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Sen­de­aus­fäl­le beim BR durch Warn­streik

Im Ta­rif­streit sind meh­re­re ARD-Sen­der von Warn­streiks be­trof­fen - beim BR mit deut­li­chen Aus­wir­kun­gen aufs Pro­gramm
Frau zu Hause im Bett vor dem Fernsehen

18.09.2019. (dpa/fle) - Erst­mals hat ein be­fris­te­ter Warn­streik im Ta­rif­kon­flikt beim Baye­ri­schen Rund­funk (BR) zu Sen­de­aus­fäl­len ge­führt.

Be­son­ders be­trof­fen wa­ren ab dem frü­hen Mitt­woch­mor­gen im Ra­dio die In­for­ma­ti­ons­wel­le B5 ak­tu­ell, das Pro­gramm Bay­ern 2 und BR Klas­sik.

Sie al­le wur­den kom­plett oder zeit­wei­se auf Bay­ern 3 um­ge­schal­tet, wie der BR mit­teil­te. Im Fern­se­hen muss­ten die Li­ve-Sen­dun­gen "Wir in Bay­ern", "Abend­schau" und "Münch­ner Run­de" aus dem Pro­gramm ge­nom­men wer­den. 

Auch BR24 konn­te "in Web und App nur ei­ne ab­ge­speck­te Sei­te bie­ten", hieß es auf der Home­page des öf­fent­lich-recht­li­chen Sen­ders. Ge­streikt wur­de auch in den ARD-An­stal­ten WDR, MDR, SWR und NDR. Des­halb konn­ten et­wa ARD und ZDF das "Mor­gen­ma­ga­zin" nicht li­ve sen­den. "Das re­gu­lä­re Mor­gen­ma­ga­zin ent­fällt auf Grund ei­nes Warn­streiks. Sie se­hen ei­ne Auf­zeich­nung von heu­te früh", blen­de­te die ARD am Mor­gen im lau­fen­den Pro­gramm ein.

Der Baye­ri­sche Jour­na­lis­ten-Ver­band (BJV) und die Ge­werk­schaft Ver­di hat­ten die mehr als 5.000 Re­dak­teu­re und frei­en Jour­na­lis­ten beim BR zu ei­ner Ar­beits­nie­der­le­gung für 24 St­un­den auf­ge­ru­fen. BJV-Chef Mi­cha­el Busch sag­te auf An­fra­ge: "Die Ak­tio­nen sind ein vol­ler Er­folg. Die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter ha­ben ein kla­res Si­gnal in Rich­tung In­ten­danz des BR ab­ge­ge­ben."

Der BR hat­te nach ei­ge­nen An­ga­ben ver­sucht, die Aus­wir­kun­gen auf das Pro­gramm so ge­ring wie mög­lich zu hal­ten. Im Ra­dio stell­ten ei­ni­ge Mit­ar­bei­ter für die Nach­rich­ten laut BR drei­mi­nü­ti­ge "Not­fall-News-Pa­ke­te" zu­sam­men. 

Der ARD-Vor­sit­zen­de Ul­rich Wil­helm sag­te nach ei­ner In­ten­dan­ten­sit­zung in Stutt­gart, die Sen­der könn­ten sich nicht mehr an den Stei­ge­run­gen des öf­fent­li­chen Diens­tes der Län­der ori­en­tie­ren. Statt­des­sen wer­de ein "fai­rer In­fla­ti­ons­aus­gleich" zwi­schen 1,7 und 2,1 Pro­zent für je­weils ein Jahr an­ge­bo­ten.

Die Ge­werk­schaf­ten se­hen da­ge­gen den jüngs­ten Ta­rif­ab­schluss für die An­ge­stell­ten der Bun­des­län­der als Mess­lat­te. Sie for­dern sechs Pro­zent mehr bei den Ge­häl­tern, Ho­no­ra­ren und Ga­gen. Der Sen­der bie­tet bis­lang zum 1. Ok­to­ber 1,9 Pro­zent mehr und in ei­ner zwei­ten Stu­fe zum 1. April nächs­ten Jah­res noch­mals 2,0 Pro­zent. Hin­zu kä­me ei­ne Ein­mal­zah­lung für die Mo­na­te April bis Sep­tem­ber die­ses Jah­res.

BR-Ver­wal­tungs­di­rek­tor Al­bert Fren­zel be­ton­te, dass der Rund­funk­bei­trag seit vie­len Jah­ren nicht er­höht wor­den sei. Der Sen­der müs­se sein An­ge­bot an ei­nem fai­ren Teue­rungs­aus­gleich ori­en­tie­ren. "Uns ist be­wusst, welch gu­te Ar­beit die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter leis­ten." Ziel sei, ei­nen wei­te­ren Ab­bau von Pro­gramm und Be­schäf­ti­gung ab­zu­wen­den. "Bei hö­he­ren Ab­schlüs­sen müss­ten wir un­wei­ger­lich ins Pro­gramm ein­schnei­den oder wei­te­re Stel­len ab­bau­en. Das hiel­te ich für das fal­sche Si­gnal nach au­ßen, wo wir für ei­ne Bei­trags­er­hö­hung wer­ben", warn­te Fren­zel.

BJV-Chef Busch hielt da­ge­gen: "Man muss bei den Struk­tu­ren schaue, wo Spar­po­ten­zi­al ist. Wir hal­ten das Spa­ren bei den Be­schäf­tig­ten für den fal­schen Weg." Es sei­en wei­te­re Ak­tio­nen in der Über­le­gung - auch mit an­de­ren ARD-An­stal­ten. De­tails woll­te er nicht nen­nen.

Die Ta­rif­ver­hand­lun­gen be­tref­fen nach BR-An­ga­ben rund 3.500 fes­te Mit­ar­bei­ter und knapp 1.700 ar­beit­neh­mer­ähn­li­che freie Mit­ar­bei­ter so­wie gut 400 Ga­gen­emp­fän­ger. Der BJV ging bis zum Ab­schluss des Warn­streiks von bis zu 1.000 an den Ak­tio­nen Be­tei­lig­ten aus. 

Der Lan­des­spre­cher der Lin­ken in Bay­ern, Ates Gür­pi­nar, er­klär­te, der BR soll­te Leucht­turm für gu­te Ar­beits­be­din­gun­gen sein. Jour­na­lis­ten müss­ten fes­te An­stel­lun­gen und fi­nan­zi­el­le Si­cher­heit ha­ben, um ih­re wich­ti­ge Auf­ga­be gut aus­füh­ren zu kön­nen. "Ge­ra­de in die­sen po­li­tisch schwie­ri­gen Zei­ten ist das un­ab­ding­bar", sag­te Gür­pi­nar. "Die Zu­kunft oft un­ge­wiss, das Geld knapp. (...) Die­se Ent­wick­lung ist al­lein aus ei­ner de­mo­kra­ti­e­theo­re­ti­schen Per­spek­ti­ve brand­ge­fähr­lich."

Bei ARD-Sen­dern hat­te es in der lau­fen­den Ta­rif­run­de be­reits in den ver­gan­ge­nen Wo­chen Streik­ak­tio­nen ge­ge­ben. Beim BR ist der nächs­te Ver­hand­lungs­ter­min für Frei­tag kom­men­der Wo­che (27. Sep­tem­ber) an­ge­setzt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 18. September 2019

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