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18/260a Not­fall­sa­ni­tä­ter for­dern ver­bes­ser­te Ar­beits­be­din­gun­gen

Zum Be­ruf des Sa­ni­tä­ters ge­hört ei­ne Por­ti­on Idea­lis­mus. Der aber wird der­zeit aus Sicht der Ge­werk­schaft ziem­lich aus­ge­nutzt
Rettungsdienst, Krankenwagen, Notruf

25.10.2018. (dpa/fle) - Diens­te weit über zwölf St­un­den hin­aus, kei­ne Pau­sen und an­stren­gen­de Ein­sät­ze für die Le­bens­ret­ter: Die Ge­werk­schaft Ver­di hat von der Po­li­tik in Hes­sen deut­lich ver­bes­ser­te Ar­beits­be­din­gun­gen für Not­fall­sa­ni­tä­ter ge­for­dert.

"Wir ha­ben ver­sucht, mit der Po­li­tik zu re­den, kon­kret mit dem Mi­nis­te­ri­um, es ist nur nach die­sen Ge­sprä­chen nichts ge­sche­hen", kri­ti­sier­te der zu­stän­di­ge Ge­werk­schafts­se­kre­tär Ste­fan Röhr­hoff in Frank­furt. Es ge­he nicht um mehr Geld, "son­dern dass man kon­kret über­legt, wie kann man die Ar­beits­be­din­gun­gen im Ret­tungs­dienst so ver­bes­sern, dass die Ar­beit nicht krank macht."

Kon­kret wünscht sich Ver­di, über ei­ne lan­des­weit ein­heit­li­che Re­ge­lung die Ar­beits­be­din­gun­gen für hes­si­sche Not­fall­sa­ni­tä­ter zu ver­bes­sern. Bis­her ha­ben die Land­krei­se die­se Be­fug­nis­se, was zu hes­sen­weit un­ein­heit­li­chen Be­din­gun­gen füh­re. Im Ar­beits­all­tag sei­en die Ar­beits­be­din­gun­gen schlecht, da wa­ren sich die an­we­sen­den Ret­ter ei­nig: Es sei nicht mög­lich, ei­ne Pau­se zu ma­chen und er­schöpf­te Sa­ni­tä­ter müss­ten auch nach 12-St­un­den-Schich­ten noch Ein­sät­ze fah­ren, wenn die Leit­stel­le es an­ord­net.

Zu­dem sei der Ar­beits­all­tag kör­per­lich so an­stren­gend, dass kaum ein Not­fall­sa­ni­tä­ter das ge­setz­li­che Ren­ten­al­ter er­rei­che. Mög­li­che tech­ni­sche Er­leich­te­run­gen wie ein Trep­pen­stei­ger zum Pa­ti­en­ten­trans­port zahl­ten die Kran­ken­kas­sen nicht. Auch ein Nach­wuchs- und Per­so­nal­man­gel plagt den Be­rufs­stand laut Ge­werk­schaft: Ob­wohl sich vie­le jun­ge Men­schen für den Be­ruf in­ter­es­sie­ren, blei­ben ihm nach der in­zwi­schen drei­jäh­ri­gen Aus­bil­dung nur we­ni­ge lan­ge er­hal­ten. Bes­se­re Be­din­gun­gen könn­ten die At­trak­ti­vi­tät stei­gern.

Das hes­si­sche So­zi­al­mi­nis­te­ri­um wür­dig­te den Ret­tungs­dienst in ei­ner Er­klä­rung als wich­ti­ges Fun­da­ment der Ge­sell­schaft. "Die recht­li­chen Grund­la­gen zu Gren­zen der täg­li­chen Ar­beits­zeit, der Ru­he­zei­ten und der Ru­he­pau­sen sind bun­des­ge­setz­lich ein­heit­lich im Ar­beits­zeit­ge­setz ge­re­gelt", teil­te das Mi­nis­te­ri­um mit. "Lan­des­recht­li­che Re­ge­lun­gen zur Ar­beits­zeit be­ste­hen nicht, da der Lan­des­ge­setz­ge­ber kei­ne Be­fug­nis zur Recht­set­zung in die­sem Be­reich hat."

Der Not­fall­sa­ni­tä­ter Mar­tin Hau­nold be­rich­te­te, durch die star­ke Ar­beits­be­las­tung wür­den die Ret­ter häu­fi­ger krank, könn­ten sich aber nicht mehr rich­tig er­ho­len, weil sie ih­re durch Per­so­nal­knapp­heit oh­ne­hin schon be­las­te­ten Kol­le­gen nicht wei­ter schwä­chen woll­ten. "Das so­zia­le Ge­wis­sen der Mit­ar­bei­ter wird scham­los aus­ge­nutzt", sag­te er.

Auch für die Pa­ti­en­ten ha­ben die er­schöpf­ten Ret­ter Fol­gen. Not­fall­sa­ni­tä­ter füh­ren bei 13- oder 14-St­un­den-Diens­ten mit bis zu sie­ben Ton­nen schwe­ren Fahr­zeu­gen mit Blau­licht durch In­nen­städ­te, wie der Not­fall­sa­ni­tä­ter Man­fred Brasch sag­te. "Die Kon­zen­tra­ti­on ist schlicht­weg nicht mehr da, ge­schwei­ge denn für die Ver­sor­gung des Not­fall­pa­ti­en­ten, zu dem wir ei­gent­lich hin­ei­len." Es ge­be bei­spiels­wei­se ei­nen er­heb­li­chen An­stieg von Son­der­si­gnal­un­fäl­len.

Brasch ist seit mehr als 30 Jah­ren Sa­ni­tä­ter im Main-Kin­zig-Kreis, in die­ser Zeit ha­be sich die Zahl der Ein­sät­ze von jähr­lich 3.000 auf 60.000 er­höht. Die Hemm­schwel­le, den Ret­tungs­dienst zu ru­fen, sei ge­sun­ken - ein Drit­tel der Ein­sät­ze sei­ner An­sicht nach nicht not­wen­dig. "Wir fah­ren heu­te auch zu Schnup­fen, Hus­ten und Lie­bes­kum­mer", sag­te der Ret­ter.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 31. Oktober 2018

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