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Schles­wig-Hol­stein sucht Leh­rer

Bil­dungs­mi­nis­te­ri­um Prien ver­folgt ei­ne neue Stra­te­gie, um dem Leh­rer­man­gel in Schles­wig-Hol­stein ent­ge­gen­zu­tre­ten
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21.11.2019. (dpa/fle) - Mit fi­nan­zi­el­len An­rei­zen will Bil­dungs­mi­nis­te­rin Ka­rin Prien (CDU) dem Leh­rer­man­gel in länd­li­chen Re­gio­nen Schles­wig-Hol­steins ent­ge­gen­tre­ten.

So er­hiel­ten in die­sem Schul­jahr Re­fe­ren­da­re in den Krei­sen Dith­mar­schen, St­ein­burg, Her­zog­tum Lau­en­burg und Se­ge­berg erst­mals ei­nen Zu­schlag von 250 EUR.

20 Leh­rer­an­wär­ter hät­ten die­ses An­ge­bot an­ge­nom­men, sag­te Prien am Don­ners­tag. "Wei­te­re 43 Lehr­kräf­te im Vor­be­rei­tungs­dienst sind in die­se vier Krei­se ge­gan­gen, ha­ben sich aber be­wusst ge­gen den Zu­schlag ent­schie­den, weil sie sich nicht für fünf Jah­re in die Re­gi­on ver­pflich­ten woll­ten."

Rech­ne­risch wa­ren an den Schu­len im Nor­den im Ok­to­ber noch 130 Leh­rer­stel­len un­be­setzt - und da­mit 36 mehr als vor ei­nem Jahr. "Bei 23.345 Plan­stel­len er­gibt das ei­ne Be­set­zungs­quo­te von über 99 Pro­zent", sag­te Prien. Am An­fang des Schul­jah­res sei­en noch 259 Stel­len un­be­setzt ge­we­sen. Wä­ren al­le be­setzt, ent­sprä­che das ei­ner theo­re­ti­schen Un­ter­richts­ver­sor­gung von 101 Pro­zent.

"Die Bil­dungs­mi­nis­te­rin ver­sucht im­mer noch den Lehr­kräf­te­man­gel zu ka­schie­ren", kri­ti­sier­te die GEW-Lan­des­vor­sit­zen­de As­trid Hen­ke. "Hier ei­ne Zahl und da ei­ne Zahl. Aber im­mer nur die, die das Pro­blem mög­lichst klein er­schei­nen las­sen." Vie­le Schu­len im Lan­de be­kä­men ih­re Stel­len nicht be­setzt. Noch dras­ti­scher aber fal­le ins Ge­wicht, dass im­mer mehr Schu­len auf nicht-aus­ge­bil­de­te Lehr­kräf­te an­ge­wie­sen sei­en. "Es gibt zahl­rei­che Schu­len, da ist je­de vier­te Lehr­kraft nicht voll-aus­ge­bil­det!", sag­te Hen­ke. Aus­ge­bil­de­te Leh­rer wür­den über­be­an­sprucht, weil sie ih­re nicht-aus­ge­bil­de­ten Kol­le­gen "über Ge­bühr" un­ter­stüt­zen müss­ten. Die über­fäl­li­ge Ent­las­tung sei­tens des Mi­nis­te­ri­ums ste­he im­mer noch aus.

Der Lehr­kräf­te­man­gel blei­be ein gra­vie­ren­des und zu­neh­men­des Pro­blem in Schles­wig-Hol­stein, be­ton­te Hen­ke. Leh­rer fehl­ten zu­neh­mend an Grund­schu­len. Gro­ßer Man­gel herr­sche auch an Son­der­schul- und Be­rufs­schul­leh­rern. Be­son­ders krass sei die Si­tua­ti­on in den Krei­sen Dith­mar­schen, St­ein­burg, Ost­hol­stein und Her­zog­tum Lau­en­burg.

Im ver­gan­ge­nen Schul­jahr 2018/19 wa­ren laut Mi­nis­te­ri­um an den all­ge­mein­bil­den­den Schu­len zwei Pro­zent des Un­ter­richts er­satz­los aus­ge­fal­len, wei­te­re 7,6 Pro­zent wur­den nicht plan­mä­ßig er­teilt. Statt­des­sen gab es Ver­tre­tungs­un­ter­richt oder "or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maß­nah­men", et­wa ei­gen­ver­ant­wort­li­ches Ar­bei­ten der Schü­ler.

Re­gio­nal gibt es beim Leh­rer­man­gel deut­li­che Un­ter­schie­de, sag­te auch Prien. Wäh­rend Leh­rer be­son­ders in den Bal­lungs­zen­tren of­fe­ne Stel­len such­ten, fal­le es den Schu­len in Dith­mar­schen oder dem Her­zog­tum Lau­en­burg schwe­rer, Lehr­kräf­te zu fin­den. "Na­tür­lich feh­len uns vor Ort mehr Lehr­kräf­te als nur für 130 Plan­stel­len", sag­te Prien. Durch El­tern­zeit oder län­ge­re Er­kran­kun­gen er­tei­le ein Teil der Leh­rer kei­nen Un­ter­richt, ob­wohl die­ses Per­so­nal for­mal Plan­stel­len hat.

Ab­hil­fe will die CDU-Po­li­ti­ke­rin mit ei­nem neu­en Pla­nungs­tool schaf­fen. Da­mit will das Mi­nis­te­ri­um den Leh­rer­be­darf für die kom­men­den neun Jah­re vor­aus er­rech­nen. "Wir al­le konn­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren er­le­ben, dass die Schü­ler­zah­len deut­lich über den Er­war­tun­gen la­gen."

Die Lan­des­re­gie­rung setzt ne­ben den Zu­la­gen seit zehn Jah­ren vor al­lem auch auf Quer- und Sei­ten­ein­stei­ger. Wäh­rend die mitt­ler­wei­le 589 Quer­ein­stei­ger, von de­nen al­lein 126 im lau­fen­den Jahr hin­zu­ka­men, auch ein vol­les Re­fe­ren­da­ri­at ab­sol­viert ha­ben, ver­fü­gen die 336 Sei­ten­ein­stei­ger im Schul­dienst ne­ben ei­nem ab­ge­schlos­se­nen Stu­di­um in ei­nem Man­gel­fach auch über mehr­jäh­ri­ge Be­rufs­er­fah­rung.

Um den Leh­rer­man­gel zu ent­schär­fen, for­dert die GEW un­ter an­de­rem ei­ne Re­du­zie­rung der Ar­beits­be­las­tung der Leh­rer und ei­ne zü­gi­ge­re Ein­füh­rung von A13 für Grund­schul­leh­rer.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 21. November 2019

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