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Os­ram in der Kri­se heiß be­gehrt

Der US-Fi­nanz­in­ves­tor zau­bert ei­nen neu­en Part­ner aus dem Hut, um die mo­men­tan in Füh­rung lie­gen­de Kon­kur­renz aus Ös­ter­reich doch noch aus­zu­ste­chen
Glühlampe in dunklem Raum

25.09.2019. (dpa/fle) - Mit neu­em Part­ner und hö­he­rem An­ge­bot will der ei­gent­lich be­reits un­ter­le­ge­ne US-Fi­nanz­in­ves­tor Bain Ca­pi­tal den in Füh­rung lie­gen­den ös­ter­rei­chi­schen Sen­sor­her­stel­ler AMS bei der Über­nah­me des Be­leuch­tungs­her­stel­lers doch noch aus­ste­chen.

Das Be­tei­li­gungs­un­ter­neh­men Ad­vent hat im Kon­sor­ti­um mit Bain Ca­pi­tal ein neu­es Über­nah­me­an­ge­bot in Aus­sicht ge­stellt, wie Os­ram am Mitt­woch mit­teil­te.

Im Schrei­ben des neu­en Kon­sor­ti­ums an den Os­ram-Vor­stand wird laut Os­ram ein "be­deu­ten­der Auf­schlag" im Ver­gleich zur AMS-Of­fer­te von 38,50 EUR je Ak­tie in Aus­sicht ge­stellt.

Bain Ca­pi­tal hat­te mit dem ers­ten Part­ner Car­lyle 35 EUR je Ak­tie ge­bo­ten, AMS hat­te das dann mit 38,50 EUR über­trumpft. Das wä­ren ins­ge­samt et­wa 3,7 Mil­li­ar­den EUR und so­mit 300 Mil­lio­nen EUR mehr als von den US-In­ves­to­ren ge­bo­ten. AMS-Chef Alex­an­der Ever­ke wähn­te sich des­we­gen schon auf der Sie­ger­stra­ße. "Ich bin kein Fan von Plan B oder C", hat­te der ehe­ma­li­ge Sie­mens-Ma­na­ger ver­gan­ge­ne Wo­che er­klärt, war­um er kei­ne Vor­be­rei­tun­gen für ein Schei­tern der Os­ram-Über­nah­me tref­fen wol­le. Die Os­ram-Ak­tio­nä­re ha­ben noch bis zum 1. Ok­to­ber Zeit, sich für oder ge­gen das AMS-An­ge­bot zu ent­schei­den. Os­ram ist in ei­ner schwe­ren Kri­se und schreibt seit drei Quar­ta­len Ver­lus­te, des­we­gen steht das über 110 Jah­re al­te Un­ter­neh­men zum Ver­kauf.

Vor­stand und Auf­sichts­rat von Os­ram ha­ben den Ak­tio­nä­ren zwar emp­foh­len, we­gen des hö­he­ren Prei­ses die AMS-Of­fer­te an­zu­neh­men - ihr Ja aber mit so vie­len Be­den­ken und Ein­wän­den ver­se­hen, dass dies viel­fach als nur halb ver­steck­tes Nein ge­wer­tet wur­de. Un­ter an­de­rem ha­ben sich Os­ram-Vor­stands­chef Olaf Ber­li­en und der Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­de Pe­ter Bau­er ent­schie­den, ih­re ei­ge­nen Ak­ti­en nicht an AMS zu ver­kau­fen.

Denn die Os­ram-Lei­tung sieht ein er­heb­li­ches Ri­si­ko, dass die we­sent­lich klei­ne­re AMS sich beim Kauf von Os­ram so­wohl fi­nan­zi­ell als auch or­ga­ni­sa­to­risch über­he­ben könn­te. Die IG Me­tall will die Über­nah­me durch AMS oh­ne­hin ver­hin­dern, weil die Ge­werk­schaft ei­ne Zer­schla­gung von Os­ram fürch­tet; auch Kon­zern- und Ge­samt­be­triebs­rat leis­ten Wi­der­stand. Um Os­ram über­neh­men zu kön­nen, will AMS un­ge­ach­tet ei­ner jetzt schon ho­hen lang­fris­ti­gen Ver­schul­dung von mehr als 1,4 Mil­li­ar­den EUR wei­te­re Kre­di­te in Hö­he von knapp 3,9 Mil­li­ar­den Eu­ro auf­neh­men. Ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung von 1,5 Mil­li­ar­den EUR soll dann fri­sches Geld brin­gen.

Doch nun ha­ben Bain Ca­pi­tal und Ad­vent neue Be­we­gung in die Über­nah­me­schlacht ge­bracht. Die Os­ram-Ak­ti­en an der Frank­fur­ter Bör­se leg­ten an­schlie­ßend um über zwei Pro­zent auf über 38,80 EUR je An­teils­schein zu. Da­mit war der Bör­sen­preis be­reits hö­her als das An­ge­bot der Ös­ter­rei­cher. Wie viel Ad­vent und Bain Ca­pi­tal bie­ten wol­len, ha­ben die zwei Un­ter­neh­men noch nicht of­fen ge­legt. Auch die Fi­nan­zie­rung ist bis­her nicht ge­si­chert, wie aus der Os­ram-Mit­tei­lung her­vor­ging: "Die po­ten­zi­el­len Bie­ter ar­bei­ten nach ei­ge­nen An­ga­ben zu­dem an ei­ner neu­en Fi­nan­zie­rungs­struk­tur für die mögli­che Trans­ak­ti­on", hieß es in der Os­ram-Mit­tei­lung.

Den­noch macht es die neue Of­fer­te - auch wenn sie bis­lang un­ver­bind­lich ist - den Ös­ter­rei­chern sehr viel schwe­rer, ihr Ziel zu er­rei­chen. Denn das AMS-An­ge­bot gilt nur, wenn die Ei­gen­tü­mer von 62,5 Pro­zent der Os­ram-Ak­ti­en es an­neh­men. Doch wenn der Kurs der Os­ram-Ak­tie an der Bör­se eben­so hoch oder hö­her ist als das AMS-An­ge­bot, be­steht für die Ei­gen­tü­mer des Be­leuch­tungs­her­stel­lers kein An­reiz, ih­re Pa­pie­re an das stei­ri­sche Un­ter­neh­men zu ver­kau­fen. Von AMS kam zu­nächst kei­ne Re­ak­ti­on auf die Ak­ti­vi­tä­ten der Kon­kur­ren­ten.

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Letzte Überarbeitung: 7. Oktober 2019

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