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Süd­west­deut­sche Kran­ken­häu­ser be­fürch­ten Ver­lus­te durch die Pfle­ge­re­form

Ba­den-Würt­tem­ber­gi­sche Kran­ken­haus­ge­sell­schaft (BWKG) kri­ti­siert ge­plan­te Ab­schaf­fung des Pfle­ge­zu­schlags
Physiotherapie, Reha-Klinik

02.10.2018. (dpa/hma) - Mit der Pfle­ge­re­form von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn soll vie­les bes­ser wer­den. Doch die Kran­ken­häu­ser im Süd­wes­ten be­fürch­ten mit der Ge­set­zes­no­vel­le erst ein­mal fi­nan­zi­el­le Ver­lus­te.

So sag­te der Vor­sit­zen­de der Ba­den-Würt­tem­ber­gi­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft (BWKG), Det­lef Pie­pen­burg, am Don­ners­tag in Stutt­gart, dass der Ge­setz­ent­wurf ei­ner­seits 40 Mil­lio­nen Eu­ro zu­sätz­lich im Jahr für Pfle­ge­fach­kräf­te in den Kran­ken­häu­sern vor­se­he, dass aber an­de­rer­seits der so­ge­nann­te Pfle­ge­zu­schlag ge­stri­chen wer­den soll. Die­ser Zu­schlag macht aber im Süd­wes­ten mehr als 60 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr aus, so Pie­pen­burg.

Un­term Strich fehl­ten den Kran­ken­häu­sern dann rund 20 Mil­lio­nen Eu­ro bei ei­nem Ge­samt­bud­get von rund 9 Mil­li­ar­den Eu­ro. Zu­dem blei­be der Fach­kräf­te­man­gel in der Pfle­ge ein Pro­blem.

Nach den Wor­ten von BWKG-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Mat­thi­as Ein­wag wä­re der Ver­lust gra­vie­rend, weil Ba­den-Würt­tem­berg im bun­des­wei­ten Ver­gleich oh­ne­hin schon den höchs­ten An­teil an de­fi­zi­tä­ren Kran­ken­häu­sern ha­be. Im Jahr 2016 be­trug die­ser An­teil 38,5 Pro­zent, so Ein­wag. Auf dem zwei­ten Platz lag Hes­sen mit ei­nem An­teil von 23,6 Pro­zent und auf den drit­ten Platz kam Bay­ern mit 16,5 Pro­zent.

Als Grund für die de­fi­zi­tä­ren Haus­hal­te vie­ler Kran­ken­häu­ser führ­te Ein­wag die ho­hen Lohn­kos­ten im Süd­wes­ten an. Der Wett­be­werb um Pfle­ge­fach­kräf­te wird Ein­wag zu­fol­ge durch die Nä­he zur Schweiz noch ver­schärft. Denn die Eid­ge­nos­sen lock­ten mit hö­he­ren Löh­nen Fach­kräf­te aus Deutsch­land. Laut BWKG ar­bei­ten rund 35.000 Men­schen im Süd­wes­ten in der Pfle­ge in Kran­ken­häu­sern. Rund 1.200 Stel­len sind un­be­setzt.

Lan­des­so­zi­al­mi­nis­ter Man­ne Lu­cha (Grü­ne) sag­te, an­ge­sichts des ho­hen Lohn­ni­veaus im Süd­wes­ten wer­de wohl kaum ein Land so stark von der Fi­nan­zie­rung der tat­säch­li­chen Pfle­ge­per­so­nal­kos­ten pro­fi­tie­ren wie Ba­den-Würt­tem­berg. Zu­gleich hält auch er ei­ne Ab­schaf­fung des Pfle­ge­zu­schlags für pro­ble­ma­tisch.

"Den Häu­sern das Geld, das man ih­nen mit der ei­nen Hand zu­sätz­lich für die Pfle­ge­fi­nan­zie­rung gibt, mit der an­de­ren Hand wie­der zu neh­men, ist nicht son­der­lich ziel­füh­rend, wenn man die Pfle­ge stär­ken will." Ba­den-Würt­tem­berg un­ter­stüt­ze die For­de­rung, den Pfle­ge­zu­schlag nicht zu strei­chen.

In der BWKG sind 460 Trä­ger mit 204 Kran­ken­häu­sern, 129 Vor­sor­ge- und Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tun­gen und 617 Pfle­ge­ein­rich­tun­gen zu­sam­men­ge­schlos­sen. Die schwarz-ro­te Bun­des­re­gie­rung hat An­fang Au­gust ein Mil­li­ar­den­pro­gramm ge­gen den Pfle­ge­not­stand auf den Weg ge­bracht, das der­zeit po­li­tisch be­ra­ten wird. Die BWKG hofft auf Nach­bes­se­run­gen zu­guns­ten der Kran­ken­häu­ser im Süd­wes­ten.

"Mit we­ni­ger Geld und we­ni­ger Fle­xi­bi­li­tät lässt sich kei­ne bes­se­re Pa­ti­en­ten­ver­sor­gung er­rei­chen", so BWKG-Vor­sit­zen­der Pie­pen­burg. Er for­dert, bei der Ge­set­zes­no­vel­le auch die ho­hen Lohn­kos­ten für Pfle­ge­per­so­nal in Ba­den-Würt­tem­berg zu be­rück­sich­ti­gen. "Nur wenn die Kran­ken­häu­ser ih­ren Mit­ar­bei­tern markt­ge­rech­te Ge­häl­ter be­zah­len kön­nen, wer­den die Fach­kräf­te nicht ins Aus­land oder in an­de­re Bran­chen ab­wan­dern." Nach Be­rech­nun­gen des BWKG kos­tet ei­ne Pfle­ge­fach­kraft im Land im Jahr 59.855 EUR. Das sind 5,9 Pro­zent mehr als im Bun­des­durch­schnitt mit 56.509 EUR.

BWKG-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Ein­wag ver­wies dar­auf, dass rund 76 Pro­zent der Kli­ni­ken im Süd­wes­ten in ei­ner Um­fra­ge vom Früh­jahr an­ge­ge­ben hät­ten, Pro­ble­me bei der Be­set­zung von Pfle­ge­stel­len zu ha­ben. Das sei der höchs­te Wert seit dem Start sol­cher Um­fra­gen im Jahr 2011.

FDP-Ge­sund­heits­ex­per­te Jo­chen Hauß­mann sag­te: "Es muss end­lich Schluss da­mit sein, dass Re­for­men zu Las­ten des Ge­sund­heits­stand­orts Ba­den-Würt­tem­berg ge­hen." Die Alarm­si­gna­le der BWKG müss­ten in Ber­lin ge­hört wer­den. Auch sein Kol­le­ge von der SPD, Rai­ner Hin­de­rer, ist der Mei­nung, dass "mehr Geld für die Pfle­ge im Bund in den ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Kli­ni­ken auch un­ter dem Strich an­kom­men" müs­se.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 20. November 2018

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