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Psy­chi­sche Be­las­tung durchs Ho­me Of­fice?

Das Ho­me Of­fice ist be­quem und für vie­le auch sehr ef­fek­tiv. Doch auch das Ho­me Of­fice kann ei­ge­ne Ri­si­ken mit sich brin­gen
Unzufriedenheit mit dem Job, Überarbeiteter Büro-Mitarbeiter, Führungskraft

20.09.2019. (dpa/fle) - Auf­ste­hen, An­zie­hen, Lap­top an: Der Weg ins Ho­me Of­fice ist kurz. Im­mer mehr Ar­beit­neh­mer ma­chen zu­min­dest ta­ge­wei­se ih­re Woh­nung zum Bü­ro.

Mails, Te­le­fon­kon­fe­ren­zen, ja gan­ze di­gi­ta­le Team- und Soft­ware­pro­jek­te las­sen sich un­ge­stört zu Hau­se er­le­di­gen, wenn die Band­brei­te stimmt.

Drei Vier­tel de­rer, die zu Hau­se ar­bei­ten, mei­nen, dass sie dort kon­zen­trier­ter ar­bei­ten, zwei Drit­tel schaf­fen am Wohn­zim­mer­tisch mehr Ar­beit als im Be­trieb, wie ei­ne AOK-Um­fra­ge er­gab. Doch die Kran­ken­kas­se warnt: Das fle­xi­ble Ar­bei­ten kann psy­chi­sche Be­las­tun­gen ver­stär­ken, Er­schöp­fung, Kon­zen­tra­ti­ons­pro­ble­me, Schlaf­stö­run­gen.

"Dienst­li­che Pro­ble­me wer­den ge­dank­lich wei­ter­be­ar­bei­tet, wenn man zu Hau­se ist, weil dort die Ar­beit je­der­zeit wie­der­auf­ge­nom­men wer­den könn­te", er­klärt Hel­mut Schrö­der, stell­ver­tre­ten­der Ge­schäfts­füh­rer des Wis­sen­schaft­li­chen In­sti­tuts der AOK. Wer zu Hau­se im­mer wie­der den Rech­ner hoch­fährt oder zum Han­dy mit den Dienst­mails greift, ist dem­nach meist ner­vö­ser und reiz­ba­rer als die Kol­le­gen, die ih­re Ar­beit im Bü­ro zu­rück­las­sen.

Et­wa 40 Pro­zent der Un­ter­neh­men er­mög­li­chen es ih­ren Be­schäf­tig­ten, von zu Hau­se zu ar­bei­ten, wie auch an­de­re Stu­di­en er­ga­ben. Laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt ar­bei­te­te 2017 et­wa je­der neun­te Be­schäf­tig­te ge­wöhn­lich oder ge­le­gent­lich zu Hau­se. In an­de­ren EU-Staa­ten wie den Nie­der­lan­den und Schwe­den ist es schon mehr als je­der Drit­te. In Deutsch­land brö­ckelt die Prä­senz­kul­tur nur lang­sam.

Vor al­lem Bes­ser­ver­die­nen­de und Ar­beit­neh­mer mit Kin­dern ma­chen Ho­me Of­fice, ho­he Quo­ten gibt es in In­for­ma­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­ru­fen so­wie bei wis­sen­schaft­li­chen und tech­ni­schen Dienst­leis­tern, wie aus Ant­wor­ten der Bun­des­re­gie­rung auf ei­ne An­fra­ge der Links­frak­ti­on her­vor­geht. Wer zu Hau­se ar­bei­tet, macht dem­nach mehr Über­stun­den als an­de­re Be­schäf­tig­te. Lin­ke und Grü­ne for­dern da­her kla­re Re­geln für die Heim­ar­bei­ter, da­mit für sie kein zu­sätz­li­cher Stress ent­steht.

Wer im Ho­me Of­fice ar­bei­te, sei in der Re­gel zu­frie­de­ner als an­de­re Ar­beits­kräf­te, fand das Deut­sche In­sti­tut für Wirt­schafts­for­schung her­aus. Denn Bü­ros sind häu­fig kei­ne Oa­se der Ru­he. Im­mer mehr Ar­beit­ge­ber pfer­chen ih­re Be­schäf­tig­ten in Groß­raum­bü­ros zu­sam­men. Al­lein im Dienst­leis­tungs­sek­tor fühlt sich je­der Zwei­te sehr häu­fig oder oft ge­stört, un­ter an­de­rem durch Te­le­fo­na­te oder Kol­le­gen, fand die Ge­werk­schaft Ver­di her­aus.

Ho­me Of­fice zählt ne­ben Teil­zeit und Sab­ba­ti­cal-Aus­zei­ten zu den An­ge­bo­ten, mit de­nen sich Ar­beit­ge­ber als fa­mi­li­en­freund­lich pro­fi­lie­ren. Vor­tei­le hat, wer mor­gens noch sein Kind zur Ki­ta brin­gen kann, statt schon auf dem Weg zur Ar­beit im Stau zu ste­hen - und der dann doch pünkt­lich am Rech­ner sitzt, zu Hau­se.

Be­schäf­tig­te und Ma­na­ger hal­ten ih­re Fir­men heu­te für fa­mi­li­en­freund­li­cher als noch vor drei Jah­ren, wie ei­ne Um­fra­ge des In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft für das Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­um er­gab, die am Diens­tag ver­öf­fent­licht wur­de. Aber noch im­mer sieht je­weils mehr als die Hälf­te der Be­frag­ten kei­ne aus­ge­präg­te fa­mi­li­en­freund­li­che Un­ter­neh­mens­kul­tur.

Ho­me Of­fice kann aber auch Über­hand neh­men. Der AOK-Um­fra­ge zu­fol­ge emp­fin­det knapp je­der Fünf­te das Ar­bei­ten von zu Hau­se als Be­las­tung, die die Ver­ein­bar­keit von Be­ruf und Fa­mi­lie er­schwe­re. Drei Vier­tel fühl­ten sich im ver­gan­ge­nen Jahr er­schöpft. Den Grund dürf­te die­ses Er­geb­nis of­fen­le­gen: Laut der Um­fra­ge macht je­der Drit­te sein Ho­me Of­fice häu­fig auch abends und am Wo­chen­en­de auf.

"Der Nach­teil ist, dass die Gren­zen zwi­schen Job und Pri­vat­le­ben ver­schwim­men", sag­te AOK-Wis­sen­schaft­ler Schrö­der. "Der pri­va­te Rück­zugs­raum und die Zeit für Er­ho­lung schrumpft." Wer im Ho­me Of­fice ar­bei­te, ha­be häu­fi­ger Schwie­rig­kei­ten, abends und im Ur­laub ab­zu­schal­ten als die, die aus­schließ­lich im Be­trieb tä­tig sind.

Das kann aber auch mit den Tä­tig­kei­ten an sich zu­sam­men­hän­gen. Im Ho­me Of­fice wird meist Bü­ro­ar­beit er­le­digt. Putz­frau­en und Mau­rer kön­nen ih­re Ar­beit nicht mit nach Hau­se neh­men.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 20. September 2019

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