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ARBEITSRECHT AKTUELL // 20/019

Un­be­fris­te­te Streiks bei Ame­os

Seit Mo­na­ten bro­delt ein Kon­flikt um die Ar­beits­be­din­gun­gen bei Ame­os. Jetzt dro­hen die Be­schäf­tig­ten mit un­be­fris­te­ten Streiks
erschöpfter Krankenpfleger, Krankenschwester, Pflegekräfte, Personalnot in Krankenhäusern

27.01.2020. (dpa/fle) - Im Streit um die Ar­beits­be­din­gun­gen und ei­nen Ta­rif­ver­trag bei den Ame­os-Kli­ni­ken in Sach­sen-An­halt ha­ben die Be­schäf­tig­ten ih­re un­be­fris­te­ten Streiks be­gon­nen.

Zum Auf­takt leg­ten bis Mon­tag­mit­tag fast 600 Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen aus Ärz­te­schaft und Pfle­ge­be­reich ih­re Ar­beit nie­der, wie Ver­di-Spre­cher Bernd Be­cker sag­te.

Be­trof­fen sind die Stand­or­te Aschers­le­ben-Staß­furt, Bern­burg und Schö­ne­beck (al­le Salz­land­kreis) so­wie Hal­dens­le­ben in der Bör­de.

Zu­dem ha­be der Aus­stand gleich zu Be­ginn Aus­wir­kun­gen ge­habt, hieß es von Ver­di. So gab es et­wa in Aschers­le­ben zu­nächst kei­ne ge­plan­ten Ope­ra­tio­nen. Der Not­fall­be­trieb sei aber ab­ge­si­chert, ver­si­cher­te Be­cker. Auch Ame­os hat­te im Vor­feld die me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung an den be­trof­fe­nen Stand­or­ten zu­ge­si­chert.

Der Kon­zern ging zum Streik­be­ginn selbst in die Of­fen­si­ve. So ver­kün­de­te Ame­os am Mon­tag, dass der Re­gio­nal­ge­schäfts­füh­rer aus­ge­tauscht wird und wi­der­sprach der Kri­tik der ver­gan­ge­nen Wo­chen. Der bis­he­ri­ge Re­gio­nal­ge­schäfts­füh­rer Ost, Lars Timm, wur­de frei­ge­stellt. Für ihn über­nimmt der Chef für den Ame­os-Be­reich Nord, Frank-Ul­rich Wie­ner. Die von Timm an­ge­sto­ße­nen Dis­kus­sio­nen zu mög­li­chen Kran­ken­haus-Schlie­ßun­gen ent­sprä­chen we­der den Zie­len von Ame­os noch der Un­ter­neh­mens­phi­lo­so­phie, hieß es.

"Ame­os hat in sei­ner Ge­schich­te noch nie ein Kli­ni­kum ge­schlos­sen oder ver­äu­ßert", er­klär­te das Un­ter­neh­men. Vier der sie­ben Stand­or­te sei­en bei der Über­nah­me durch Ame­os vor acht Jah­ren der größ­te Sa­nie­rungs­fall in der Ge­schich­te der Bun­des­re­pu­blik ge­we­sen. Der jähr­li­che Ver­lust ha­be mehr als 50 Mil­lio­nen EUR be­tra­gen. "Die von der kom­mu­na­len Ver­wal­tung ge­erb­ten Ver­lus­te konn­ten zwar be­reits re­du­ziert wer­den, den­noch ist rich­tig, dass vie­le Kli­ni­ka noch nicht kos­ten­de­ckend ar­bei­ten."

An den Kran­ken­häu­sern schwelt seit Mo­na­ten ein Kon­flikt zwi­schen Ame­os und den An­ge­stell­ten. Die Ge­werk­schaf­ten for­dern ei­nen Ta­rif­ver­trag. Ame­os lehnt das bis­her ab und sieht in Ta­rif­löh­nen ei­ne Ge­fahr für den Fort­be­stand der Kran­ken­häu­ser. Der neue Re­gio­nal­chef woll­te sich in den nächs­ten Ta­gen bei Ame­os vor­stel­len und ers­te Ge­sprä­che füh­ren. Was der Wech­sel an der Spit­ze für den Ta­rif­kon­flikt be­deu­tet, ist of­fen. Ver­di stell­te sich nach ei­ge­nen An­ga­ben auf bis zu 15 Wo­chen Ar­beits­kampf ein. Auch bei der Ärz­te­schaft sei die Streik­be­reit­schaft hoch, hieß es vom Mar­bur­ger Bund.

Die Ge­scheh­nis­se bei Ame­os so­wie die In­sol­venz des kom­mu­na­len Bur­gen­land­kli­ni­kums im Sü­den Sach­sen-An­halts sorg­ten zu­letzt für ei­ne De­bat­te über die Kran­ken­haus­land­schaft. Ame­os ern­te­te da­bei auch von Lan­des­po­li­ti­kern viel Kri­tik. Die mit CDU und Grü­nen re­gie­ren­de SPD be­schloss auf ei­nem Par­tei­tag ge­ra­de ein Nein zu wei­te­ren Pri­va­ti­sie­run­gen und sprach sich da­für aus, im Zwei­fel Kran­ken­häu­ser zu ver­staat­li­chen, um die me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung zu ga­ran­tie­ren.

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Letzte Überarbeitung: 3. Februar 2020

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