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Os­ram wird ös­ter­rei­chisch

Os­ram wird von ei­nem Sen­sor­her­stel­ler über­nom­men, der we­sent­lich klei­ner ist als das Münch­ner Un­ter­neh­men
Glühlampe in dunklem Raum

06.12.2019. (dpa/fle) - Im zwei­ten An­lauf ist dem ös­ter­rei­chi­schen Elek­tro­nik­un­ter­neh­men AMS die er­hoff­te Über­nah­me von Os­ram ge­glückt.

Mehr als 55 Pro­zent der Ak­tio­nä­re des Münch­ner Be­leuch­tungs­her­stel­lers ha­ben das Über­nah­me­an­ge­bot von 41 EUR je Ak­tie an­ge­nom­men, wie AMS am Frei­tag­abend in Prem­stät­ten mit­teil­te.

Die beim Os­ram-Ma­nage­ment zu­nächst nicht will­kom­me­nen Ös­ter­rei­cher ha­ben da­mit ih­re selbst ge­setz­te Schwel­le er­reicht.

IG Me­tall und Os­ram-Be­triebs­rat, die ei­ne Zer­schla­gung des über 110 Jah­re al­ten Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­mens fürch­ten, ha­ben ver­geb­lich Wi­der­stand ge­leis­tet. AMS wächst zwar ra­sant, ist aber hoch ver­schul­det und will die Über­nah­me mit Mil­li­ar­den­kre­di­ten und der Aus­ga­be neu­er Ak­ti­en fi­nan­zie­ren.

Da­mit ist ein mo­na­te­lan­ges Über­nah­me­dra­ma um ei­nes der be­kann­tes­ten deut­schen In­dus­trie­un­ter­neh­men vor­erst be­en­det. Al­ler­dings steht die Zu­stim­mung der Be­hör­den noch aus. AMS-Chef Alex­an­der Ever­ke si­cher­te dem Os­ram-Ma­nage­ment "und al­len Sta­ke­hol­dern" en­ge Zu­sam­men­ar­beit zu. Der ehe­ma­li­ge Sie­mens-Ma­na­ger Ever­ke hat­te ge­mein­sam mit Os­ram-Chef Olaf Ber­li­en ei­ne Wer­be­kam­pa­gne bei den Ak­tio­nä­ren ge­star­tet.

Ever­ke hat sehr ehr­gei­zi­ge Plä­ne: Der AMS-Chef will ei­nen eu­ro­päi­schen Welt­cham­pi­on in der Op­to­elek­tro­nik schmie­den. Die Pro­duk­te von AMS und Os­ram er­gän­zen sich in vie­ler­lei Hin­sicht. Os­ram stellt LED-Be­leuch­tung her, AMS op­ti­sche Sen­so­ren, in Tei­len für iden­ti­sche Kun­den­grup­pen, dar­un­ter Han­dy­her­stel­ler. "Nun gilt es, ge­mein­sam mit AMS ei­nen Pho­to­nik- und Sen­so­rik-Cham­pi­on von Welt­rang auf den Weg zu brin­gen", erk­lärte Os­ram-Chef Ber­li­en.

AMS hat zu­ge­sagt, bis 2022 nie­mand bei Os­ram fu­si­ons­be­dingt zu ent­las­sen. Die deut­schen Stand­or­te sol­len so­gar ge­stärkt wer­den. "Ge­mein­sam und im Dia­log mit den Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern wer­den der Os­ram- und AMS-Vor­stand nun ei­nen trag­fähi­gen In­te­gra­ti­ons­fahr­plan auf Au­gen­höhe vor­be­rei­ten", hieß es in der Os­ram-Mit­tei­lung.

IG Me­tall und Os­ram-Kon­zern­be­triebs­rat wa­ren bis zu­letzt nicht über­zeugt. Grund ist die Fi­nan­zie­rung: AMS ist er­heb­lich klei­ner als Os­ram, und um das Münch­ner Un­ter­neh­men über­neh­men zu kön­nen, will AMS un­ge­ach­tet ei­ner jetzt schon ho­hen lang­fris­ti­gen Ver­schul­dung in Mil­li­ar­den­hö­he wei­te­re Kre­di­te in Hö­he von knapp 3,9 Mil­li­ar­den EUR auf­neh­men. Des­we­gen fürch­ten die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter ei­ne Zer­schla­gung Os­rams, bei der letzt­lich die welt­weit 24.000 Os­ram-Mit­ar­bei­ter die Ze­che zah­len wür­den.

Os­ram ist in ei­ner sehr schwie­ri­gen La­ge. Im ab­ge­lau­fe­nen Ge­schäfts­jahr hat das Un­ter­neh­men ei­nen drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­ver­lust ein­ge­fah­ren. Die Elek­tro­nik­bran­che ist welt­weit von ei­nem tie­fen Ab­schwung er­fasst. Ei­ne Haupt­ur­sa­che sind die nach­las­sen­den Pro­duk­ti­ons- und Ver­kaufs­zah­len von Au­to­in­dus­trie und Smart­pho­ne­her­stel­lern, den zwei wich­tigs­ten Kun­den­grup­pe für Os­ram.

Os­ram-Vor­stand und Auf­sichts­rat hat­ten ur­sprüng­lich ei­ne Über­nah­me durch US-Fi­nanz­in­ves­to­ren be­für­wor­tet, die zwei In­ter­es­sen­ten Bain Ca­pi­tal und Car­lyle hat­ten je­doch im Lau­fe der Bie­ter­schlacht auf­ge­ge­ben. We­gen des ra­san­ten tech­no­lo­gi­schen Wan­dels in der Be­leuch­tungs­bran­che sind nach Ein­schät­zung der Os­ram-Füh­rungs­eta­ge per­ma­nen­te In­ves­ti­tio­nen not­wen­dig. Oh­ne ei­nen Geld­ge­ber wür­de Os­ram aber nach den ho­hen Ver­lus­ten des ver­gan­ge­nen Ge­schäfts­jahrs das Ka­pi­tal feh­len, um zu in­ves­tie­ren.

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Letzte Überarbeitung: 6. Dezember 2019

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