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Per­so­nal­su­che durch Künst­li­che In­tel­li­genz?

Wie fin­det man die bes­ten Be­wer­ber? Um die­se Her­aus­for­de­rung zu lö­sen set­zen ei­ni­ge Un­ter­neh­men auf Künst­li­che In­tel­li­genz
Bewerbungsgespräch mit Bewerbungsmappe, Vorstellungsgespräch

02.03.2020. (dpa/fle) - Weil Un­ter­neh­men für ih­re Per­so­nal­aus­wahl zu­neh­mend Künst­li­che In­tel­li­genz (KI) ein­set­zen, warnt ein Ex­per­te da­vor, der Tech­nik zu gro­ße Ent­schei­dungs­macht zu ge­ben.

"Das ist ein gro­ßes Pro­blem bei der Nut­zung von KI: Wie trai­niert man sie? Der Lern­pro­zess ist sehr wich­tig", be­ton­te Wolf­gang Brick­wed­de.

Er lei­tet das In­sti­tu­te for Com­pe­ti­ti­ve Re­cru­ting in Hei­del­berg, wel­ches Un­ter­neh­men bei der Per­so­nal­ge­win­nung be­rät.

"Wir set­zen auf die Macht der Da­ten", sagt Timm Loch­mann, der bei der Job­platt­form Steps­to­ne für al­les zu­stän­dig ist, was mit die­sen Da­ten zu tun hat. Dass Job­su­chen­de An­zei­gen durch­fors­ten oder Ar­beit­ge­ber Head­hun­ter en­ga­gie­ren, um Ta­len­te zu fin­den, hält man bei der Job­platt­form für über­holt. "Wir wol­len die per­fek­ten Matches fin­den", er­klärt Steps­to­ne-Chef Se­bas­ti­an Dett­mers. "Wir sind ja qua­si ei­ne Part­ner­bör­se, oder ei­ne Sei­ten­sprung-Bör­se, im be­ruf­li­chen Be­reich." An­hand au­to­ma­ti­sier­ter Aus­wer­tun­gen ver­sucht man zu er­mit­teln, wel­che Be­wer­ber am op­ti­mals­ten auf ein­zel­ne Aus­schrei­bun­gen pas­sen - oh­ne dass die­se das selbst ent­spre­chend ar­ti­ku­lie­ren oder ak­tiv su­chen müs­sen.

Stellt ein Un­ter­neh­men auf Steps­to­ne ei­ne Stel­len­an­zei­ge ein, kann ihm mit­tels KI-Lö­sun­gen di­rekt ei­ne Hand­voll pas­sen­der Kan­di­da­ten an­ge­zeigt wer­den. Um­ge­kehrt be­kom­men Be­wer­ber An­zei­gen an­ge­zeigt, von de­nen die KI er­mit­telt hat, dass sie sie in­ter­es­sie­ren kön­nen. Da­bei wird al­les an Da­ten aus­ge­wer­tet, die der Nut­zer hin­ter­lässt: frei­wil­li­ge An­ga­ben zur Per­son, aber auch ver­gan­ge­ne Such­an­fra­gen, Ak­ti­vi­tät oder auch An­zei­gen oder Web­sei­ten, die Nut­zer an­kli­cken.

"Die Job­su­che zu ver­ein­fa­chen, hal­te ich für ein ex­trem wich­ti­ges The­ma - ge­ra­de in Zei­ten des Fach­kräf­te­man­gels", sagt NRW-Wirt­schafts­mi­nis­ter An­dre­as Pink­wart, der sich bei am Düs­sel­dor­fer Haupt­sitz von Steps­to­ne die Tech­nik er­klä­ren lässt. Dass es vie­le Men­schen ge­be, die un­glück­lich in ih­rem Job sei­en, zei­ge, dass es Nach­hol­be­darf ge­be. In KI-Lö­sun­gen sieht Pink­wart ei­ne "mög­li­che Lö­sung für ein Pro­blem, das im­mer vi­ru­len­ter wird".

Ge­ra­de Groß­kon­zer­ne set­zen beim Re­cruit­ing gro­ße Hoff­nun­gen in Künst­li­che In­tel­li­genz. Dass das auch nach hin­ten los­ge­hen kann, zeigt ein Fall bei Ama­zon: Ei­ne KI gab - auf Ba­sis ei­ner Aus­wer­tung ver­gan­ge­ner er­folg­rei­cher Ein­stel­lun­gen - nur männ­li­chen Be­wer­bern von aus­ge­wähl­ten Hoch­schu­len ei­ne Chan­ce. Frau­en und an­de­re Men­schen, die die­sem Sche­ma nicht ent­spra­chen, fie­len durchs Ras­ter.

"Dann kommt man in Teu­fels­kü­che als Ar­beit­ge­ber", meint der Ex­per­te Brick­wed­de. Wenn ein Be­wer­ber sich dis­kri­mi­niert füh­le und ein Un­ter­neh­men die Ab­sa­ge nicht be­grün­den kön­ne, da ei­ne Künst­li­che In­tel­li­genz ent­schie­den ha­be, sei das ein erns­tes Pro­blem. Da­ten-Ex­per­te Loch­mann von Steps­to­ne ist das Pro­blem be­wusst: Man ver­su­che, sol­che Ri­si­ken zu an­ti­zi­pie­ren und bei der Ent­wick­lung der Künst­li­chen In­tel­li­gen­zen be­wusst ge­gen­zu­steu­ern. Ob das klappt? Brick­wed­de mahnt da­bei zur Gründ­lich­keit - denn: "Wenn die KI ein­mal los­ge­las­sen wird, kann man erst­mal nichts mehr än­dern."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 2. März 2020

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