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ARBEITSRECHT AKTUELL // 20/009

Luft­han­sa zur Me­dia­ti­on be­reit

Nach dem Flug­be­glei­ter-Streik über Sil­ves­ter in der Luft­han­sa-Grup­pe scheint nun Be­we­gung in den Ta­rif­kon­flikt zu kom­men
Flughafen_Streik_

13.01.2020. (dpa/fle) - Nach drei Streik­wel­len kön­nen Pas­sa­gie­re der Luft­han­sa auf stö­rungs­freie Mo­na­te hof­fen.

In dem fest­ge­fah­re­nen Ta­rif­kon­flikt mit der Ka­bi­nen-Ge­werk­schaft Ufo hat der Kon­zern am Mon­tag an­ge­kün­digt, ei­ner Me­dia­ti­on zu nicht-ta­rif­li­chen Streit­the­men zu­stim­men zu wol­len. Bis­lang hat­te das Un­ter­neh­men da­zu ein rich­ter­li­ches Gü­te­ver­fah­ren vor­ge­schla­gen.

Un­ter an­de­rem we­gen die­ses Streit­punk­tes konn­ten die bei­den de­si­gnier­ten Sch­lich­ter Frank-Jür­gen Wei­se und Mat­thi­as Platz­eck ih­re Ver­mitt­lungs­tä­tig­keit noch nicht auf­neh­men. Die Ufo hat be­reits ei­nen Warn­streik und zwei re­gu­lä­re Streik­wel­len bei ver­schie­de­nen Flug­be­trie­ben des Luft­han­sa-Kon­zerns ver­an­stal­tet. Am kom­men­den Don­ners­tag (16. Ja­nu­ar) ist ein drit­tes Vor­ge­spräch mit den Sch­lich­tern ge­plant.

"Mit un­se­rem Ein­len­ken wol­len wir die Lö­sung of­fe­ner The­men er­mög­li­chen", er­klär­te der neue Luft­han­sa-Ar­beits­di­rek­tor Mi­cha­el Nig­ge­mann, der zum Jah­res­wech­sel Bet­ti­na Vol­kens ab­ge­löst hat. Not­wen­dig sei aber, dass mit der Me­dia­ti­on ver­bind­lich der Be­ginn ei­ner um­fas­sen­den Sch­lich­tung er­mög­licht wer­de. Für den Fall ei­ner Me­dia­ti­on hat­te die Ufo ei­nen Streik­ver­zicht in Aus­sicht ge­stellt. Ak­tu­ell nann­te Ufo-Vi­ze Da­ni­el Flohr die öf­fent­li­che An­kün­di­gung der Luft­han­sa aber "nicht hilf­reich". Um den Pro­zess nicht zu ge­fähr­den, wer­de man aber kei­nen wei­te­ren Kom­men­tar ab­ge­ben.

Ne­ben ta­rif­li­chen The­men zu Ar­beits­be­din­gun­gen, Ren­ten und Ent­gel­ten ha­ben die lan­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen den strei­ten­den Par­tei­en ei­ni­ge Kon­flik­te hin­ter­las­sen. Es geht un­ter an­de­rem um per­sön­li­che Kla­gen und da­mit ver­bun­de­ne Haf­tungs­fra­gen ge­gen frü­he­re und ak­tu­el­le Vor­stän­de der Ge­werk­schaft. Auch war der frü­he­re Ufo-Chef Ni­coley Baublies aus Luft­han­sa-Diens­ten ent­las­sen wor­den.

In­tern müs­sen sich Baublies und der ver­blie­be­ne Rest­vor­stand ei­ner Neu­wahl stel­len. Erst­mals tritt zu den Vor­stands­wah­len ei­ne op­po­si­tio­nel­le Lis­te na­mens "Pho­enix" an, wie aus in­ter­nen Ver­öf­fent­li­chun­gen der Ge­werk­schaft her­vor­geht. Die bis­he­ri­ge Füh­rung der streit­ba­ren Spar­ten­ge­werk­schaft ist auf ei­ner Lis­te mit dem Ti­tel "No mo­re Ga­mes" (kei­ne wei­te­ren Spiel­chen) ver­tre­ten.

Die Pho­enix-Grup­pe strebt nach ei­ge­nen An­ga­ben ei­ne Neu­ori­en­tie­rung der Ge­werk­schaft an, die aus ih­rer Sicht bis­lang zu stark zen­tral vom Vor­stand ge­steu­ert wor­den sei. Im­pul­se müss­ten künf­tig wie­der mehr aus den ta­ri­fier­ten Air­lines kom­men. Ta­rif­po­li­tik ge­hö­re an den Ver­hand­lungs­tisch und nicht in die me­dia­le Öf­fent­lich­keit, heißt es in wei­te­ren "Kern­punk­ten" zur Wahl. Auch soll­ten die Be­dürf­nis­se der Mit­glie­der wie­der in den Vor­der­grund rü­cken und ta­rif­li­che Zie­le nicht mit per­sön­li­chen An­lie­gen des Vor­stands ver­knüpft wer­den.

Bei der von ex­ter­nen Rechts­an­wäl­ten ge­lei­te­ten Wahl ist ei­ne Lis­ten­wahl vor­ge­se­hen. Der Vor­stand wird folg­lich al­lein aus der sieg­rei­chen Lis­te ge­stellt. Die Ufo-Mit­glie­der sind auf­ge­ru­fen, zwi­schen dem 27. Ja­nu­ar und dem 14. Fe­bru­ar ih­re Stim­men ab­zu­ge­ben. Ein Er­geb­nis soll dann in­ner­halb von drei Ta­gen ver­öf­fent­licht wer­den.

Sei­tens der "No mo­re Ga­mes" tre­ten die bei­den bis­he­ri­gen Spit­zen­funk­tio­nä­re Syl­via de la Cruz und Da­ni­el Flohr wie­der für den Vor­stand an. Auch der als Be­auf­trag­ter des Vor­stands an­ge­stell­te Ex-Ufo-Chef Baublies will wei­ter­hin mit­mi­schen und sich in die wich­ti­ge Grund­satz­kom­mis­si­on wäh­len las­sen.

Auch we­gen der Ufo-Streiks mit rund 2.000 Flug­aus­fäl­len hat der Kon­zern sei­ne Stel­lung als Eu­ro­pas größ­te Pas­sa­gier-Air­line wie­der an den iri­schen Bil­lig­flie­ger Rya­n­air ab­ge­ge­ben. Im Jahr 2019 flo­gen rund 145,2 Mil­lio­nen Men­schen mit der Luft­han­sa und ih­ren Töch­tern wie Eu­ro­wings, Swiss, Brus­sels und Aus­tri­an Air­lines, wie der Dax-Kon­zern mit­teil­te. Das wa­ren 2,3 Pro­zent mehr als ein Jahr zu­vor, aber we­ni­ger als bei der iri­schen Rya­n­air, die samt ih­ren Töch­tern wie der ös­ter­rei­chi­schen Lau­da auf 152,4 Mil­lio­nen Pas­sa­gie­re kam. Be­reits 2016 hat­ten die Iren der Luft­han­sa den Thron vor­über­ge­hend ab­ge­jagt.

Für das noch nicht ab­ge­rech­ne­te Ge­samt­jahr 2019 hält Luft­han­sa an ih­rer Pro­gno­se fest und rech­net mit ei­nem be­rei­nig­ten ope­ra­ti­ven Ge­winn von 2,0 bis 2,4 Mil­li­ar­den EUR. Für die Um­satz­er­lö­se wird ei­ne Stei­ge­rung im nied­ri­gen ein­stel­li­gen Be­reich er­war­tet.

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Letzte Überarbeitung: 13. Januar 2020

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