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19/011a Neue Es­ka­la­ti­on im Ta­rif­streit der Flug­ha­fen­si­cher­heit

Ver­di kün­digt Warn­streiks an acht Flug­hä­fen an. Die Ar­beit­ge­ber hal­ten das für "un­ver­hält­nis­mä­ßig" und war­nen vor ei­ner Lahm­le­gung des Flug­net­zes
Kabinenpersonal im Flugzeug, Flugbegleiter, Stewardess

14.01.2019. (dpa/fle) - Ein ganz­tä­gi­ger Warn­streik an gro­ßen deut­schen Flug­hä­fen wird am Diens­tag, dem 15.01.2019, die Rei­se­plä­ne von Zehn­tau­sen­den Pas­sa­gie­ren durch­kreu­zen.

So­wohl am größ­ten deut­schen Flug­ha­fen Frank­furt/Main als auch an sie­ben wei­te­ren Air­ports will das Si­cher­heits­per­so­nal - je­weils in un­ter­schied­li­chen Zeit­räu­men - die Ar­beit nie­der­le­gen. Ziel der Ge­werk­schaft ist, mit dem bis­lang um­fas­sends­ten Ar­beits­kampf in der lau­fen­den Ta­rif­run­de den Druck auf die Ar­beit­ge­ber zu er­hö­hen.

Der Flug­ha­fen­ver­band ADV warn­te: "Das deut­sche Flug­netz droht an die­sem Tag lahm­ge­legt zu wer­den." Nach ADV-Be­rech­nun­gen wer­den min­des­tens 220.000 Pas­sa­gie­re be­trof­fen sein. Al­lein in Frank­furt ha­ben die Flug­ge­sell­schaf­ten nach An­ga­ben des Be­trei­bers Fra­port für Diens­tag 570 der ge­plan­ten 1.200 An- und Ab­flü­ge ge­stri­chen.

Die Luft­han­sa sieht sich ge­zwun­gen 400 ih­rer 640 Ver­bin­dun­gen in Frank­furt ab­zu­sa­gen, au­ßer­dem streicht Deutsch­lands größ­te Flug­ge­sell­schaft in Mün­chen 100 von dort 630 ge­plan­ten Flü­gen.

Be­gin­nen will Ver­di den Warn­streik­tag um Mit­ter­nacht an den Flug­hä­fen Ham­burg, Han­no­ver und Bre­men. Dort soll das Si­cher­heits­per­so­nal den gan­zen Tag nicht ar­bei­ten. In der Zeit von 2.00 Uhr bis 20.00 Uhr sind am Diens­tag dann am Frank­fur­ter Flug­ha­fen die et­wa 5.000 Mit­ar­bei­ter, die dort für die Kon­trol­le von Pas­sa­gie­ren und Fracht zu­stän­dig sind, zum Warn­streik auf­ge­ru­fen. Es fol­gen die Flug­hä­fen in Dres­den (3.00-21.00 Uhr), Mün­chen (3.30-24.00 Uhr), Leip­zig/Hal­le (4.00-18.00 Uhr) und Er­furt (6.00-22.00 Uhr). In Mün­chen ist die Pas­sa­gier­kon­trol­le nicht be­trof­fen, son­dern nur die Per­so­nal- und Wa­ren­kon­trol­le.

Der Frank­fur­ter Flug­ha­fen­be­trei­ber Fra­port hat­te Flug­gäs­te früh­zei­tig auf­ge­ru­fen, mög­lichst um­zu­pla­nen. Bei re­gu­lä­rem Flug­be­trieb wä­ren an die­sem Diens­tag et­wa 135.000 Pas­sa­gie­re am größ­ten deut­schen Luft­ver­kehrs­dreh­kreuz er­war­tet wor­den. Auch ei­ne be­son­ders frü­he An­rei­se wür­de nichts brin­gen: Die Pas­sa­gier­kon­trol­len in Frank­furt sind in der Re­gel erst et­wa zwei St­un­den vor dem um 5.00 Uhr mor­gens en­den­den Nacht­flug­ver­bot ge­öff­net.

Der Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des BDA, Stef­fen Kam­pe­ter, kri­ti­sier­te am Mon­tag, der "An­griff auf das deut­sche Luft­fahrt-Dreh­kreuz Num­mer eins und an­de­re Flug­hä­fen" sei kein Warn­streik: "Ver­di schränkt mit vol­ler Ab­sicht die Mo­bi­li­tät Zehn­tau­sen­der na­tio­na­ler wie in­ter­na­tio­na­ler Flug­gäs­te und des Gü­ter­ver­kehrs ein und ver­ur­sacht so­mit ei­nen mas­si­ven Scha­den für un­se­re Volks­wirt­schaft. Das ist voll­kom­men un­ver­hält­nis­mä­ßig."

Ver­di und die Ge­werk­schaft DBB, die für Frank­furt eben­falls zum Warn­streik auf­ge­ru­fen hat, for­dern in der lau­fen­den Ta­rif­run­de ei­ne ein­heit­li­che Be­zah­lung für die Be­schäf­tig­ten im Be­reich der Pas­sa­gier-, Fracht-, Per­so­nal- und Wa­ren­kon­trol­le an den Flug­hä­fen. Nach An­ga­ben des Bun­des­ver­ban­des der Luft­si­cher­heits­un­ter­neh­men (BDLS) sind von den bun­des­weit 23.000 Be­schäf­tig­ten der Bran­che et­wa 19.000 von den lau­fen­den Ta­rif­ver­hand­lun­gen be­trof­fen.

Ver­di ver­langt für die Mit­ar­bei­ter brut­to 20 EUR pro St­un­de, der DBB for­dert ei­nen St­un­den­lohn von 19,50 EUR (Link ein­fü­gen). Bis­lang sind die St­un­den­löh­ne in der Bran­che re­gio­nal sehr un­ter­schied­lich ge­re­gelt. Die be­hörd­lich ge­prüf­ten Be­schäf­tig­ten ver­die­nen nach BDLS-An­ga­ben in ei­ner Span­ne von 13,93 EUR (Vor­feld­kon­trol­le und Flug­zeug­be­wa­chung in Bay­ern) bis 17,16 EUR (Pas­sa­gier­kon­trol­leu­re in Ba­den-Würt­tem­berg).

Ver­di pocht auf deut­li­che Lohn­er­hö­hun­gen auch in Ost­deutsch­land. "Die Si­cher­heit im Os­ten ist nicht we­ni­ger wert, und die Be­schäf­tig­ten sind nicht we­ni­ger wert", sag­te Ute Kit­tel, Bun­des­vor­stands­mit­glied der Ge­werk­schaft, am Mon­tag im ZDF-"Mor­gen­ma­ga­zin". Ei­ne fal­sche Post­leit­zahl in der Ge­burts­ur­kun­de recht­fer­ti­ge nicht, dass Be­schäf­tig­te sechs Eu­ro we­ni­ger ver­dien­ten.

Be­reits in der ver­gan­ge­nen Wo­che hat­te es Warn­streiks des Flug­si­cher­heits­per­so­nals ge­ge­ben - zu­nächst am Mon­tag an den Ber­li­ner Flug­hä­fen Te­gel und Schö­ne­feld, am Don­ners­tag dann in Düs­sel­dorf, Köln/Bonn und Stutt­gart (Ar­beits­recht ak­tu­ell: 19/008 Wie­der Warn­streiks bei der Flug­ha­fen­si­cher­heit).

"Es wä­re den Ar­beit­ge­bern mög­lich ge­we­sen, auf die Warn­si­gna­le zu re­agie­ren", er­klär­te Kit­tel in ei­ner Ver­di-Mit­tei­lung. "Da­durch, dass sie - völ­lig un­ver­ständ­lich - kei­ne Be­reit­schaft ge­zeigt ha­ben, ein ver­bes­ser­tes An­ge­bot vor­zu­le­gen, ist ei­ne Aus­deh­nung der Warn­streiks not­wen­dig ge­wor­den."

Nach Ver­di-An­ga­ben hat der BDLS bei der jüngs­ten Ver­hand­lungs­run­de am 20./21.12.2018 sein An­ge­bot für ei­ne Ent­gel­ter­hö­hung von 1,8 Pro­zent auf 2,0 Pro­zent pro Jahr bei ei­ner zwei­jäh­ri­gen Ver­trags­lauf­zeit er­höht. Die Lohn­an­glei­chung für ost­deut­sche Bun­des­län­der soll dem­nach erst nach fünf Jah­ren be­en­det sein.

Dem wi­der­sprach die Ar­beit­ge­ber­sei­te: Das ak­tu­el­le An­ge­bot der Ar­beit­ge­ber lie­ge bei bis zu 6,4 Pro­zent mehr Lohn pro Jahr. Die Ar­beit­ge­ber­sei­te ha­be zu­dem mehr­fach deut­lich ge­macht, dass in der nächs­ten Ver­hand­lungs­run­de ein neu­es An­ge­bot vor­ge­legt wer­de, be­kräf­tig­te der BDLS am Mon­tag. Die Ge­werk­schaft sei je­doch zu kei­nem frü­he­ren Tref­fen be­reit ge­we­sen, er­klär­te BDLS-Ver­hand­lungs­füh­rer Rai­ner Frie­berts­häu­ser.

Am 23.01.2019 wol­len sich Ver­di und Ar­beit­ge­ber in Ber­lin zu ih­rer fünf­ten Ver­hand­lungs­run­de in dem Ta­rif­kon­flikt wie­der an ei­nen Tisch set­zen. Der nächs­te Ver­hand­lungs­ter­min von DBB und BDLS ist für den 24.01.2019 eben­falls in Ber­lin ver­ein­bart.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 21. Mai 2019

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