­les Roa­ming zu er­zwin­gen. Ei­ne sol­che Än­de­rung noch vor der 5G-Auk­ti­on wür­de "er­heb­li­che Rechts­un­si­cher­hei­ten ver­ur­sa­chen und das Auk­ti­ons­ver­fah­ren ge­fähr­den". Die gro­ßen Netz­be­trei­ber se­hen da­durch teu­re In­ves­ti­tio­nen in Funk­mas­ten als ent­wer­tet.

Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter der gro­ßen deut­schen Mo­bil­funk­kon­zer­ne hat­ten die Po­li­tik vor den Fol­gen ei­ner Roa­ming­pflicht für die Mit­ar­bei­ter ge­warnt. Die Plä­ne zum lo­ka­len Roa­ming ge­fähr­de­ten Ar­beits­plät­ze, hat­te es in ei­nem Brief der Be­triebs­rats­chefs von Vo­da­fo­ne, Te­le­fó­ni­ca und Deut­scher Te­le­kom an die Frak­ti­ons­spit­zen von Uni­on und SPD ge­hei­ßen. Es sei zu be­fürch­ten, dass ei­ne Pflicht, die In­fra­struk­tur für Wett­be­wer­ber zu öff­nen, den Netz­aus­bau in Deutsch­land hem­men wür­de und zu Lohn­dum­ping in der Bran­che füh­ren könn­te.

Bei der 5G-Fre­quenz­auk­ti­on mit­ma­chen wol­len die Deut­sche Te­le­kom, Vo­da­fo­ne und Te­le­fó­ni­ca so­wie der Mo­bil­funk-Dis­coun­ter 1&1-Dril­lisch, der noch kein ei­ge­nes Netz hat. Schät­zun­gen zu­fol­ge könn­ten fünf Mil­li­ar­den Eu­ro in die Staats­kas­sen ge­spült wer­den.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 17. März 2019

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