HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 20/039

Stu­di­en­gang Heb­am­men­kun­de?

Wer Heb­am­me wer­den will, soll künf­tig stu­die­ren. Doch bis­lang geht das in NRW nur an ei­ner ein­zi­gen Hoch­schu­le
Hebamme, Geburtshelferin, Hebammenmangel

25.02.2020. (dpa/fle) - Der Auf­bau von Stu­di­en­mög­lich­kei­ten für an­ge­hen­de Heb­am­men in Nord­rhein-West­fa­len läuft aus Sicht des Be­rufs­ver­ban­des viel zu schlep­pend.

"Das Land hat doch ei­gent­lich längst er­kannt, dass wir ei­nen Ver­sor­gungs­eng­pass in der Ge­burts­hil­fe ha­ben", sag­te die Vor­sit­zen­de des NRW-Lan­des­ver­ban­des der Heb­am­men, Bar­ba­ra Blom­ei­er.

Den­noch sei der recht­zei­ti­ge Auf­bau von Stu­di­en­gän­gen viel zu lan­ge ver­schla­fen wor­den.

Bis­lang gibt es in NRW nur an der Hoch­schu­le für Ge­sund­heit in Bo­chum die Mög­lich­keit, ei­nen be­rufs­qua­li­fi­zie­ren­den Ba­che­lor in Heb­am­men­kun­de zu er­wer­ben. Wei­te­re Hoch­schu­len in fünf Städ­ten hät­ten ihr In­ter­es­se an der Ein­rich­tung ei­nes sol­chen Stu­di­en­gangs be­kun­det, teil­te das NRW-Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um auf An­fra­ge der Deut­schen Pres­se-Agen­tur mit. Es han­de­le sich um Hoch­schu­len in Aa­chen, Kre­feld, Bonn, Köln und Bie­le­feld, die über­wie­gend ei­nen Stu­di­en­start in den nächs­ten zwei Jah­ren an­streb­ten. In Düs­sel­dorf ste­he ein Stu­di­en­gang in den Start­lö­chern.

Be­reits im Herbst 2019 war ei­ne Re­form der Aus­bil­dung bun­des­weit be­schlos­sen wor­den. Wie eu­ro­pa­weit be­reits längst üb­lich, sol­len Heb­am­men nicht mehr an Heb­am­men­schu­len, son­dern mög­lichst an Hoch­schu­len aus­ge­bil­det wer­den. Das Stu­di­um mit ho­hem Pra­xi­s­an­teil wird mit ei­ner staat­li­chen Prü­fung und ei­nem Ba­che­lor ab­ge­schlos­sen. Wäh­rend des Stu­di­ums sol­len die an­ge­hen­den Heb­am­men be­zahlt wer­den. Die Pra­xis­tei­le ab­sol­vie­ren sie in ei­nem Kran­ken­haus oder bei ei­ner frei­be­ruf­li­chen Heb­am­me. Durch die Re­form sol­len die Ge­burts­hel­fe­rin­nen fit ge­macht wer­den für im­mer schwie­ri­ge­re An­for­de­run­gen in ih­rem Be­ruf. Gleich­zei­tig sol­len die For­schung in dem Be­reich vor­an­ge­trie­ben und ein Ein­stieg at­trak­ti­ver wer­den.

Man set­ze sich da­für ein, ei­ne flä­chen­de­cken­de und re­gio­nal aus­ge­wo­ge­ne Ver­sor­gung zu ge­währ­leis­ten, er­klär­te das Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um. Ge­nau die sieht der Lan­des­ver­band der Heb­am­men in Ge­fahr, wenn das Land den Hoch­schu­len nicht durch kla­re Si­gna­le mehr Pla­nungs­si­cher­heit ge­be - et­wa durch An­ga­ben zur Stu­di­en­platz­grö­ße oder Fi­nan­zie­rung.

"Jetzt ha­ben wir so ziem­li­chen Wild­wuchs", kri­ti­sier­te Blom­ei­er. Im süd­li­chen Rhein­land oder Ost­west­fa­len kon­kur­rier­ten po­ten­zi­el­le Hoch­schul­stand­or­te der­zeit um die not­wen­di­gen Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner wie Kli­ni­ken oder Ge­burts­häu­ser. An­ders­wo, wie et­wa im Müns­ter­land ge­be es gar kei­ne kon­kre­ten Über­le­gun­gen.

Wäh­rend die Zahl der an­ge­bo­te­nen Stu­di­en­plät­ze nur schlep­pend wach­se, zie­hen sich ers­te Heb­am­men­schu­len al­ten Typs nach Blom­ei­ers An­ga­ben be­reits zu­rück. "Da­mit wächst die Lü­cke wei­ter. Wenn Stu­die­ren­de in an­de­ren Bun­des­län­dern aus­ge­bil­det wer­den, sind sie spä­ter häu­fig auch dort tä­tig", sag­te Blom­ei­er. Auch das qua­li­fi­zier­te Lehr­per­so­nal wan­de­re zu­neh­mend in an­de­re Bun­des­län­der ab, wo die Aus­bil­dungs­re­form wei­ter fort­ge­schrit­ten sei. "Die kom­men dann nicht wie­der, wenn sie ein­mal wo­an­ders Fuß ge­fasst ha­ben."

Be­ste­hen­de Stu­di­en­plät­ze sind be­gehrt, die Hoch­schu­le für Ge­sund­heit in Bo­chum er­probt den Mo­dell­stu­di­en­gang seit 2010 er­folg­reich. Zum Win­ter­se­mes­ter sol­len 80 statt der ak­tu­ell 57 Plät­ze pro Jahr an­ge­bo­ten wer­den. An der Düs­sel­dor­fer Flied­ner Fach­hoch­schu­le soll ein Stu­di­en­gang zum nächs­ten Win­ter­se­mes­ter kom­men. Ei­ne Spre­che­rin er­klär­te, es ge­be ei­ne "enor­me Nach­fra­ge" nach den 35 Plät­zen. Auch an der Hoch­schu­le für Ge­sund­heit gibt es re­gel­mä­ßig mehr Be­wer­ber als Plät­ze: Wer sich hier zur Heb­am­me aus­bil­den las­sen will, muss ei­nen Nu­me­rus clau­sus von 2,3 ha­ben - oder min­des­tens drei War­te­se­mes­ter Ge­duld.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 25. Februar 2020

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Für Personaler, betriebliche Arbeitnehmervertretungen und andere Arbeitsrechtsprofis: "Update Arbeitsrecht" bringt Sie regelmäßig auf den neusten Stand der arbeitsgerichtlichen Rechtsprechung. Informationen zu den Abo-Bedingungen und ein kostenloses Ansichtsexemplar finden Sie hier:

Alle vierzehn Tage alles Wichtige
verständlich / aktuell / praxisnah

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2020:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de