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Thü­rin­ger Schü­ler er­pro­ben sich als Un­ter­neh­mer

Schü­ler­fir­men kom­men in Thü­rin­gen gut an. Der DGB ist skep­tisch
Mobiler Hotdogverkäufer mit Fahrradverkaufsstand Pau­sen­ver­sor­gung und Ca­te­ring: In Thü­rin­gen auch durch Schü­ler­fir­men

05.10.2018 (dpa/hma) - In der Schu­le sol­len jun­ge Men­schen be­kannt­lich nicht nur für die Schu­le, son­dern auch für ihr spä­te­res Le­ben ler­nen. Auch des­halb gibt es in Thü­rin­gen Schü­ler­fir­men, die Ju­gend­li­chen ei­nen Ein­blick in die Wirt­schafts­welt bie­ten.

Vie­le Thü­rin­ger Schü­ler ler­nen nicht nur im Un­ter­richt die Wirt­schafts- und Ar­beits­welt ver­ste­hen, son­dern auch durch ei­gens ge­grün­de­te Schü­ler­fir­men. Ins­ge­samt gibt es nach An­ga­ben des Thü­rin­ger Bil­dungs­mi­nis­te­ri­ums der­zeit 86 der­ar­ti­ge Un­ter­neh­men im Frei­staat.

"Die meis­ten Schü­ler­fir­men ar­bei­ten im Be­reich Pau­sen­ver­sor­gung und Ca­te­ring", sag­te ei­ne Spre­che­rin des Mi­nis­te­ri­ums. Der­ar­ti­ge Fir­men ge­be es in Bil­dungs­ein­rich­tun­gen al­ler Schul­ar­ten in Thü­rin­gen, ver­ein­zelt selbst in Grund­schu­len. In Schü­ler­fir­men füh­ren Kin­der und Ju­gend­li­che die Ge­schi­cke ih­res Un­ter­neh­mens selbst, küm­mern sich et­wa um Ein- und Ver­kauf von Ma­te­ri­al und Pro­duk­ten.

Un­ter an­de­rem die In­dus­trie- und Han­dels­kam­mern in Thü­rin­gen hal­ten die Schü­ler­fir­men für wert­voll, um jun­gen Men­schen Zu­sam­men­hän­ge in der Wirt­schaft zu er­klä­ren. Die Ge­werk­schaf­ten hal­ten das Kon­zept da­ge­gen für ver­bes­se­rungs­wür­dig.

Be­ra­ten und be­treut wer­den die Schü­ler­fir­men im Frei­staat nach An­ga­ben der Mi­nis­te­ri­ums­spre­che­rin durch die Deut­sche Kin­der- und Ju­gend­stif­tung (DKJS), die da­zu ei­ne ei­ge­ne Ko­or­di­nie­rungs­stel­le in Je­na be­treibt. "Die­se Ko­or­di­nie­rungs­stel­le un­ter­stützt Schü­le­rin­nen und Schü­ler so­wie ih­re päd­ago­gi­schen Be­glei­te­rin­nen und Be­glei­ter bei der Grün­dung ei­ner Schü­ler­fir­ma und der kon­ti­nu­ier­li­chen Ar­beit", sag­te die Spre­che­rin.

Un­ter an­de­rem wür­den da­bei zum Bei­spiel Mus­ter für Sat­zungs­vor­la­gen oder Vor­la­gen für die Pres­se- und Öf­fent­lich­keits­ar­beit be­reit ge­stellt so­wie die Fir­men un­ter­ein­an­der ver­netzt. Ei­nes die­ser Ver­net­zungs­tref­fen fin­det am Sonn­tag und Mon­tag in Plo­then (Land­kreis Saa­le-Or­la-Kreis) statt.

In der Ver­gan­gen­heit sei­en Be­ra­tung und Be­treu­ung der Schü­ler­fir­men durch die DKJS über ei­ne Pro­jekt­för­de­rung mit 30.000 EUR jähr­lich durch das Bil­dungs­mi­nis­te­ri­um un­ter­stützt wor­den, sag­te die Spre­che­rin des Mi­nis­te­ri­ums. Ko­fi­nan­ziert wur­de das mit eben­falls 30.000 EUR durch die Heinz-Nix­dorf-Stif­tung.

Ein Spre­cher der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Er­furt sag­te, Schü­ler­fir­men stell­ten ein her­vor­ra­gen­des In­stru­ment dar, um die Theo­rie aus dem Wirt­schafts­un­ter­richt span­nend in die Pra­xis um­zu­set­zen. Da­bei könn­ten Schü­ler un­ter an­de­rem ler­nen, wie ein Un­ter­neh­men or­ga­ni­siert wer­de, wie man Pro­duk­te be­wer­be und den Markt rich­tig ana­ly­sie­re.

Ähn­lich äu­ßer­te sich ei­ne Spre­che­rin der IHK Süd­thü­rin­gen. Sie ver­wies zu­dem dar­auf, dass es im Sü­den des Frei­staats in­zwi­schen so­ge­nann­te Ju­gend-Un­ter­neh­mens­werk­stät­ten gibt, die Schü­lern eben­falls ei­nen prak­ti­schen Ein­blick in die Wirt­schafts­welt au­ßer­halb des Un­ter­richts er­mög­li­chen sol­len. Dort ar­bei­te­ten die Schü­ler von Re­gel­schu­len und Gym­na­si­en in den Nach­mit­tags­stun­den kon­ti­nu­ier­lich an tech­ni­schen Pro­jek­ten wie et­wa der Mon­ta­ge und Pro­gram­mie­rung ei­nes klei­nen Ro­bo­ters mit.

Der Be­zirks­ju­gend­se­kre­tär des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des im Be­zirk Hes­sen-Thü­rin­gen, Gre­gor Gall­ner, sag­te, auch aus sei­ner Sicht könn­ten Schü­ler­fir­men sinn­voll und ge­winn­brin­gend sein, wenn sie in ein um­fas­sen­des, so­zio­öko­no­mi­sches Kon­zept der Ar­beits­welt- und Be­rufs­ori­en­tie­rung in­te­griert sei­en. Al­ler­dings se­he man Schü­ler­fir­men dann kri­tisch, wenn sie ein­sei­tig auf die In­ter­es­sen der Wirt­schaft zu­ge­schnit­ten sei­en.

Ge­nau das aber sei den Thü­rin­ger Schü­ler­fir­men über­wie­gend der Fall, er­klär­te Gall­ner. Die meis­ten Kon­zep­te für Schü­ler­fir­men kä­men von Un­ter­neh­men und es ge­he dort vor al­lem un­ter­neh­me­ri­sche und be­triebs­wirt­schaft­li­che Per­spek­ti­ven. "Die In­ter­es­sen und Per­spek­ti­ven der Ar­beit­neh­mer kom­men aus Sicht der Ge­werk­schaf­ten zu kurz oder sind gar nicht vor­han­den." In Thü­rin­gen ken­ne er kei­ne Schü­ler­fir­ma, bei der die Ge­werk­schaf­ten ein­ge­bun­den wor­den sei­en.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 15. Oktober 2018

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