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Pi­lo­ten und Rya­n­air ei­nig über Ta­rif-Eck­punk­te

Die deut­schen Pi­lo­ten und der Bil­lig­flie­ger Rya­n­air ha­ben sich recht­zei­tig vor Weih­nach­ten auf die Grund­zü­ge ei­nes Ta­rif­ver­trags ge­ei­nigt. Streiks sind da­mit vor­erst ab­ge­wen­det
Pilot im Cockpit eines Flugzeugs, Fliegen

05.12.2018. (dpa/fle) - Beim Bil­lig­flie­ger Rya­n­air müs­sen die Pas­sa­gie­re zu­nächst kei­ne wei­te­ren Streiks an den deut­schen Ba­sen fürch­ten.

Das Un­ter­neh­men hat sich mit der Pi­lo­ten­ge­werk­schaft Ver­ei­ni­gung Cock­pit (VC) auf we­sent­li­che Eck­punk­te ei­nes um­fas­sen­den Ta­rif­werks ge­ei­nigt, das nun nä­her ver­han­delt wer­den soll.

Bis En­de Fe­bru­ar sol­len Ge­halts­ta­rif und Man­tel­ta­rif ste­hen, die dann bis März 2023 gel­ten sol­len, wie bei­de Sei­ten am Diens­tag mit­teil­ten.

VC-Ta­rif­ex­per­te In­golf Schu­ma­cher zeig­te sich op­ti­mis­tisch, die an­ge­streb­te Ei­ni­gung er­rei­chen zu kön­nen. "Ich bin da sehr po­si­tiv", sag­te er be­züg­lich der grund­sätz­li­chen Ei­ni­gung.

Für das Ka­bi­nen­per­so­nal hat­te Ver­di schon im No­vem­ber ei­ne ähn­li­che Grund­satz­ver­ein­ba­rung mit Rya­n­air ab­ge­schlos­sen. Auch hier ste­hen noch die nä­he­re Aus­ar­bei­tung so­wie die ab­schlie­ßen­de Ur­ab­stim­mung der Be­schäf­tig­ten aus.

Der größ­te eu­ro­päi­sche Bil­lig­flie­ger wur­de im ge­sam­ten Jahr 2018 von wech­seln­den Streiks der Flug­be­glei­ter und Pi­lo­ten in ver­schie­de­nen eu­ro­päi­schen Län­dern ge­trof­fen. Das frü­her strikt an­ti-ge­werk­schaft­lich ori­en­tier­te Un­ter­neh­men hat­te 2017 nach er­heb­li­chen Per­so­nal­eng­päs­sen er­klärt, künf­tig mit den Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tun­gen zu­sam­men­ar­bei­ten zu wol­len. Zu­vor wa­ren die Iren we­gen frag­wür­di­ger Be­schäf­ti­gungs­mo­del­le und schlech­ter Ar­beits­be­din­gun­gen in die Kri­tik ge­ra­ten.

Die nun er­reich­ten grund­sätz­li­chen Ver­ein­ba­run­gen mit den deut­schen Ge­werk­schaf­ten rei­hen sich ein in Ver­trä­ge in Por­tu­gal, Spa­ni­en, Ir­land, Groß­bri­tan­ni­en, Grie­chen­land, Schwe­den, Bel­gi­en und Ita­li­en.

Die gut 400 in Deutsch­land sta­tio­nier­ten Pi­lo­ten hat­ten vor knapp ei­nem Jahr erst­mals ge­streikt und im lau­fen­den Jahr noch drei Mal die Ar­beit nie­der­ge­legt. Hun­der­te Flü­ge fie­len aus.

Nun sol­len un­ter an­de­rem die Grund­ge­häl­ter deut­lich stei­gen, teils zu­las­ten der va­ria­blen Ge­halts­be­stand­tei­le. Ganz jun­ge Co-Pi­lo­ten könn­ten mit ei­ner Ver­dop­pe­lung ih­res Fix­ge­halts auf 50.000 EUR pro Jahr rech­nen, heißt es in Pa­pie­ren der Ta­rif­kom­mis­si­on. Für Ka­pi­tä­ne soll es um bis zu 33 Pro­zent auf zu­nächst 100.000 EUR hoch­ge­hen. Un­ter dem Strich ge­be es leich­te Stei­ge­run­gen des Ge­samt­ge­halts, die aber nicht nä­her be­zif­fert wur­den. Wei­te­re jähr­li­che Stei­ge­run­gen bis zum En­de der Lauf­zeit wur­den be­reits ver­ein­bart.

Rya­n­air ha­be sei­ne An­kün­di­gung be­reits um­ge­setzt, die in Deutsch­land ein­ge­setz­ten Pi­lo­ten selbst an­zu­stel­len, sag­te Schu­ma­cher. Frü­her hat­te es vie­le pre­kä­re Ar­beits­ver­hält­nis­se als Schein­selbst­stän­di­ge ge­ge­ben, die dann von Per­so­nal­dienst­leis­tern an Rya­n­air ver­lie­hen wur­den. Ab En­de Fe­bru­ar 2019 sol­len die Ar­beits­ver­trä­ge zu­dem auf deut­sches Recht um­ge­stellt wer­den, ab April wer­de deut­sches Steu­er­recht an­ge­wen­det. We­gen der ge­rin­ge­ren Steu­er­sät­ze im Ver­gleich zu Ir­land stei­ge da­mit das Net­to­ge­halt der Pi­lo­ten.

Auch für den Fall von Sta­ti­ons­schlie­ßun­gen und Ver­set­zun­gen sei­en so­zia­le Re­ge­lun­gen ge­fun­den wor­den, be­stä­tig­ten bei­de Sei­ten. Dies soll auch rück­wir­kend für die ge­schlos­se­ne Sta­ti­on Bre­men und die re­du­zier­te Mann­schaft in Weeze am Nie­der­rhein gel­ten. Auch über die Bil­dung ei­nes Cock­pit-Be­triebs­rats nach Ta­rif­recht sei man sich ei­nig, er­klär­te die VC. Die vom Bun­des­ka­bi­nett be­schlos­se­ne Ge­set­zes­än­de­rung zur leich­te­ren Bil­dung von Be­triebs­rä­ten für das flie­gen­de Per­so­nal wol­le man nicht ab­war­ten.

Die ins­ge­samt vier Ta­rif­ver­trä­ge sol­len bis En­de Fe­bru­ar be­zie­hungs­wei­se zum 1. April un­ter Dach und Fach sein. Bis da­hin wird es we­gen der ver­ein­bar­ten Frie­dens­pflicht auch kei­ne wei­te­ren Streiks der in Deutsch­land sta­tio­nier­ten Pi­lo­ten mehr ge­ben.

Rya­n­air ist der größ­te Bil­lig­flie­ger Eu­ro­pas. Er fliegt mit sei­nen ein­heit­li­chen Boe­ing 737-Ma­schi­nen mehr als 215 Flug­hä­fen in 37 Län­dern an und ope­riert von 86 Ba­sen in Eu­ro­pa und Nord­afri­ka. Das hoch­pro­fi­ta­ble Un­ter­neh­men be­schäf­tigt nach ei­ge­nen An­ga­ben rund 14.500 Men­schen. Im Ge­schäfts­jahr 2017/2018 mach­ten die Iren bei 7,15 Mil­li­ar­den Eu­ro Um­satz ei­nen Ge­winn von 1,45 Mil­li­ar­den Eu­ro. Für den No­vem­ber ver­mel­de­ten die Iren mit 10,4 Mil­lio­nen Pas­sa­gie­ren ei­nen neu­en Re­kord. Die Aus­las­tung ha­be bei 96 Pro­zent ge­le­gen.

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Letzte Überarbeitung: 30. März 2019

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