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Stra­te­gi­en ge­gen den Pend­ler­frust

Für Pend­ler be­ginnt der Stress oft schon vor dem ei­gent­li­chen Ar­beits­tag. Doch das muss nicht so sein, sa­gen Ex­per­ten
Autos im Stau, Pendler, Straßenverkehr

28.10.2019. (dpa/fle) - Mal ist es der schnar­chen­de Sitz­nach­bar im Zug, mal die fünf­te ro­te Am­pel in Fol­ge, mal die durch­näss­te Ja­cke von der Rad­fahrt durch den Re­gen.

Es gibt un­zäh­li­ge die­ser Sze­na­ri­en, in de­nen Be­rufs­pend­ler mit den Au­gen rol­len, ein lei­ses "nie wie­der" vor sich hin mur­meln, um am nächs­ten Tag er­neut im Zug, im Au­to oder auf dem Rad sit­zen.

"Wir neh­men wahr, dass die Deut­schen in den letz­ten Jah­ren im­mer häu­fi­ger und im­mer wei­ter pen­deln", sagt Al­brecht Weh­ner aus dem Ge­sund­heits­ma­nage­ment der Tech­ni­ker Kran­ken­kas­se. Er und sein Team ha­ben die Stu­di­en­la­ge zum The­ma Pen­deln auf­ge­ar­bei­tet, um der Fra­ge nach­zu­ge­hen: Macht Pen­deln krank?

Die Ant­wort ist über­ra­schend: "Man muss sa­gen, dass Pend­ler ein Stück weit ge­sün­der sind als Nicht­pend­ler. Au­ßer, man be­trach­tet die psy­chi­schen Er­kran­kun­gen. Wenn ich pend­le, ha­be ich ein hö­he­res Stres­s­emp­fin­den."

Rund 90 Mi­nu­ten - da­von wird in der ak­tu­el­len For­schung aus­ge­gan­gen - sind Lang­stre­cken­pend­ler täg­lich min­des­tens un­ter­wegs. Stress ge­hört da­bei zum All­tag: Wie ist die Ver­kehrs­la­ge? Wie das Wet­ter? Kom­me ich recht­zei­tig an? Fra­gen, die sich Be­rufs­pend­ler täg­lich stel­len.

Ein an­de­res Pro­blem sorgt für zu­sätz­li­chen Stress: der Schlaf­man­gel. "Pend­ler ha­ben ein­fach we­ni­ger Zeit zum Schla­fen und bau­en da­durch über die Wo­che ein Schlaf­de­fi­zit auf. Am Wo­chen­en­de ver­su­chen sie es dann oft aus­zu­glei­chen, aber das ist schwie­rig", er­klärt Stef­fen Häf­ner, Chef­arzt der Psy­cho­so­ma­tik an der Me­di­clin Baar Kli­nik in Kö­nigs­feld.

Die Fol­ge kön­nen Un­kon­zen­triert­heit, Reiz­bar­keit oder ei­ne er­höh­te An­fäl­lig­keit für In­fek­te sein. Da­bei fällt so­ge­nann­ten Mor­gen­men­schen der Um­gang mit dem Schlaf­de­fi­zit leich­ter, weiß der Me­di­zi­ner: "Die Abend­ty­pen ha­ben es echt schwer, sie kön­nen nicht frü­her ein­schla­fen und bau­en da­durch au­to­ma­tisch ihr Schlaf­de­fi­zit auf." Mor­gen­men­schen da­ge­gen ma­che es we­ni­ger aus, um vier oder fünf Uhr auf­zu­ste­hen. Sie kom­men da­her mit dem Pen­deln län­ger gut zu­recht.

Ei­ne Mög­lich­keit, um mit dem Pend­ler­stress um­ge­hen zu ler­nen, sind Al­brecht Weh­ner zu­fol­ge et­wa Stress­ma­nage­ment-Kur­se oder Ent­span­nungs­tech­ni­ken. Für ef­fek­ti­ver hält er es aber, die Ver­hält­nis­se an­zu­pas­sen. Da­zu kön­ne ge­ge­be­nen­falls zeit­wei­ses Ar­bei­ten im Ho­me­of­fice bei­tra­gen oder ein spä­te­rer Ar­beits­be­ginn, um den Be­rufs­ver­kehr zu um­ge­hen.

"Da, wo es passt, kann man das Pen­deln auch ge­sund­heits­för­der­lich ge­stal­ten, zum Bei­spiel durch die Be­zu­schus­sung von Dienst­fahr­rä­dern", sagt Weh­ner. Egal ob Au­to-, Bahn- oder Rad­pend­ler, die Pend­ler­zeit so kurz­wei­lig wie mög­lich zu ge­stal­ten, hel­fe schon sehr beim Stress­ab­bau.

Kat­rin van Ran­den­borgh, Spre­che­rin des All­ge­mei­nen Deut­schen Au­to­mo­bil Clubs (ADAC) emp­fiehlt Au­to­pend­lern, die Fahrt mit et­was Pri­va­tem zu kom­bi­nie­ren. "Wird das Pen­deln mit sinn­vol­len Tä­tig­kei­ten wie Ein­kau­fen, Sport oder ei­nem Fa­mi­li­en­be­such ver­bun­den, fällt es leich­ter", so die Ex­per­tin. Ab­len­kung vom Pend­ler­stress bie­ten Hör­bü­cher oder das Fah­ren in Ge­mein­schaft.

Eben­falls wich­tig: den Zeit­druck re­du­zie­ren, "denn der er­höht das Stress­le­vel und da­mit die ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf Ge­sund­heit und Psy­che gra­vie­rend", sagt van Ran­den­borgh. Al­so: We­cker lie­ber zehn Mi­nu­ten eher stel­len, denn smar­te Ent­schei­dun­gen fällt man nicht un­ter Zeit­druck.

Gun­nar Fehlau vom Pres­se­dienst Fahr­rad hält auch Fun­da­men­ta­lis­mus für fehl am Platz. "Ist es sub­jek­tiv die bes­se­re Wahl mit dem Rad zu fah­ren, su­per. Wenn es aber auch Ta­ge gibt, an de­nen das an­ders ist, ist es auch gut so." An­ders als Au­to­fah­rer kön­nen Rad­ler, un­be­ein­druckt von Stau und Bau­stel­len, den Zeit­fak­tor häu­fig deut­lich bes­ser pla­nen.

An­ders sieht das mit den Wet­ter­ver­hält­nis­sen aus. Zwar ma­che Pen­deln bei Schnee und Eis mit kei­nem Ver­kehrs­mit­tel Spaß, so Fehlau, Rad­ler sind je­doch stär­ker als an­de­re auf ei­ne gu­te Aus­rüs­tung an­ge­wie­sen. Wet­ter­fes­te Schu­he und Hand­schu­he, un­platt­ba­re Rei­fen, gu­tes Re­flex­ma­te­ri­al und ge­ge­be­nen­falls Schnee­s­pikes auf den Rei­fen kön­nen da­zu zäh­len.

"Tech­nik kann ei­ne Of­fen­ba­rung sein und es gibt für al­les die rich­ti­ge Aus­rüs­tung", sagt der Ex­per­te. Ein ex­tra prä­pa­rier­tes Schlecht­wet­ter­rad für ver­schnei­te Ta­ge, ei­ne was­ser­dich­te Ta­sche so­wie ei­ne Klei­der-Gar­ni­tur zum Wech­seln im Bü­ro könn­ten den Pend­ler­stress für Fahr­rad­fah­rer re­du­zie­ren.

Egal ob mit Rad, Bahn oder Au­to - Stu­di­en le­gen na­he, dass die Deut­schen das Pen­deln ei­nem Um­zug vor­zie­hen. "Es ist ganz er­staun­lich, vie­le Men­schen sind so ro­bust, dass sie das Pen­deln ihr gan­zes Be­rufs­le­ben oder meh­re­re Jah­re durch­zie­hen", so Stef­fen Häff­ner.

Nach et­wa fünf Jah­ren, soll­te man sich selbst über­prü­fen, ob man wei­ter Pen­deln möch­te. In je­dem Fall da­ge­gen spre­chen ge­sund­heit­li­che Pro­ble­me wie ein er­höh­ter Blut­druck oder Schlaf­stö­run­gen. "Vie­le mer­ken auch, dass sie in­fekt­an­fäl­li­ger wer­den. Das kann ein Zei­chen sein, dass der Kör­per über­be­las­tet ist", so Häf­ner.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 28. Oktober 2019

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