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19/170a Neu­er Chef bei BMW

Ge­winn­ein­bruch, Um­stieg auf die E-Mo­bi­li­tät: BMW sieht sich schwie­ri­gen Auf­ga­ben ge­gen­über. Ein neu­er Chef soll für Klar­heit sor­gen
Autoschlüssel

19.07.2019. (dpa/fle) - Tes­la, Ja­gu­ar, Au­di und Mer­ce­des sind mit at­trak­ti­ven E-Au­tos auf dem Markt, BMW fährt hin­ter­her - die­sen Vor­wurf müs­sen sich die Münch­ner Au­to­bau­er in­zwi­schen oft an­hö­ren.

In vier Wo­chen über­nimmt der bis­he­ri­ge BMW-Pro­duk­ti­ons­chef Oli­ver Zip­se die Füh­rung des Kon­zerns.

"Zu­sätz­li­che Im­pul­se bei der Ge­stal­tung der Mo­bi­li­tät der Zu­kunft" lau­tet der Auf­trag, den ihm Auf­sichts­rats­chef Nor­bert Reit­ho­fer bei sei­ner Be­ru­fung am Don­ners­tag mit auf den Weg gab.

Auch Ak­tio­nä­re drän­gen. "BMW muss mehr Elek­tro-Mo­del­le an­bie­ten. Es kann doch nicht sein, dass Tes­la BMW die Kun­den weg­schnappt", sagt Da­nie­la Berg­dolt von der Deut­schen Schutz­ver­ei­ni­gung für Wert­pa­pier­be­sitz (DSW). Das kos­te zwar zu­nächst viel Geld. "Aber mir ist es lie­ber, un­ser Un­ter­neh­men ist hoch­mo­dern und spielt in der Welt­li­ga vor­ne mit, als dass wir jetzt ho­he Di­vi­den­den kas­sie­ren und das Un­ter­neh­men lang­fris­tig ab­ge­hängt wird."

Der Bran­chen­ex­per­te Ste­fan Brat­zel sagt, das E-Au­to sei zwar we­ni­ger pro­fi­ta­bel und ma­che "in zehn Jah­ren 15 bis 20 Pro­zent der Ar­beits­plät­ze in der deut­schen Au­to­in­dus­trie über­flüs­sig". Aber oh­ne E-Au­tos dro­hen den Un­ter­neh­men in Eu­ro­pa enor­me Geld­stra­fen, in Chi­na so­gar Ver­kaufs­ver­bo­te. "BMW müss­te sich heu­te viel stär­ker auf bat­te­rie-elek­tri­sche Au­tos fo­kus­sie­ren. BMW setzt zu stark auf Plug-in-Hy­bri­de", kri­ti­siert der Pro­fes­sor mit Blick auf im­mer stren­ge­re Um­welt­vor­ga­ben.

"BMW könn­te viel­leicht mit Daim­ler ei­ne Elek­tro-Platt­form auf­bau­en, um die Kos­ten zu sen­ken, wie Au­di das im VW-Kon­zern macht", sagt Brat­zel. Rich­tig sei es auch, die Ent­wick­lung des Was­ser­stoff-An­triebs vor­an­zu­trei­ben. Der könn­te nach 2025 ei­ne Al­ter­na­ti­ve wer­den für gro­ße Fahr­zeu­ge und auf der Lang­stre­cke.

Heu­te setzt BMW vor al­lem auf Hy­bri­de, der­zeit neun Au­to­mo­del­le mit Ben­zin- und Elek­tro­mo­tor - und da­mit sind sie gut un­ter­wegs. Je­des fünf­te elek­tri­fi­zier­te Fahr­zeug in Eu­ro­pa ist ein BMW. Zip­se, seit vier Jah­ren Pro­duk­ti­ons­chef, hat schon vie­le BMW-Wer­ke welt­weit so um­ge­rüs­tet, dass sie Ver­bren­ner, Hy­bri­de und Elek­tro­au­tos auf ei­nem Band bau­en kön­nen. So kann BMW fle­xi­bel auf die Ent­wick­lung der Nach­fra­ge re­agie­ren. Der Auf­sichts­rat hat es ab­ge­seg­net.

Reit­ho­fer for­dert von Zip­se zu­sätz­li­che Im­pul­se - kei­ne Neu­aus­rich­tung, kei­ne neue Stra­te­gie. Die­ses Jahr kommt der Elek­tro-Mi­ni, nächs­tes Jahr der ers­te voll­elek­tri­sche SUV iX3, und im Ju­ni erst hat der Vor­stand als neu­es Ziel aus­ge­ge­ben, 25 elek­tri­fi­zier­te Mo­del­le schon 2023 auf die Stra­ße zu brin­gen.

Aber Zip­se soll mit brei­te­rer Brust auf­tre­ten als sein Vor­gän­ger Ha­rald Krü­ger und nach in­nen und au­ßen of­fen­si­ver deut­lich ma­chen, dass BMW die rich­ti­ge Stra­te­gie hat. "Mit Oli­ver Zip­se über­nimmt ein füh­rungs­star­ker Stra­te­ge und Ana­ly­ti­ker den Vor­stands­vor­sitz der BMW AG", sag­te Reit­ho­fer.

Denn nie­mand weiß, ob die Kun­den die an­ge­bo­te­nen E-Au­tos auch kau­fen. Ge­ra­de mal 2,8 Pro­zent be­trägt ihr Markt­an­teil heu­te, die Nach­fra­ge ist re­gio­nal völ­lig un­ter­schied­lich. Zip­se wer­de nicht von heu­te auf mor­gen al­les über den Hau­fen wer­fen, heißt es aus dem Un­ter­neh­men. An­ge­sichts der lan­gen Ent­wick­lungs­zei­ten, der Zu­lie­fer­ket­ten, der Or­ga­ni­sa­ti­on wä­re das eh un­mög­lich - wer wüss­te das bes­ser als der Pro­duk­ti­ons­vor­stand.

Die Lis­te der Her­aus­for­de­run­gen für den neu­en Chef ist oh­ne­dies ge­wal­tig. BMW rech­net im lau­fen­den Jahr mit ei­nem Ge­winn­ein­bruch - und steht da­mit nicht al­lein in der Bran­che: Daim­ler schreibt ge­ra­de ro­te Zah­len, Vol­vo mel­det ei­ne Hal­bie­rung des Ge­winns und streicht Stel­len, Au­di un­ter­bie­tet die schwa­chen Zah­len des Vor­jah­res. Kon­junk­tur und Nach­fra­ge schwä­cheln - zu­gleich müs­sen die Au­to­bau­er Mil­li­ar­den in E-Mo­bi­li­tät, aber auch in Mo­bi­li­täts­diens­te und selbst­fah­ren­de Au­tos in­ves­tie­ren.

Bei die­sen Zu­kunfts­the­men sieht Brat­zel BMW gut auf Kurs. "Mit ih­rem Mo­bi­li­täts­dienst Free Now sind BMW und Daim­ler am wei­tes­ten in Eu­ro­pa. Zu­sam­men könn­ten sie es schaf­fen, Uber und Co. auf Dis­tanz zu hal­ten", sagt er. Und auch die Part­ner­schaft mit Daim­ler beim Au­to­no­men Fah­ren sei sinn­voll. "Wenn sie ih­ren Stan­dard durch­set­zen, lässt sich da­mit gu­tes Geld ver­die­nen." Und sie hät­ten die Chan­ce, den Vor­sprung des Goog­le-Ab­le­gers Way­mo auf­zu­ho­len. Das sei wich­tig, denn "da ent­ste­hen in zehn Jah­ren ganz neue Ge­schäfts­mo­del­le".

Be­triebs­rats­chef Man­fred Schoch mahn­te Zip­se, "die gu­te Part­ner­schaft zwi­schen Be­triebs­rat und Un­ter­neh­mens­lei­tung" fort­zu­set­zen. Brat­zel be­ton­te: "Das ist bei stra­te­gi­schen Ent­schei­dun­gen wich­tig. Das muss ihm auch ge­lin­gen." Aber mit Blick auf Au­to­bos­se wie Die­ter Zet­sche oder Elon Musk er­war­tet er, dass der neue Mann an der BMW-Spit­ze mehr nach au­ßen geht: "Der Chef muss sein Un­ter­neh­men und sei­ne Stra­te­gie ver­kör­pern."

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Letzte Überarbeitung: 6. August 2019

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