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Vie­le Flücht­lin­ge fin­den in Bay­ern Ar­beit

Im ver­gan­ge­nen Jahr ha­ben vie­le Flücht­lin­ge in Bay­ern Ar­beit ge­fun­den. Nach­hol­be­darf gibt es aber bei der Frau­en­för­de­rung
junger Moslem im Büro, Integration von Muslimen in den deutschen Arbeitsmarkt

20.08.2019. (dpa/fle) - Im­mer mehr Flücht­lin­ge pro­fi­tie­ren von dem seit Jah­ren boo­men­den Ar­beits­markt in Bay­ern.

Ak­tu­ell sind et­wa 54.900 von ih­nen so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig be­schäf­tigt - rund 26 Pro­zent mehr als im Vor­jahr.

Die An­ga­ben be­zie­hen sich auf die wich­tigs­ten Her­kunfts­län­der: Af­gha­nis­tan, Eri­trea, Irak, Iran, Ni­ge­ria, Pa­kis­tan, So­ma­lia und Sy­ri­en.

Bay­ern ste­he da­mit im Ver­gleich mit den an­de­ren Bun­des­län­dern be­son­ders gut da, be­ton­te In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann (CSU) am Diens­tag in Mün­chen und ver­wies auf ei­ne wei­te­re Zahl: Nur 5,9 Pro­zent der rund 820.000 Aus­län­der im Frei­staat sei­en der­zeit ar­beits­los.

"Wir wol­len Men­schen in den Ar­beits­markt in­te­grie­ren und ha­ben Un­ter­neh­men, die drin­gend Fach­kräf­te brau­chen", sag­te Herr­mann. "Das müs­sen wir zu­sam­men­brin­gen." Die Ar­beit sei ne­ben der deut­schen Spra­che ei­ner der wich­tigs­ten Schlüs­sel zur In­te­gra­ti­on und "ganz ent­schei­dend für den Zu­sam­men­halt in der Ge­sell­schaft". Von den rund 2,1 Mil­lio­nen Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund zwi­schen 15 und 65 Jah­ren sei­en der­zeit mehr als 70 Pro­zent er­werbs­tä­tig.

Ge­ra­de in Bay­ern funk­tio­nie­re die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Po­li­tik, Ver­bän­den, Be­trie­ben und Job­cen­tern be­son­ders gut, sag­te Ralf Holt­z­wart von der Ar­beits­agen­tur in Bay­ern. "Ei­ner al­lein könn­te das nicht." Ins­be­son­de­re beim The­ma Frau­en­för­de­rung müs­se je­doch noch mehr pas­sie­ren. Wäh­rend die Ar­beits­agen­tur 60 Pro­zent der männ­li­chen Flücht­lin­ge in Ar­beit ver­mit­teln kön­ne, sei­en es bei Frau­en ge­ra­de ein­mal 10 Pro­zent. Holt­z­wart er­in­ner­te dar­an, dass in Bay­ern mehr als je­der zwei­te neue Ar­beits­platz mit ei­nem Aus­län­der be­setzt wer­de. Und das Wachs­tum hält an.

Dies be­stä­tigt ei­ne Stu­die der Ver­ei­ni­gung der baye­ri­schen Wirt­schaft (vbw): Dem­nach wer­den im Frei­staat bis 2025 et­wa 350.000 Fach­kräf­te feh­len - be­son­ders weil die Be­völ­ke­rung im­mer äl­ter wird. Die ak­tu­el­len Zah­len be­zeich­ne­te vbw-Ge­schäfts­füh­rer Ber­tram Bros­sardt als er­freu­lich.

Auch der Baye­ri­sche In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer­tag (BIHK) spricht von ei­nem baye­ri­schen "Er­folgs­mo­dell" und ver­weist auf ei­ne ei­ge­ne Stu­die: Dem­nach wol­len fast zwei Drit­tel der be­frag­ten Be­trie­be in den kom­men­den Jah­ren Flücht­ling aus­bil­den und be­schäf­ti­gen.

Das In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung er­war­tet, dass im kom­men­den Jahr min­des­tens 50 Pro­zent der 2015 im Zu­ge der Flücht­lings­kri­se nach Deutsch­land ge­kom­me­nen Per­so­nen, ei­ne Ar­beit ge­fun­den ha­ben. Ak­tu­ell sind es deutsch­land­weit un­ge­fähr 400.000 - mit stei­gen­der Ten­denz. Al­ler­dings ar­bei­te­ten vie­le von ih­nen in Zeit­ar­beits­un­ter­neh­men - un­ter an­de­rem im Rei­ni­gungs­ge­wer­be, in der Gas­tro­no­mie und der Land­wirt­schaft.

Ei­ne Stu­die der Denk­fa­brik Ber­lin-In­sti­tut für Be­völ­ke­rung und Ent­wick­lung kommt zu ei­nem ähn­li­chen Er­geb­nis: Dem­nach wer­de bun­des­weit je­des drit­te Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis in der Leih­ar­beits­bran­che ein­ge­gan­gen. Die Sprung in ei­ne re­gu­lä­re Be­schäf­ti­gung ge­lin­ge Flücht­lin­gen häu­fig nicht. Die Grün­de sei­en un­terand­e­rem man­geln­de Schul­aus­bil­dung, feh­len­de Sprach­kennt­nis­se, trau­ma­ti­sche Er­fah­run­gen auf der Flucht und bü­ro­kra­ti­sche Hür­den bei Be­hör­den­gän­gen, Auf­la­gen und Vor­schrif­ten.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 20. August 2019

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