HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/059

Pa­ket­bran­che feilt an "letz­ter Mei­le"

Bei der Pa­ket­zu­stel­lung ge­stal­tet sich die "letz­te Mei­le" als be­son­ders schwie­rig. Die Bran­che sucht nach Ver­bes­se­run­gen
Pakete, Logistik, Versand, Online-Shop

06.03.2019. (dpa/fle) - Die Pa­ket­bran­che be­kommt den Druck des Wachs­tums zu spü­ren.

An­ge­sichts der ra­pi­de stei­gen­den Nach­fra­ge fehlt es an Fah­rern und die Ar­beits­be­las­tung scheint so hoch wie der Be­schwer­de­pe­gel.

Auf dem Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter ha­ben sie Fo­tos ge­pos­tet von ab­sur­den Be­nach­rich­ti­gungs­kar­ten an Emp­fän­ger, die beim Zu­stell­ver­such nicht zu Hau­se wa­ren.

Ei­ne zum Bei­spiel ist irr­tüm­lich ge­rich­tet an ei­nen "Herrn Ama­zon". Ein an­de­res Bild zeigt den Hin­weis, das Pa­ket lie­ge beim Nach­barn mit dem Na­men "Kei­ne Wer­bung".

Sol­che Feh­ler von Zu­stel­lern mö­gen Ein­zel­bei­spie­le sein. Und doch sind sie Hin­weis auf ein ge­ne­rel­les Pro­blem. Die­sen Schluss le­gen auch die stei­gen­den Pa­ket-Be­schwer­de­zah­len bei der Bun­des­netz­agen­tur na­he: 2017 wa­ren es rund 2000 kri­ti­sche Wort­mel­dun­gen, 2018 schon 4300. Pa­ke­te wa­ren ver­spä­tet oder sie lan­de­ten wo­an­ders als ge­dacht.

Zwar schei­nen die Be­schwer­de­zah­len ge­ring an­ge­sichts im­men­ser Pa­ket-Ge­samt­men­gen. Zu­dem ist ein Grund für die stei­gen­den Zah­len, dass die Mög­lich­keit zur Be­schwer­de be­kann­ter wird. Den­noch: Im­mer mehr Kun­den ma­chen ih­rem Frust Luft.

Wor­an liegt das? Für ei­ne Ant­wort lohnt ein Blick auf die "letz­te Mei­le", al­so den letz­ten Zu­stell­schritt bis zur Pa­ket­über­ga­be. Das ist der ent­schei­den­de Punkt der Bran­che. "Auf der letz­ten Mei­le ent­ste­hen 50 Pro­zent der Kos­ten bei der Pa­ket­lie­fe­rung", sagt der Lo­gis­tik-Pro­fes­sor Scho­cke von der Frank­furt Uni­ver­si­ty of Ap­p­lied Sci­en­ces. "Da kann ein Pa­ket­dienst­leis­ter viel falsch ma­chen - hier ent­schei­det sich, ob er Er­folg hat oder nicht."

Al­le Pa­ket­dienst­leis­ter wol­len ih­re letz­te Mei­le ver­bes­sern - ob Markt­füh­rer Deut­sche Post DHL, ob Her­mes, DPD oder GLS. Ih­re Pro­ble­me sind ähn­lich: Sie su­chen hän­de­rin­gend Fah­rer, um die stei­gen­de Nach­fra­ge de­cken zu kön­nen. Au­ßer­dem müs­sen die Fir­men ver­stärkt auf E-Mo­bi­li­tät set­zen, um Kli­ma­vor­ga­ben zu er­fül­len - hier­bei ist die Deut­sche Post mit mehr als 9.000 Streets­coo­tern gut un­ter­wegs.

Die Dienst­leis­ter är­gern sich al­le über Staus und Park­platz­man­gel - ent­we­der ih­re Trans­por­ter müs­sen in der zwei­ten Rei­he par­ken oder ih­re Fah­rer müs­sen weit lau­fen mit den Kar­tons im Ge­päck. Dann öff­net häu­fig nie­mand die Tür. Al­so müs­sen sie beim Nach­barn oder an­ders­wo ihr Glück ver­su­chen. Das kos­tet Zeit und Geld - und der Berg an Pa­ke­ten wird in der Zeit auch nicht klei­ner.

Seit Jah­ren schon nimmt die Sen­dungs­men­ge zu. Wa­ren es 2009 laut Bran­chen­ver­band BIEK noch 1.755 Mil­lio­nen Pa­ke­te, so wa­ren es 2017 be­reits 2.804 Mil­lio­nen - ein Plus von rund 60 Pro­zent.

Die wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on ist an­ge­spannt, das ver­deut­li­chen auch Pro­ble­me des Markt­füh­rers: Die Deut­sche Post DHL muss­te im ver­gan­ge­nen Som­mer ei­ne Ge­winn­war­nung ver­kün­den we­gen Pro­ble­men im Brief- und Pa­ket­ge­schäft. An die­sem Don­ners­tag stellt Post-Chef Frank Ap­pel die Bi­lanz für 2018 vor - und dürf­te sich auch zum Pa­ket­markt äu­ßern. Wie die Wett­be­wer­ber auch setzt der Kon­zern auf um­fas­sen­de In­ves­ti­tio­nen, et­wa um das Pa­ket­shop-Netz aus­zu­bau­en.

Bei der letz­ten Mei­le ste­he man "vor mas­si­ven Her­aus­for­de­run­gen", sagt Her­mes-Spre­che­rin Ma­rei Mar­tens. Die letz­te Mei­le sei "der mit Ab­stand auf­wen­digs­te Schritt im ge­sam­ten Trans­port­pro­zess", heißt es auch bei DPD. Auf der Stre­cke stie­gen die Kos­ten für Pa­ket­diens­te "mas­siv", die Zu­stel­lung an pri­va­te Emp­fän­ger sei enorm auf­wen­dig.

We­nig zu­frie­den ist auch An­ne Putz vom Pa­ket­dienst GLS, ei­ner Toch­ter der bri­ti­schen Roy­al Mail. "Die Si­tua­ti­on auf der letz­ten Mei­le hat sich zu­ge­spitzt", sagt sie. Grund: der Boom im On­line-Han­del - die Be­stell­men­gen stie­gen so stark, dass man an Ka­pa­zi­täts­gren­zen kom­me. Der Fah­rer­man­gel, stei­gen­de Kos­ten und an­de­re Fak­to­ren be­ein­fluss­ten die letz­te Mei­le so, "dass die Pro­duk­ti­vi­tät dar­un­ter lei­det".

Putz mo­niert, dass vie­le Emp­fän­ger nicht zu Hau­se sind beim Zu­stell­ver­such. Pa­ke­te wür­den be­stellt, ob­wohl klar sei, dass nie­mand da ist, wenn der Bo­te klin­gelt. Dies sei um­so un­ver­ständ­li­cher, als es doch Al­ter­na­ti­ven wie Pa­ket­shops ge­be. In Dä­ne­mark et­wa wür­den sol­che Ab­hol-Ge­schäf­te viel stär­ker ge­nutzt.

Die Bran­che ar­bei­tet mit Hoch­druck an In­no­va­tio­nen, um die Si­tua­ti­on auf der letz­ten Mei­le zu ver­bes­sern. So set­zen die Fir­men auf Pa­ket­käs­ten, wo Kun­den auch au­ßer­halb der Öff­nungs­zei­ten von Pa­ket­shops fün­dig wer­den - ob die DHL Pack­stati­on oder Par­cel­Lock von DPD und Her­mes. Im Trend sind zu­dem Mi­kro-De­pots, klei­ne Sam­mel­stel­len in der Stadt, von wo aus Elek­tro-Las­ten­rä­der die La­dung wei­ter­trans­por­tie­ren. Und der Lo­gis­tik-Pro­fes­sor Scho­cke tes­tet bald in Frank­furt/Main mit Her­mes ei­ne Stra­ßen­bahn, die Pa­ke­te in die Ci­ty fährt, wo die Sen­dun­gen auf Las­ten­rä­der um­ge­la­den wer­den.

Für Ent­las­tung auf der letz­ten Mei­le soll die Di­gi­ta­li­sie­rung sor­gen. Hier geht es um Echt­zeit-Na­vis für op­ti­mier­te Rou­ten und die Mög­lich­keit für Emp­fän­ger, bes­se­re Lie­fer­zeit­fens­ter und kon­kre­te Zu­stell­ta­ge zu wäh­len - dann stün­de der Pa­ket­bo­te sel­te­ner vor ver­schlos­se­ner Tür. Auch Pro­jek­te mit Lie­fer­droh­nen gibt es schon.

An­ge­sichts der ho­hen Kos­ten der letz­ten Mei­le ist es er­staun­lich, dass ei­ne Pa­ket­be­stel­lung in Deutsch­land zu­meist gleich teu­er ist, egal ob man sie nach Hau­se ge­lie­fert be­kommt oder in den Pa­ket­shop. Das aber könn­te sich än­dern - Her­mes und DPD ver­laut­ba­ren grund­sätz­li­che Über­le­gun­gen, die Hau­stür­lie­fe­rung als "Pre­mi­um­pro­dukt" ein­zu­stu­fen und da­mit ge­ne­rell zu ver­teu­ern. GLS hat ei­nen ähn­li­chen Stand­punkt. Kommt es in der Pa­ket­bran­che zu solch ei­ner Preis­po­li­tik, könn­te die letz­te Mei­le ent­las­tet wer­den - weil dann der be­que­me deut­sche Emp­fän­ger doch lie­ber zum Pa­ket­shop geht, an­statt tie­fer in die Ta­sche zu grei­fen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. März 2019

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email* Nachname
  Abmelden   *Pflichtangabe

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2019:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de