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Ver­di kün­digt Streiks bei Ama­zon zur Weih­nachts­zeit an

Die Macht der Ama­zon-Mit­ar­bei­ter wird beim Weih­nachts­ge­schäft be­son­ders deut­lich. Trotz Streik­dro­hun­gen will Ama­zon al­le Weih­nachts­lie­fe­run­gen pünkt­lich aus­lie­fern
Versandhandel, Paketlager, Mitarbeiter am Fließband, Amazon

06.12.2018. (dpa/fle) - Wenn es auf die Weih­nachts­zeit zu­geht, ruft die Ge­werk­schaft Ver­di re­gel­mä­ßig zum Ar­beits­aus­stand beim Ver­sand­händ­ler Ama­zon auf. Die­se Pro­ze­dur wie­der­holt sich seit Jah­ren.

Be­gon­nen hat das Kräf­te­mes­sen zwi­schen der Ge­werk­schaft und dem Bran­chen-Rie­sen be­reits im Mai 2013 mit ers­ten Streiks.

Und nun, in der hei­ßen Pha­se des Weih­nachts­ge­schäfts, kün­digt Ver­di er­neut Ak­tio­nen an, um ei­ne Ta­rif­bin­dung zu er­zie­len: "Ama­zon kann sich in der Weih­nachts­zeit auf Streiks ge­fasst ma­chen", sagt Gün­ter Ise­mey­er, Spre­cher im Ver­di-Bun­des­vor­stand.

Da­mit die Kun­den beim Po­ker der er­bit­ter­ten Kon­tra­hen­ten nicht die Leid­tra­gen­den sind, hat sich Ama­zon als welt­größ­ter Ver­sand­händ­ler auf den lu­kra­ti­ven Jah­res­hö­he­punkt vor­be­rei­tet. "Wir sind auf vie­le Sze­na­ri­en ein­ge­stellt. Streiks sind aber nur ei­ne Va­ria­ble, wie et­wa das Wet­ter mit Eis und Schnee und er­schwer­ten Be­din­gun­gen", er­klärt Ama­zon-Spre­cher Ste­phan Ei­chen­se­her in Mün­chen.

Er ver­spricht: "Die Pa­ke­te wer­den pünkt­lich bei den Kun­den an­kom­men. Wer im Ver­lauf des Frei­tags vor Hei­lig­abend be­stellt, be­kommt auf je­den Fall sei­ne Lie­fe­rung. Even­tu­ell klappt es auch noch spä­ter." Aus­künf­te zu Lie­fer­zei­ten sei­en beim je­wei­li­gen Pro­dukt im In­ter­net hin­ter­legt. In der Weih­nachts­sai­son 2017 ver­schick­te Ama­zon aus dem eu­ro­päi­schen Lo­gis­tik­netz­werk 402 Mil­lio­nen Ar­ti­kel in 150 Län­der an 65 Mil­lio­nen Kun­den.

Ein Fak­tor könn­te auch wer­den, in­wie­fern Ama­zon sei­ne Mann­schaft in den Lie­fer­zen­tren mit Geld zu mo­ti­vie­ren ver­mag - und da­mit Ar­gu­men­te ge­gen ei­ne Teil­nah­me an Streiks lie­fert. Es ge­be ein um­fang­rei­ches Bo­nus-Sys­tem für die Mit­ar­bei­ter in ei­nem Groß­teil der zwölf Lo­gis­tik­zen­tren bun­des­weit, sag­te Ei­chen­se­her. "Wer zu­ver­läs­sig ar­bei­tet, hat auch ei­nen Bo­nus ver­dient."

Am größ­ten Stand­ort bun­des­weit in Bad Hers­feld ge­be es bei­spiels­wei­se ei­ne Ver­ein­ba­rung vom 10. bis 22.12.2018 für ei­nen An­we­sen­heits­bo­nus. Es gibt zu­sätz­lich für je­den Tag, an dem der Mit­ar­bei­ter ar­bei­tet, 10 EUR Bo­nus. Da­zu gibt es noch mal 50 EUR pro Wo­che, wenn der Be­schäf­tig­te die gan­ze Wo­che da ist. Zu­sätz­lich er­hal­ten Mit­ar­bei­ter ei­ne Jah­res­son­der­zah­lung von 400 EUR, wie Ei­chen­se­her er­klär­te. Die Bot­schaft soll sein: "Es lohnt sich."

Ver­di wird vor Au­gen ge­führt, dass Ama­zon fi­nan­zi­ell über Res­sour­cen ver­fügt. Zu­dem wird auch das Netz der Wa­ren- und Lie­fer­zen­tren in Deutsch­land im­mer ver­zweig­ter. Zwölf sind es mitt­ler­wei­le bun­des­weit. Dort ar­bei­ten knapp 13.000 Fest­an­ge­stell­te und Tau­sen­de von Sai­son-Aus­hil­fen. Meh­re­re Stand­or­te set­zen da­bei auch be­reits auf mo­der­ne Ro­bo­ter-Tech­nik.

Ver­di ver­langt ei­ne ta­rif­li­che Ver­ein­ba­rung nach den Be­din­gun­gen des Ein­zel- und Ver­sand­han­dels. Ama­zon be­tont da­ge­gen: Man kön­ne auch oh­ne Ta­rif­ver­trag ein gu­ter Ar­beit­ge­ber sein. "Wir be­zah­len in un­se­ren Lo­gis­tik­zen­tren am obe­ren En­de des­sen, was für ver­gleich­ba­re Tä­tig­kei­ten üb­lich ist. In Deutsch­land be­gin­nen die Mit­ar­bei­ter mit ei­nem Lohn von um­ge­rech­net min­des­tens 10,78 EUR brut­to pro St­un­de", er­klärt Ei­chen­se­her.

Ob die Ge­werk­schaft sich durch­set­zen kann? Han­dels­ex­per­ten glau­ben, dass Ver­di in der Aus­ein­an­der­set­zung mit Ama­zon nur ge­rin­ge Chan­cen hat. "Ver­di beißt sich an Ama­zon wie an ei­ner har­ten Nuss die Zäh­ne aus", sagt et­wa Ger­rit Hei­nemann, Pro­fes­sor für Be­triebs­wirt­schafts­leh­re an der Hoch­schu­le Nie­der­rhein.

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Letzte Überarbeitung: 15. Juli 2019

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