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ARBEITSRECHT AKTUELL // 20/045

Si­tech schließt Werk in Han­no­ver

Das Werk des Sitz­her­stel­lers Si­tech in Han­no­ver wird auf­grund der schwa­chen Auf­trags­la­ge ge­schlos­sen
Schild vor Rollgitter WIR SCHLIESSEN

04.03.2020. (dpa/fle) - Der VW-Sitz­her­stel­ler Si­tech macht we­gen zwei­er ge­platz­ter Groß­auf­trä­ge aus dem ei­ge­nen Kon­zern sei­nen Stand­ort in Han­no­ver dicht.

Be­trof­fen von der ge­plan­ten Schlie­ßung sind rund 450 Ar­beits­plät­ze, wie das Un­ter­neh­men am Mitt­woch mit­teil­te.

Zu­vor hat­te es Streit mit dem ört­li­chen Be­triebs­rat über Prei­se und Be­din­gun­gen der wei­te­ren Zu­sam­men­ar­beit ge­ge­ben. Auf et­wai­ge be­triebs­be­ding­te Kün­di­gun­gen soll nach Mög­lich­keit ver­zich­tet wer­den. "Der Ab­bau wird durch zahl­rei­che so­zi­al­ver­träg­li­che Maß­nah­men be­glei­tet", be­ton­te Si­tech. Das Un­ter­neh­men ge­hört zum Kom­po­nen­ten-Be­reich der Volks­wa­gen-Grup­pe und be­lie­fert die Kon­zern­mar­ken mit Sitz­tech­nik.

Da­bei muss sich der Her­stel­ler - wie an­de­re in­ter­ne Zu­lie­fe­rer auch - ge­gen An­ge­bo­te ex­ter­ner Wett­be­wer­ber be­haup­ten. Im Fall des Werks Han­no­ver wa­ren zwei wich­ti­ge Aus­schrei­bun­gen für den neu­en Bus T7 und des­sen künf­ti­ge E-Ver­si­on ID.Buzz bei den leich­ten Nutz­fahr­zeu­gen (VWN) ver­lo­ren ge­gan­gen. Die von Si­tech an­ge­bo­te­nen Prei­se sol­len nach In­for­ma­tio­nen aus Kon­zern­krei­sen deut­lich zu hoch für ei­ne wett­be­werbs­fä­hi­ge Pro­duk­ti­on ge­we­sen sein. Oh­ne die er­hoff­ten Be­stel­lun­gen wur­de nach Dar­stel­lung des Un­ter­neh­mens nun auch die Fer­ti­gung der Sit­ze für den der­zei­ti­gen VW-Bus T6.1 un­ren­ta­bel.

Mit der IG Me­tall und dem Be­triebs­rat sol­len da­her in den kom­men­den Wo­chen Al­ter­na­ti­ven für die in Han­no­ver be­schäf­tig­ten Mit­ar­bei­ter ge­fun­den wer­den. Wei­te­re Si­tech-Stand­or­te in Em­den und Wolfs­burg so­wie in Po­len und Chi­na sind nicht von den Strei­chun­gen be­trof­fen. Nach An­ga­ben der IG Me­tall soll ein ost­eu­ro­päi­scher Stand­ort des fran­zö­si­schen Au­to­zu­lie­fe­rers Fau­re­cia den Zu­schlag für die Sit­ze be­kom­men - dort sei das An­ge­bot er­heb­lich güns­ti­ger ge­we­sen.

Die Ge­werk­schaft for­der­te VW auf, den Si­tech-Mit­ar­bei­tern in Han­no­ver neue Job­chan­cen zu ge­ben. "Volks­wa­gen ist nun in der Ver­ant­wor­tung, den Be­schäf­ti­gen Per­spek­ti­ven in räum­li­cher Nä­he zu ver­schaf­fen", sag­te der Be­zirks­lei­ter in Nie­der­sach­sen und Sach­sen-An­halt, Thors­ten Grö­ger. Man müs­se prü­fen, ob es bei VWN oder an an­de­ren, nicht all­zu weit ent­fern­ten Or­ten Mög­lich­kei­ten der Wei­ter­be­schäf­ti­gung ge­be. In ei­ner Stel­lung­nah­me be­ton­te der Ge­samt­be­triebs­rat: "Wir for­dern die Ver­ant­wort­li­chen auf, auf die ak­tu­el­le Si­tua­ti­on in Han­no­ver an­ge­mes­sen zu re­agie­ren und wei­ter­hin nach­hal­ti­ge Lö­sun­gen zu ver­fol­gen. Ein Bei­spiel wä­re: Bei VW in Sach­sen sind sol­che An­ge­bo­te be­reits ab­seh­bar."

Auch die Po­li­tik hat­te sich des The­mas an­ge­nom­men, nach­dem ei­ne Lis­te mit Tau­sen­den Un­ter­schrif­ten zum Er­halt des Stand­orts an das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um ge­gan­gen war. Der Grü­nen-Wirt­schafts­ex­per­te Det­lev Schulz-Hen­del sag­te: "Wir er­war­ten, dass die Lan­des­re­gie­rung sich für ein zu­kunfts­ori­en­tier­tes Un­ter­neh­mens­kon­zept ein­setzt." Be­stel­lun­gen für den T6.1 sei­en bis 2024 zu­ge­sagt ge­we­sen. Auch Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te set­zen sich für ei­nen Er­halt des Werks ein.

Aus Kon­zern­krei­sen war zu hö­ren, dass die Ge­sprä­che mit den Si­tech-Be­leg­schafts­ver­tre­tern in Han­no­ver schwie­rig ge­we­sen sei­en. Das Un­ter­neh­men be­ton­te, der lo­ka­le Be­triebs­rat ha­be die Not­wen­dig­keit ei­ner wirt­schaft­li­chen Aus­stel­lung "bis zum Schluss nicht an­er­kannt. So­mit konn­te schließ­lich kei­ne Ver­ein­ba­rung zu drin­gend er­for­der­li­chen Pro­duk­ti­vi­täts­maß­nah­men nach dem Vor­bild der Volks­wa­gen AG ab­ge­schlos­sen wer­den." Ein so­ge­nann­tes Ma­ke-or-Buy-Ko­mi­tee ent­schei­det bei VW, ob Auf­trä­ge für be­stimm­te Bau­teil­grup­pen nach au­ßen oder in­tern ver­ge­ben wer­den.

Der IG-Me­tall-Se­kre­tär Tha­de­us Main­ka kri­ti­sier­te die Dar­stel­lung des Kon­zerns, die Ver­ant­wor­tung für die Stand­ort­schlie­ßung lie­ge in ers­ter Li­nie bei der Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung in Han­no­ver: "Wir wei­sen Schuld­zu­wei­sun­gen in Rich­tung des ört­li­chen Be­triebs­rats ent­schie­den zu­rück. Es han­delt sich um ei­ne Ent­schei­dung des Kon­zerns, das un­ge­lieb­te Kind Si­tech in Han­no­ver end­lich los­zu­wer­den."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 5. März 2020

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