HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 18/279

Ver­di droht mit Streiks bei Eu­ro­wings

Seit Mo­na­ten strei­ten Ver­di und Eu­ro­wings um Ar­beits­zei­ten von Flug­be­glei­tern. Jetzt dro­hen Ar­beits­kämp­fe
Stewardess im Flugzeug, Flugbegleiterin

16.11.2018. (dpa/fle) - Kun­den des Luft­han­sa-Kon­zerns dro­hen die ers­ten Streiks seit Früh­jahr ver­gan­ge­nen Jah­res.

Im Ta­rif­kon­flikt um die rund 1.000 Flug­be­glei­ter bei der Luft­han­sa-Bil­lig­toch­ter Eu­ro­wings sind die Fron­ten so ver­här­tet, dass die Ge­werk­schaft Ver­di Ver­hand­lun­gen ab­sag­te und sich für Streiks rüs­tet.

An­ge­sichts mo­na­te­lan­ger er­geb­nis­lo­ser Ge­sprä­che "be­rei­te man sich nun auf Ar­beits­kampf­maß­nah­men vor", teil­ten Ver­di mit. Ein Da­tum wur­de nicht ge­nannt. Über Aus­stän­de muss Ver­di aber erst ab­stim­men.

"Es gibt kei­nen Grund für den Auf­schub von Streiks", sag­te Ver­hand­lungs­füh­rer Vol­ker Nüs­se. "Sie sind theo­re­tisch je­der­zeit denk­bar." Pas­sa­gie­re wür­den aber mit aus­rei­chend Vor­lauf in­for­miert.

Die Ver­hand­lun­gen zwi­schen der Ge­werk­schaft und Eu­ro­wings ge­rie­ten im­mer wie­der ins Sto­cken, auch die 13. Run­de brach­te kei­nen Durch­bruch. Zum nächs­ten Ter­min An­fang De­zem­ber will Ver­di nun erst gar nicht an­tre­ten, da kein Ent­ge­gen­kom­men ab­seh­bar sei. Die Air­line ha­be zwar bei Ge­häl­tern und Be­triebs­ren­ten Ver­bes­se­run­gen vor­ge­schla­gen, wol­le aber Ar­beits­zei­ten ver­schlech­tern. "Da­mit pro­vo­ziert die Eu­ro­wings Streiks", kri­ti­sier­te Nüs­se.

Ver­di for­dert ver­läss­li­che Dienst­plä­ne, Ar­beits- und Be­reit­schafts­zei­ten, aber auch ei­nen schlag­kräf­ti­gen Be­triebs­rat. Eu­ro­wings leh­ne dies ab und än­de­re Ar­beits­zei­ten oh­ne ta­rif­li­che Grund­la­ge, klagt die Ge­werk­schaft. So ge­be es bis zu 18 St­un­den lan­ge Diens­te, was Ta­rif­ver­trä­gen wi­der­spre­che. "Die Si­tua­ti­on ist für die Be­schäf­tig­ten nicht mehr län­ger trag­bar", er­klär­te die Ge­werk­schaft.

Eu­ro­wings re­agier­te auf die Streik-An­kün­di­gung mit Un­ver­ständ­nis. Es sei nicht nach­voll­zieh­bar, war­um Ver­di das An­ge­bot nach "sehr kon­struk­ti­ven Ge­sprä­chen ur­plötz­lich ab­lehnt sich vom Ver­hand­lungs­tisch ent­fernt", hieß es in ei­ner Stel­lung­nah­me. Die Air­line warf der Ge­werk­schaft vor, aus ei­ge­nen Macht­mo­ti­ven ei­ne Droh­ku­lis­se auf­zu­bau­en. "Ver­di es­ka­liert oh­ne Not, weil sie sich in ei­nem Wett­be­werb mit an­de­ren Ge­werk­schaf­ten für das Ka­bi­nen­per­so­nal be­fin­det." Man sei un­ver­än­dert ge­sprächs­be­reit.

In den Ver­hand­lun­gen geht es auch um Be­schäf­tig­te, die von der in­sol­ven­ten Air Ber­lin zur Eu­ro­wings ka­men. Luft­han­sa hat­te nach der Plei­te im Som­mer 2017 Tei­le von Air Ber­lin über­nom­men und Be­schäf­tig­te bei Eu­ro­wings ein­ge­glie­dert. Über die Ver­gü­tun­gen der Flug­be­glei­ter ha­ben sich Ver­di und die Kon­zern­toch­ter ge­ei­nigt.

Eu­ro­wings fliegt von Air­ports wie Düs­sel­dorf, Leip­zig, Ber­lin-Te­gel und Mün­chen zahl­rei­che Zie­le in Deutsch­land und be­lieb­te Ur­laubs­or­te im Mit­tel­meer­raum an, ist aber auch ins Ge­schäft mit der Lang­stre­cke et­wa in die Ka­ri­bik ein­ge­stie­gen. Die Ge­häl­ter und sons­ti­gen Be­din­gun­gen für Be­schäf­tig­te lie­gen aber un­ter je­nen im Luft­han­sa-Kon­zern­ta­rif­ver­trag. Bei der Über­nah­me ehe­ma­li­ger Air-Ber­li­ner gab es dar­über schon Streit.

Der letz­te gro­ße Ar­beits­kampf der Pi­lo­ten­ge­werk­schaft VC hat­te Luft­han­sa 14 Aus­stän­de in Se­rie ein­ge­brockt, ins­ge­samt wa­ren über ei­ne Mil­li­on Kun­den von Flug­aus­fäl­len be­trof­fen. Luft­han­sa ent­stand ein Scha­den von mehr als 500 Mil­lio­nen Eu­ro. Im März 2017 leg­ten die Pi­lo­ten und Luft­han­sa den Kon­flikt nach lan­gem Rin­gen bei.

Bei neu­er­li­chen Streiks von Ver­di wä­ren die Fol­gen für Luft­han­sa im Ernst­fall wohl weit ge­rin­ger, da es sich le­dig­lich um ei­ne Luft­han­sa-Toch­ter mit we­ni­ger Flü­gen han­delt. Streiks in der Weih­nachts­zeit könn­ten aber Kun­den emp­find­lich tref­fen und Rei­se­plä­ne durch­ein­an­der­wir­beln.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 17. November 2018

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email* Nachname
  Abmelden   *Pflichtangabe

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2018:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de