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ARBEITSRECHT AKTUELL // 20/037

Ta­rif­streit im Bus­ge­wer­be spitzt sich zu

Ver­di er­höht im Ta­rif­streit des pri­va­ten Bus­ge­wer­bes den Ver­hand­lungs­druck, in­dem es den Ar­beit­ge­bern ein Ul­ti­ma­tum stellt
Bus Cockpit, Busfahrer, Unternehmen finden keine Busfahrer, Fachkräftemangel

21.02.2020. (dpa/fle) - Seit fast ei­nem Jahr strei­ten sich Ge­werk­schaft und Ar­beit­ge­ber im pri­va­ten Bus­ge­wer­be von Rhein­land-Pfalz um ei­nen Ta­rif­ver­trag für die rund 9.000 Be­schäf­tig­ten.

In Hes­sen wur­de im De­zem­ber ei­ne Ei­ni­gung er­zielt.

Ein An­ge­bot in ver­gleich­ba­rer Hö­he for­dert die Ge­werk­schaft jetzt auch für Rhein­land-Pfalz und stellt den Ar­beit­ge­bern da­für ein Ul­ti­ma­tum bis 1. März. Die Ver­ei­ni­gung der Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de Ver­kehrs­ge­wer­be (VAV) Rhein­land-Pfalz war zu­nächst nicht für ei­ne Stel­lung­nah­me er­reich­bar.

Wenn es bis zum 1. März kein an­nehm­ba­res An­ge­bot ge­be, wer­de ei­ne Ur­ab­stim­mung für ei­nen lan­des­wei­ten un­be­fris­te­ten Streik or­ga­ni­siert, sag­te Ver­di-Se­kre­tär Mar­ko Bär­schnei­der am Frei­tag in Mainz. Auf dem Ni­veau des hes­si­schen Ab­schlus­ses be­deu­te dies ei­ne Er­hö­hung des St­un­den­lohns von der­zeit 13,23 EUR auf 15,60 EUR und ein 13. Mo­nats­ge­halt. Als Kern­for­de­rung nann­te Ver­di aber ei­ne Be­zah­lung auch für Pau­sen zwi­schen ein­zel­nen Diens­ten.

Bus­fah­rer sei­en teil­wei­se 12 bis 13 St­un­den am Tag un­ter­wegs, er­hiel­ten aber für die Un­ter­bre­chung zwi­schen den Diens­ten kei­ne Ver­gü­tung. "Das ist aus un­se­rer Sicht Dieb­stahl, das ist ein Griff ins Porte­mon­naie der Be­schäf­tig­ten", sag­te Bär­schnei­der.

"Es wird nur be­zahlt, wenn der Bus rollt", sag­te Ge­org Vas­si­lia­dis, der als Bus­fah­rer bei der DB Re­gio Bus in Spey­er ar­bei­tet. Die nicht be­zahl­ten Un­ter­bre­chun­gen der Diens­te an ei­nem Ar­beits­tag mach­ten bei ihm et­wa 270 EUR im Mo­nat aus, um die er be­tro­gen wer­de.

Soll­te es kein An­ge­bot der Ar­beit­ge­ber ge­ben, wer­de es An­fang März zu Streik­ak­tio­nen und der Ein­lei­tung ei­ner Ur­ab­stim­mung kom­men, sag­te Bär­schnei­der. Die Be­völ­ke­rung wer­de zu­vor recht­zei­tig in­for­miert.

Als Kern des Kon­flikts nann­te der Ver­di-Lan­des­fach­be­reichs­lei­ter Ver­kehr, Jür­gen Jung, die fi­nan­zi­el­le Schief­la­ge der Kom­mu­nen. Dies füh­re da­zu, dass sich Bus­un­ter­neh­men bei Aus­schrei­bun­gen un­ter­bie­ten müss­ten. Wenn Ver­trä­ge mit Kom­mu­nen über zehn Jah­re ab­ge­schlos­sen wür­den, ge­be es kei­ne Chan­ce auf ei­ne Ta­rif­er­hö­hung. "Am En­de zah­len die Be­schäf­tig­ten die Ze­che, das kann nicht sein." Jung mahn­te, dass Bus­fah­rer et­wa bei der Be­för­de­rung von Schul­kin­dern ei­ne ho­he Ver­ant­wor­tung trü­gen.

Im Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um in Mainz soll es am 12. März ei­nen Run­den Tisch mit al­len Ak­teu­ren ge­ben, Ge­werk­schaf­ten, Un­ter­neh­men und Ver­kehrs­ver­bün­den. The­ma ist auch die Ein­füh­rung ei­nes so­ge­nann­ten ÖPNV-In­de­xes, von lau­fen­den Zu­schüs­sen des Lan­des zu Ta­rif­er­hö­hun­gen für Bus­fah­rer. Öf­fent­li­cher Bus­ver­kehr müs­se als Teil der Da­seins­vor­sor­ge und da­mit als öf­fent­li­che Auf­ga­be be­grif­fen wer­den, er­klär­te Ver­di. Die For­de­rung nach ei­nem ÖPNV-In­dex un­ter­stützt auch die Ver­ei­ni­gung der Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de Ver­kehrs­ge­wer­be (VAV) Rhein­land-Pfalz.

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Letzte Überarbeitung: 21. Februar 2020

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