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ARBEITSRECHT AKTUELL // 18/314

Streit über die lang­fris­ti­ge Ent­wick­lung des Min­dest­lohns

Zum Jah­res­an­fang 2018 wird der Min­dest­lohn auf 9,19 EUR er­höht, ein Jahr spä­ter auf 9,35 EUR. Wie hoch der An­stieg da­nach aus­fal­len soll, ist um­strit­ten
Mindestlohnerhöhung auf 9,19 zum Jahr 2019, Mindestlohnkommission

28.12.2018. (dpa/fle) - Ab dem 01.01.2019 ver­die­nen Ar­beit­neh­mer mit ei­nem Ein­kom­men auf Ni­veau des Min­dest­lohns 35 Cent mehr pro St­un­de.

Zum Jah­res­be­ginn wird die ge­setz­li­che Lohn­un­ter­gren­ze von 8,84 EUR brut­to auf 9,19 EUR brut­to an­ge­ho­ben. Ab dem 01.01.2020 be­trägt der Min­dest­lohn dann 9,35 EUR brut­to je Ar­beits­stun­de.

Die stu­fen­wei­se An­he­bung hat­te die un­ab­hän­gi­ge Min­dest­lohn­kom­mis­si­on mit Spit­zen­ver­tre­tern von Ar­beit­ge­bern und Ge­werk­schaf­ten emp­foh­len. Die Ge­werk­schaf­ten ver­lan­gen aber für die Zeit da­nach ei­nen deut­lich stär­ke­ren An­stieg.

Ins­be­son­de­re der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) for­dert, dass der Min­dest­lohn nach 2020 deut­li­cher stei­gen soll­te. "Der Min­dest­lohn muss mit­tel­fris­tig stei­gen und ar­muts­fest sein", sag­te DGB-Chef Rei­ner Hoff­mann der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. Exis­tenz­si­chernd sei der Min­dest­lohn nicht. "Die im Min­dest­l­ohn­ge­setz für 2020 vor­ge­se­he­ne Eva­lu­ie­rung könn­te für ei­ne ein­ma­li­ge An­pas­sung ge­nutzt wer­den. Da­nach blie­be das üb­li­che Ver­fah­ren der Min­dest­lohn­kom­mis­si­on be­ste­hen."

Auch die Ge­werk­schaft Ver­di ver­langt ei­nen hö­he­ren Min­dest­lohn. "2020 soll­te der Min­dest­lohn ein­ma­lig stär­ker an­ge­ho­ben wer­den", sag­te Ver­di-Chef Frank Bsirs­ke der dpa. "Denn er ist schlicht zu ge­ring, um da­von aus­kömm­lich zu le­ben." Schon als der Min­dest­lohn von 8,50 EUR 2015 ein­ge­führt wur­de, sei die ent­spre­chen­de For­de­rung der Ge­werk­schaf­ten be­reits über fünf Jah­re alt ge­we­sen. Die Preis- und Lohn­ent­wick­lung die­ser fünf Jah­re sei bei der Hö­he des Min­dest­loh­nes da­mals aber nicht be­rück­sich­tigt wor­den.

Fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz (SPD) hat­te sich in die­sem Zu­sam­men­hang im Ok­to­ber 2018 be­reits für ei­nen Min­dest­lohn von 12 EUR aus­ge­spro­chen.

Er­war­tungs­ge­mäß nicht sehr be­geis­tert sind die Ar­beit­ge­ber. Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent In­go Kra­mer sag­te mit Blick auf den Scholz-Vor­stoß: "Zum Min­dest­lohn ist in der letz­ten Le­gis­la­tur­pe­ri­ode ei­ne Kom­mis­si­on ein­ge­rich­tet wor­den, die ei­nen kla­ren Auf­trag hat". "Das war ein ge­mein­sa­mer po­li­ti­scher Be­schluss von SPD, CDU und CSU, und die Ar­beits­mi­nis­te­rin da­mals hieß Frau Nah­les." Als Mi­nis­te­rin ha­be die heu­ti­ge SPD-Che­fin An­drea Nah­les da­mals in­iti­iert und um­ge­setzt, dass der Min­dest­lohn al­le zwei Jah­re nach dem Durch­schnitt der Ta­rif­er­hö­hung in den an­de­ren Bran­chen an­ge­ho­ben wer­den sol­le.

"Und nun wol­len selbst ho­no­ri­ge Han­sea­ten aus wohl par­tei- und wahl­tak­ti­schen Grün­den Kos­ten ver­ur­sa­chen, die sie sel­ber nicht tra­gen müs­sen und die fern­ab von je­der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lungs­fä­hig­keit sind", sag­te Kra­mer mit Blick auf Scholz.

Das Min­dest­l­ohn­ge­setz schreibt vor, dass ei­ne Min­dest­lohn­kom­mis­si­on ge­bil­det wird, die je zur Hälf­te aus Ar­beit­neh­mer- und Ar­beit­ge­ber­ver­tre­tern be­steht und durch ei­nen neu­tra­len Vor­sit­zen­den un­ter­stützt wird. Die Min­dest­lohn­kom­mis­si­on hat al­le zwei Jah­re über An­pas­sun­gen der Hö­he zu be­schlie­ßen. Da­bei prüft das Gre­mi­um im Rah­men ei­ner Ge­samt­ab­wä­gung, wel­che Min­dest­lohn­hö­he für an­ge­mes­se­nen Min­dest­schutz der Ar­beit­neh­mer ge­eig­net sind, fai­re Wett­be­werbs­be­din­gun­gen er­mög­li­chen und Be­schäf­ti­gung nicht ge­fähr­den. Die Min­dest­lohn­kom­mis­si­on ori­en­tiert sich fer­ner nach­lau­fend an der Ta­ri­fent­wick­lung.

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Letzte Überarbeitung: 11. Juli 2019

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