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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/014

Stu­die: El­tern lei­den be­son­ders un­ter ei­ner Er­hö­hung der Ar­beits­zeit

Die Stei­ge­rung der wö­chent­li­chen Ar­beits­zeit um nur ei­ne St­un­de kann sich be­reits ne­ga­tiv auf die Ge­sund­heit aus­wir­ken - dies gilt ins­be­son­de­re für El­tern
Mutter mit Kind im Büro, Rückkehr aus der Elternzeit, Vereinbarkeit Job und Familie

17.01.2019. (dpa/fle) - Steigt ih­re Wo­chen­ar­beits­zeit um ei­ne St­un­de, ge­hen ei­ni­ge Men­schen häu­fi­ger zum Arzt.

Das be­rich­ten For­scher der Uni­ver­si­tä­ten Hal­le-Wit­ten­berg und Er­lan­gen-Nürn­berg. Sie ana­ly­sier­ten Da­ten von 6.500 Be­am­ten und Ar­beit­neh­mer im öf­fent­li­chen Dienst aus den al­ten Bun­des­län­dern. Die Zahl der Arzt­be­su­che stieg dem­nach um 13 Pro­zent. Der selbst ein­ge­schätz­te Ge­sund­heits­zu­stand ha­be sich durch die Ar­beits­zeit­er­hö­hung um 2 Pro­zent ver­schlech­tert, schrei­ben die For­scher im Fach­ma­ga­zin "La­bour Eco­no­mics".

Be­son­ders be­trof­fen von bei­den Ef­fek­ten wa­ren Frau­en und El­tern von klei­nen Kin­dern. "Ver­mut­lich sind die Ef­fek­te bei die­sen Grup­pen stär­ker, weil sie au­ßer­halb ih­rer Ar­beits­zeit mit sehr be­grenz­ten Zeit­bud­gets aus­ge­stat­tet sind. Steigt die Ar­beits­zeit, steigt so­mit auch der Zeit­druck au­ßer­halb der Ar­beit", er­klär­te der Haupt­au­tor der Stu­die, Chris­toph Wun­der.

Bei Män­nern (mit und oh­ne Kin­dern) fiel der Un­ter­schied nicht ganz so stark aus. Sie gin­gen um 7 Pro­zent häu­fi­ger zum Arzt, wenn sich die Wo­chen­ar­beits­zeit er­höh­te, bei Frau­en wa­ren es 15 Pro­zent. Die­se Lü­cke zwi­schen den Ge­schlech­tern kön­ne sich mit zu­neh­men­der Gleich­be­rech­ti­gung al­ler­dings ver­rin­gern, er­war­ten die Wis­sen­schaft­ler.

Die Da­ten stam­men aus dem So­zio-öko­no­mi­schen Pa­nel der Jah­re 1985 bis 2014. In re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den wur­den im­mer die­sel­ben Men­schen zu ih­ren Le­bens­um­stän­den be­fragt, in­klu­si­ve Ge­sund­heit, Er­werbs­tä­tig­keit und Le­bens­zu­frie­den­heit. Be­am­te und Ar­beit­neh­mer im öf­fent­li­chen Dienst wür­den Neu­re­ge­lun­gen der Ar­beits­zeit bes­ser über­neh­men als An­ge­stell­te in der Pri­vat­wirt­schaft. Die­se könn­ten bei ei­ner Än­de­rung der ta­rif­li­chen Ar­beits­zeit Über­stun­den an­pas­sen und so wei­ter­hin gleich lan­ge ar­bei­ten, er­klär­te Wun­der in der Mit­tei­lung.

Ei­ne Be­triebs­ärz­tin sieht die Er­geb­nis­se kri­tisch. "Die Rech­nung: Lan­ge Ar­beits­zeit ist gleich krank sein, un­ter­schrei­be ich aus­drück­lich nicht", sag­te Anet­te Wahl-Wa­chen­dorf, Vi­ze­prä­si­den­tin des Ver­ban­des für Be­triebs-und Werks­ärz­te. Der Kran­ken­stand sei ab­hän­gig von ei­ner gan­zen Rei­he von Fak­to­ren. "Zum Bei­spiel der In­halt der Ar­beit, die Ar­beits­fül­le und die Or­ga­ni­sa­ti­on der Ar­beit". Wer zu­frie­den mit sei­nen Auf­ga­ben und Kol­le­gen ist, der neh­me in der Re­gel auch mehr Ar­beits­zeit in Kauf oh­ne krank zu wer­den. Rich­tig sei, dass län­ge­re Ar­beits­zei­ten mehr Stress ins­be­son­de­re auf El­tern aus­üben. Da­durch kön­ne es zu mehr Aus­fäl­len kom­men. "Das sind aber Or­ga­ni­sa­ti­ons­pro­ble­me, die es ge­sell­schafts­po­li­tisch zu lö­sen gilt", sag­te sie.

Ten­den­zi­ell las­se sich das auch auf pri­va­te An­ge­stell­te über­tra­gen, sag­te Wahl-Wa­chen­dorf. Den Um­kehr­schluss, dass we­ni­ger Ar­beits­zeit au­to­ma­tisch ge­sün­der ma­che, las­se die Stu­die aber nicht un­be­dingt zu. Die Au­to­ren schrei­ben: "Es las­sen sich kei­ne Aus­sa­gen zu ei­ner op­ti­ma­len Ar­beits­zeit ab­lei­ten".

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Letzte Überarbeitung: 7. Oktober 2019

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