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Vi­si­ten­kar­te trotz Di­gi­ta­li­sie­rung?

Bei Ge­schäfts­tref­fen und Mes­sen wer­den bis heu­te Vi­si­ten­kar­ten aus­ge­tauscht. War­um trot­zen die Kärt­chen der Di­gi­ta­li­sie­rung?
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14.08.2019. (dpa/fle) - Kom­mu­ni­ka­ti­on im Job läuft heu­te ganz an­ders als noch vor we­ni­gen Jahr­zehn­ten. So mag es et­was ver­staubt wir­ken, wenn der Ge­schäfts­part­ner ei­ne ge­druck­te Vi­si­ten­kar­te zückt. "Darf ich Ih­nen mei­ne Kar­te ge­ben"?

Die Kärt­chen wer­den aber nach wie vor im Ar­beits­le­ben aus­ge­tauscht - die Di­gi­ta­li­sie­rung hat sie nicht ab­ge­schafft. Wird das so blei­ben?

Lars-Pe­ter Leu setzt auf Vi­si­ten­kar­ten. Er hat sich mit der klei­nen Ber­li­ner Werk­statt "Vol­le Kan­te" dar­auf spe­zia­li­siert. Mit al­ten Ma­schi­nen und Mes­sing­plat­ten pro­du­ziert er Kärt­chen zum Bei­spiel mit Prä­gun­gen und Fo­li­en­schnitt - da­bei wird Fo­lie an den Kan­ten auf­ge­tra­gen. Schwar­ze Vi­si­ten­kar­ten schim­mern an den Rän­dern zum Bei­spiel sil­bern oder gol­den.

Die Nach­fra­ge sei stei­gend und zu­gleich auch die Zahl der Mit­be­wer­ber, sagt der 35-Jäh­ri­ge. Vie­le sei­ner Fir­men­kun­den kä­men aus der Kos­me­tik­in­dus­trie. Aber auch ein Gas- und Was­ser­in­stal­la­teur, der Lu­xus­bä­der an­bie­tet, so­wie Gra­fi­kagen­tu­ren und Ar­chi­tek­ten sei­en dar­un­ter. "Die Vi­si­ten­kar­te ist ein Aus­hän­ge­schild", sagt er. Da­für sei­en Fir­men be­reit, auch et­was mehr zu zah­len.

Wie vie­le Vi­si­ten­kar­ten in Deutsch­land jähr­lich ge­druckt und ver­trie­ben wer­den, ist un­klar. Der Bun­des­ver­band Druck und Me­di­en teilt mit: "Die Men­ge der in Deutsch­land ge­druck­ten Vi­si­ten­kar­ten lässt sich nicht be­stim­men." Ne­ben Ge­schäf­ten wie dem von Leu gibt es auch Dru­cke­rei­en und im In­ter­net hat sich ein brei­ter Markt an On­line-Dru­cke­rei­en eta­bliert, die auch Vi­si­ten­kar­ten an­bie­ten.

Von der On­line-Dru­cke­rei Vis­ta­print heißt es, die Nach­fra­ge nach ge­druck­ten Vi­si­ten­kar­ten stei­ge - ins­be­son­de­re im Pre­mi­um-Seg­ment. "Das heißt, un­se­re Kun­den le­gen zu­neh­mend Wert auf hoch­wer­ti­ge oder au­ßer­ge­wöhn­li­che Pa­pier­sor­ten, Ver­ede­lun­gen oder neue For­ma­te. Da­bei steigt so­wohl die An­zahl an ge­druck­ten Vi­si­ten­kar­ten als auch die An­zahl der Druck­auf­trä­ge, was da­für spricht, dass un­se­re Kun­den ih­re Vi­si­ten­kar­ten häu­fi­ger ak­tua­li­sie­ren oder ver­än­dern", sagt der Mar­ke­ting­lei­ter für Deutsch­land, Ge­org Treu­gut. Vi­si­ten­kar­ten sei­en in Deutsch­land die größ­te Pro­dukt­ka­te­go­rie vor Fly­ern, Post­kar­ten und Wer­be­ban­nern. Vi­si­ten­kar­ten-Kun­den sei­en vor­ran­gig Klein­un­ter­neh­men, Selbst­stän­di­ge und Start-up-Fir­men.

Der Spre­cher der Agen­tur für Ar­beit in Nürn­berg, Ma­thi­as Ring­ler, be­ob­ach­tet, dass vie­le Un­ter­neh­men die Kar­ten nach wie vor ein­set­zen. "Man möch­te da­mit der Ges­te der Kon­takt­auf­nah­me Nach­druck ver­lei­hen." Bei den In­hal­ten hat sich zu­gleich ei­ni­ges ge­wan­delt. Fir­men dru­cken auf die Kar­ten et­wa QR-Codes. Die­se kön­nen mit ei­nem Smart­pho­ne ge­scannt wer­den und füh­ren dann zum Bei­spiel zu In­ter­net­sei­ten.

Fragt man bei Fir­men an, er­gibt sich ein un­ter­schied­li­ches Bild. Beim Soft­ware­kon­zern Mi­cro­soft läuft es so: "Mit Be­zug der neu­en Mi­cro­soft Deutsch­land­zen­tra­le in Mün­chen-Schwa­bing ha­ben wir uns dort für ein pa­pier­lo­ses Of­fice-Kon­zept ent­schie­den", sagt Nie­der­las­sungs­lei­te­rin An­na Kopp. "Da­her ha­ben al­le Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter von Mi­cro­soft die Mög­lich­keit, sich über ein On­line-Tool Vi­si­ten­kar­ten zu be­stel­len, je­doch wer­den sie nicht mehr au­to­ma­tisch da­mit aus­ge­stat­tet." Beim Soft­ware­an­bie­ter SAP heißt es, dass die Be­deu­tung von ge­druck­ten Vi­si­ten­kar­ten in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ab­ge­nom­men ha­be und wei­ter ab­neh­men wer­de.

Beim En­er­gie­kon­zern RWE ist der Ge­brauch in­di­vi­du­ell ge­re­gelt. Mit­ar­bei­ter, die viel im Aus­land un­ter­wegs sei­en, brau­chen nach Un­ter­neh­mens­an­ga­ben ge­druck­te Vi­si­ten­kar­ten, um auf die je­wei­li­gen Ge­pflo­gen­hei­ten im an­de­ren Land ein­ge­hen zu kön­nen. An­de­re Mit­ar­bei­ter bräuch­ten kei­ne mehr. Ähn­lich ist es beim Ver­sand­händ­ler Ot­to. Wäh­rend Mit­ar­bei­ter im Ein­kauf, die in­ter­na­tio­nal un­ter­wegs sei­en, Vi­si­ten­kar­ten bräuch­ten, nutz­ten vie­le Mit­ar­bei­ter im Be­reich Tech­nik hin­ge­gen gar kei­ne mehr, teilt das Un­ter­neh­men mit. Sie set­zen dem­nach eher auf di­gi­ta­le Busi­ness-Netz­wer­ke.

Der Trend- und Zu­kunfts­for­scher Tris­tan Horx vom Think Tank Zu­kunfts­in­sti­tut be­merkt, dass es in der Krea­tiv- und der Be­ra­tungs­wirt­schaft in Deutsch­land, der Schweiz und Ös­ter­reich ei­ne Zeit lang "un­cool" ge­we­sen sei, Vi­si­ten­kar­ten zu ver­tei­len. "Nach dem Mot­to: "Du fin­dest mich schon on­line"." In jün­ge­rer Zeit sei die Vi­si­ten­kar­te aber wie­der im Kom­men. "Die Vi­si­ten­kar­te lebt da­von, dass man sie eher we­ni­ger Leu­ten gibt. Und da­für ist sie dann was Be­son­de­res."

Die Deut­sche-Knig­ge-Ge­sell­schaft hält die ge­druck­te Vi­si­ten­kar­te im­mer noch für ein Muss in der Ar­beits­welt. "Die Vi­si­ten­kar­te ist, wenn sie gut ge­macht ist, ei­ne hand­li­che Zu­sam­men­fas­sung zu Ih­rer Per­son und Ih­rer Po­si­ti­on. Kein an­de­res Me­di­um kann die­se In­for­ma­tio­nen im per­sön­li­chen Kon­takt so schnell ver­füg­bar ma­chen wie die­se Kar­te", be­tont die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de Lin­da Kai­ser.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 14. August 2019

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