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Stu­die sieht in 19 Re­gio­nen nach­hol­be­darf

Ei­ne Stu­die sieht bei 19 Re­gio­nen gro­ße Pro­ble­me, von de­nen je­doch längst nicht al­le in Ost­deutsch­land oder auf dem Land lie­gen
Deutschlandkarte mit Stecknadeln bei Großstädten

08.08.2019. (dpa/fle) - Schwä­cheln­de Wirt­schaft, Ab­wan­de­rung, ma­ro­de In­fra­struk­tur: Wer bei die­sen Pro­ble­men nur an länd­li­che Re­gio­nen oder an Ge­gen­den in den neu­en Bun­des­län­dern denkt, macht es sich ei­ner neu­en Stu­die zu­fol­ge zu ein­fach.

"Schließ­lich gibt es auf der ei­nen Sei­te auch öko­no­misch sehr er­folg­rei­che, eher länd­lich ge­präg­te Krei­se", schrei­ben die Au­to­ren des In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft Köln (IW Köln) in ei­ner Ana­ly­se zur Zu­kunft der Re­gio­nen in Deutsch­land, die sie am Don­ners­tag in Ber­lin vor­stell­ten.

"Auf der an­de­ren Sei­te fin­den sich aber auch struk­tu­rell sehr schwa­che Städ­te" - nicht nur im Os­ten, son­dern auch im Wes­ten wie zum Bei­spiel Gel­sen­kir­chen oder Pir­ma­sens.

Fasst man al­le Fak­to­ren zu­sam­men, stuft das In­sti­tut ins­ge­samt 19 Re­gio­nen als ge­fähr­det ein. Der Hand­lungs­be­darf sei da­bei am größ­ten in der Alt­mark, in An­halt-Bit­ter­feld-Wit­ten­berg (bei­de Sach­sen-An­halt) so­wie den Ruhr­ge­biets­re­gio­nen Em­scher-Lip­pe und Duis­burg/Es­sen.

Für die Stu­die un­ter­such­te das IW Köln, wie von ihr zu­vor de­fi­nier­te Re­gio­nen in Deutsch­land bei den The­men Wirt­schaft, De­mo­gra­fie und In­fra­struk­tur ab­schnei­den. Da­für be­wer­te­te es die Ge­bie­te nach ins­ge­samt zwölf mess­ba­ren In­di­ka­to­ren wie et­wa die Ar­beits­lo­sen­quo­te, Kauf­kraft, das Durch­schnitts­al­ter der Be­völ­ke­rung, die Ge­bur­ten­ra­te, die Ver­schul­dung oder die Breit­band­ver­sor­gung.

Vor al­lem bei der öko­no­mi­schen Ent­wick­lung gibt es drei west­deut­sche Stand­or­te, bei de­nen die Au­to­ren gro­ßen Nach­hol­be­darf fest­ge­stellt ha­ben: Die Re­gio­nen Duis­burg/Es­sen, Bre­mer­ha­ven und Em­scher-Lip­pe sind dem­nach ge­prägt von ei­ner ho­hen Ar­beits­lo­sen­quo­te, ge­rin­ger Pro­duk­ti­vi­tät und ei­ner star­ken Ver­schul­dung der pri­va­ten Haus­hal­te.

"In den bei­den Ruhr­ge­biets­re­gio­nen lag die Ar­beits­lo­sen­quo­te auch 2017 noch über zehn Pro­zent", schrei­ben sie. Mit ei­ner Ver­bes­se­rung von 0,5 bis 0,6 Pro­zent­punk­ten sei die Quo­te zu­dem "we­ni­ger stark ge­sun­ken als im ge­samt­wirt­schaft­li­chen Trend". Der länd­li­che Raum ha­be da­ge­gen kaum wirt­schaft­li­che Pro­ble­me - mit Aus­nah­me der Alt­mark. Hier­bei räu­men die Au­to­ren al­ler­dings auch sta­tis­ti­sche Ef­fek­te ein, "weil zum Bei­spiel die Ar­beits­lo­sen­quo­te sinkt, wenn die Be­völ­ke­rung klei­ner wird".

Bei der in­fra­struk­tu­rel­len Ent­wick­lung wei­sen laut Stu­die so­wohl west­deut­sche als auch ost­deut­sche Re­gio­nen Pro­ble­me auf. Ganz oben steht da­bei er­neut die Re­gi­on Em­scher-Lip­pe ge­mein­sam mit Trier und der West­pfalz. Ih­nen macht vor al­lem ei­ne ho­he kom­mu­na­le Ver­schul­dung zu schaf­fen. Ist dies meist ein Pro­blem der Städ­te, schwächt auf dem Land vor al­lem der man­geln­de Breit­band­aus­bau die In­fra­struk­tur.

In­ter­es­sant: Bei der oft be­män­gel­ten Ärz­te­ver­sor­gung auf dem Land se­hen die Stu­di­en­au­to­ren nur ge­rin­gen Hand­lungs­be­darf: "Hier geht es vor al­lem dar­um, die Rah­men­be­din­gun­gen so zu set­zen, dass et­wa auch die Po­ten­zia­le der Te­le­me­di­zin ge­nutzt wer­den kön­nen."

Mit Blick auf die de­mo­gra­fi­sche Ent­wick­lung zeich­net die Un­ter­su­chung in­des ein be­kann­tes Bild: Hier sind vor al­lem länd­li­che Re­gio­nen in den ost­deut­schen Län­dern be­trof­fen, al­len vor­an An­halt-Bit­ter­feld-Wit­ten­berg so­wie die Alt­mark. Ho­her Ein­woh­ner­rück­gang und ein ho­hes Durch­schnitts­al­ter prä­gen die­se Ge­gen­den. Zu­dem sei ein ein­deu­ti­ges Stadt-Land-Ge­fäl­le fest­zu­stel­len.

Al­ler­dings ha­be sich der Trend be­zo­gen auf al­le neu­en Bun­des­län­der jüngst um­ge­kehrt. Mehr Men­schen keh­ren zu­rück an­statt weg­zu­zie­hen - vor al­lem Rent­ner, aber auch jun­ge Fa­mi­li­en, sag­te Co-Au­tor Jens Sü­de­kum. "Die Ab­wan­de­rung aus Ost­deutsch­land ist ge­stoppt." Grund sei­en et­wa die an­ge­spann­te Wohn­si­tua­ti­on in den Groß­städ­ten oder die bes­se­re Ver­sor­gung mit Ki­ta-Plät­zen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 27. November 2019

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