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Ta­rif­streit um die Be­zah­lung des Si­cher­heits­per­so­nals an Flug­hä­fen

Ge­werk­schaf­ten for­dern kräf­ti­ge Lohn­er­hö­hun­gen von 17 bis 77 Pro­zent für die Luft­si­cher­heits­as­sis­ten­ten, die an den Si­cher­heits­schleu­sen der Flug­hä­fen ar­bei­ten
Sicherheitskontrolle am Flughafen

04.12.2018. (dpa/fle) - 20 EUR St­un­den­grund­lohn für al­le: Die Ge­werk­schaft Ver­di hat ei­ne grif­fi­ge For­mel für den Ta­rif­kon­flikt ge­fun­den, der in den kom­men­den Wo­chen für Pro­ble­me im deut­schen Luft­ver­kehr sor­gen könn­te.

Es geht um rund 23.000 Be­schäf­tig­te, die Pas­sa­gie­re, Per­so­nal und Fracht an den Zu­gän­gen zum Si­cher­heits­be­reich kon­trol­lie­ren und un­ter­stüt­zen.

Vor al­lem die rund 19.000 Luft­si­cher­heits­as­sis­ten­ten sind we­gen ih­rer Streik­macht ge­fürch­tet und ha­ben be­reits in den ver­gan­ge­nen Jah­ren kräf­ti­ge Ge­halts­zu­wäch­se durch­ge­setzt. Für den rei­bungs­lo­sen Flug­be­trieb sind sie ge­nau­so un­ver­zicht­bar wie Pi­lo­ten, Flug­be­glei­ter oder Lot­sen.

Die Ver­hand­lun­gen, die am 05.12.2018 in die drit­te Run­de ge­hen, sind kom­pli­ziert. Dem neu ge­grün­de­ten Bun­des­ver­band der Luft­si­cher­heits­un­ter­neh­men (BDLS) sit­zen in ge­trenn­ten Ver­hand­lun­gen die Ge­werk­schaf­ten Ver­di und Deut­scher Be­am­ten­bund (DBB)/Kom­ba ge­gen­über, die durch­aus un­ter­schied­li­che Vor­stel­lun­gen ha­ben. Zu­dem wol­len al­le drei Part­ner bun­des­wei­te Re­ge­lun­gen fin­den, wäh­rend es ak­tu­ell noch 14 re­gio­na­le Ta­rif­wer­ke mit höchst un­ter­schied­li­chen Lohn­hö­hen gibt. Zah­len muss in al­len Fäl­len der Pas­sa­gier, weil die Kos­ten für die Kon­trol­len über Ge­büh­ren auf den Ti­cket­preis ge­schla­gen wer­den.

"Die Leu­te müs­sen für ih­ren an­spruchs­vol­len und wich­ti­gen Job ein­fach gut be­zahlt wer­den. Und sie brau­chen auch Per­spek­ti­ven", sagt DBB-Ver­hand­lungs­füh­rer Vol­ker Gey­er. Sei­ne Ge­werk­schaft ver­langt zu­sätz­li­che Ta­rif­grup­pen für Grup­pen­lei­ter oder Aus­bil­der. "Die Ar­beit­ge­ber lö­sen das bis­lang viel lie­ber mit Zu­la­gen. Das wol­len wir än­dern."

Die Be­schäf­tig­ten, für die Ver­di 20 EUR und DBB/Kom­ba 19,50 EUR ein­heit­li­chen St­un­den­lohn for­dern, ver­die­nen der­zeit in ei­ner Span­ne zwi­schen 11,30 EUR (Ge­päck- und Per­so­nal­kon­trol­leu­re in Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Sach­sen, Thü­rin­gen und Sach­sen-An­halt) und 17,16 EUR (Pas­sa­gier­kon­trol­leu­re in Ba­den-Würt­tem­berg). Die Ver­di-For­de­run­gen be­lau­fen sich da­mit auf sport­li­che Stei­ge­run­gen zwi­schen 77 und 17 Pro­zent zu­züg­lich hö­he­rer Zu­la­gen. Im Som­mer wur­den Aus­hil­fen aber auch schon mit St­un­den­löh­nen von bis zu 19,50 EUR ge­kö­dert, so dass die ge­for­der­te Mar­ke doch nicht so weit weg scheint.

Bri­sanz ge­winnt der Kon­flikt, weil die Ge­werk­schaf­ten glei­che Be­zah­lung für Pas­sa­gier­kon­trol­leu­re und die bis­lang ge­rin­ger be­zahl­ten As­sis­ten­ten für Fracht und Per­so­nal ver­lan­gen. Die bei­den Grup­pen wer­den nach dem Luft­si­cher­heits­ge­setz bis­lang un­ter­schied­lich aus­ge­bil­det. Nur die Kon­trol­leu­re mit Pas­sa­gier­kon­takt wer­den für ih­re Tä­tig­keit von der Bun­des­po­li­zei mit ho­heit­li­chen Rech­ten "be­lie­hen".

Die an­de­ren dür­fen selbst bei über­vol­len Ter­mi­nals und lan­gen War­te­schlan­gen nicht aus­hel­fen, was auch den Ar­beit­ge­bern nicht passt. Sie wür­den lie­ber das Per­so­nal ein­heit­lich aus­bil­den, um es zwi­schen den un­ter­schied­li­chen Kon­troll­punk­ten frei aus­tau­schen zu kön­nen. "Uns schwebt da­bei der Sta­tus ei­ner IHK-ge­prüf­ten Fach­kraft vor", sagt BDLS-Spre­che­rin Sil­ke Woll­mann. Ver­di will hin­ge­gen ei­nen neu­en Aus­bil­dungs­be­ruf de­fi­nie­ren, was aber Jah­re dau­ern dürf­te. Selbst für ei­ne Re­form der Schu­lun­gen be­darf es wohl Än­de­run­gen im Luft­si­cher­heits­ge­setz.

Die Ar­beit­ge­ber ha­ben ei­nen An­pas­sungs­zeit­plan vor­ge­schla­gen, der in­ner­halb von sechs Jah­ren in den Be­schäf­tig­ten­grup­pen zur bun­des­wei­ten Lohn­gleich­heit füh­ren soll. Ei­ne An­glei­chung zwi­schen den ein­zel­nen Be­rufs­grup­pen wol­len sie hin­ge­gen erst an­ge­hen, wenn tat­säch­lich glei­che Qua­li­fi­ka­tio­nen vor­lie­gen.

"Sechs Jah­re? Das ist uns viel zu lang, weil die Kol­le­gen im Os­ten die glei­che Ar­beit ma­chen", sagt Ver­di-Spre­cher Gün­ter Ise­mey­er. Die DGB-Ge­werk­schaft sieht sich an den Flug­hä­fen gut auf­ge­stellt und droht be­reits mit Streiks. "Wir sind in der La­ge, an al­len Flug­hä­fen Ak­tio­nen durch­zu­füh­ren", sagt Ise­mey­er. Die Frie­dens­pflicht en­det mit dem Jah­res­wech­sel, vor­her sind be­reits klei­ne­re Ar­beits­nie­der­le­gun­gen denk­bar.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 21. Mai 2019

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