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VW ver­schärft den Spar­kurs

Das von VW an­ge­kün­dig­te Spar­pro­gramm soll nun aber­mals ver­schärft wer­den - bis zu 7.000 wei­te­re Stel­len sol­len weg­fal­len
VW Volkswagen Werk Fabrik Wolfsburg, Autostadt Wolfsburg

14.03.2019. (dpa/fle) - Der Volks­wa­gen-Kon­zern ver­schärft an­ge­sichts der ge­plan­ten Mil­li­ar­den-In­ves­ti­tio­nen in E-Mo­bi­li­tät und Di­gi­ta­li­sie­rung bei sei­ner Kern­mar­ke VW Pkw den Spar­kurs.

In den nächs­ten fünf Jah­ren sol­len zu­sätz­lich 5.000 bis 7.000 Stel­len weg­fal­len.

Mit au­to­ma­ti­sier­ten Rou­ti­ne­ar­bei­ten, Ma­te­ri­al­ein­spa­run­gen und ge­rin­ge­rer Mo­dell­viel­falt sol­len ab 2023 die Kos­ten wei­ter ge­senkt und ei­ne Ge­winn­ver­bes­se­rung von 5,9 Mil­li­ar­den EUR jähr­lich er­zielt wer­den.

Mit den er­hoff­ten Ein­spa­run­gen will VW sich den fi­nan­zi­el­len Spiel­raum ver­schaf­fen, um zu­sätz­li­che Mil­li­ar­den in E-Au­tos, Di­gi­ta­li­sie­rung und zu­künf­ti­ge Mo­bi­li­täts­diens­te zu in­ves­tie­ren. Die bis 2025 gel­ten­de Be­schäf­ti­gungs­si­che­rung be­kräf­tig­te der Au­to­bau­er am Mitt­woch in Wolfs­burg bei der Vor­la­ge der neu­en Spar­plä­ne aber.

Stel­len sol­len beim al­ters­be­ding­ten Aus­schei­den von Mit­ar­bei­tern nicht neu be­setzt wer­den. Be­trof­fen vom Stel­len­ab­bau ist nach An­ga­ben des Un­ter­neh­mens im We­sent­li­chen die Kon­zern­zen­tra­le in Wolfs­burg mit den Ver­wal­tungs­be­rei­chen Fi­nan­zen, Be­schaf­fung und Per­so­nal­we­sen. In­klu­si­ve der tech­ni­schen Ent­wick­lung be­schäf­tigt VW in in­di­rek­ten Be­rei­chen rund 54.000 Mit­ar­bei­ter.

In den kom­men­den drei Jah­ren sieht der bei der Kern­mar­ke fürs Ta­ges­ge­schäft zu­stän­di­ge Ma­na­ger Ralf Brand­stät­ter das Po­ten­zi­al für weg­fal­len­de Stel­len ins­ge­samt so­gar bei rund 11.000 Jobs. Denn jetzt ste­hen die ge­bur­ten­star­ken Jahr­gän­ge von An­fang und Mit­te der 1960er Jah­re kurz vor dem Ru­he­stand. Ak­tu­ell wer­de aber kein wei­te­rer Per­so­nal­ab­bau über die lau­fen­den Strei­chun­gen und die neu­en Plä­ne hin­aus an­ge­peilt, sag­te VW-Per­so­nal­vor­stand Gun­nar Ki­li­an.

Be­triebs­rats­chef Bernd Os­ter­loh warn­te vor ei­ner Zwei-Klas­sen-Be­leg­schaft. Der Vor­stand müs­se wis­sen, dass es bei den An­ge­bo­ten zur Al­ters­teil­zeit kei­nen Un­ter­schied zwi­schen Ver­wal­tung und Pro­duk­ti­on ge­ben kön­ne, be­ton­te er. Es müs­se klar sein, dass bei Volks­wa­gen nur Ar­beits­plät­ze ab­ge­baut wür­den, wenn die Tä­tig­keit da­hin­ter tat­säch­lich weg­fal­le. "Ei­ner Fremd­ver­ga­be wer­den wir nicht zu­stim­men", sag­te Os­ter­loh. Er kri­ti­sier­te die Aus­sa­gen zu den 5.000 bis 7.000 Ar­beits­plät­zen, weil ihm kei­ne Her­lei­tung die­ser Grö­ßen­ord­nung be­kannt sei. "Der Vor­stand ist bis­her nicht in der La­ge, ei­ne Er­klä­rung zu die­sen Zah­len zu lie­fern".

Per­so­nal­vor­stand Ki­li­an sag­te, dass es na­tür­lich wei­ter­füh­ren­de Ge­sprä­che mit dem Be­triebs­rat ge­ben wer­de, bei de­nen die Aus­wir­kun­gen Be­reich für Be­reich er­ar­bei­tet wür­den. Hin­ter­grund ist, dass VW der­zeit Geld in mo­der­ne­re IT-Sys­te­me in­ves­tiert. Das er­öff­net Spiel­raum für das Ma­nage­ment, über Stel­len­strei­chun­gen Kos­ten zu spa­ren. Be­reits seit ei­ni­ger Zeit steht ein wei­te­rer Per­so­nal­ab­bau bei der Mar­ke im Raum.

Die nie­der­säch­si­sche Lan­des­re­gie­rung woll­te zu­nächst von ei­ner Stel­lung­nah­me zu den Maß­nah­men ab­se­hen. Das Land er­war­te zu­vor die Vor­la­ge und Dis­kus­si­on sub­stan­zi­el­ler und ab­ge­stimm­ter Pla­nun­gen des Vor­stands im Auf­sichts­rat, sag­te Re­gie­rungs­spre­che­rin An­ke Pörk­sen. Nie­der­sach­sen ge­hört zu den größ­ten An­teils­eig­nern bei VW und hält 20 Pro­zent der Stimm­rech­te im Kon­zern.

"Wir müs­sen noch deut­lich mehr tun, um die an­ste­hen­den Her­aus­for­de­run­gen auch in der Zeit nach 2020 zu be­wäl­ti­gen", sag­te Brand­stät­ter. Mit der Um­satz­ren­di­te - al­so dem, was vom Um­satz als Be­triebs­ge­winn bleibt - ist VW un­zu­frie­den. "Sie ge­nügt nach wie vor nicht un­se­ren An­sprü­chen. Vor al­lem nicht im Ver­gleich zum Wett­be­werb", sag­te Brand­stät­ter. 2022 sol­len 6 Pro­zent vom Um­satz als ope­ra­ti­ver Ge­winn hän­gen blei­ben, 2018 wa­ren es we­ni­ger als 4 Pro­zent.

VW-Kon­zern­chef Diess will vor al­lem die zu­letzt schwä­cheln­den Kon­zern­mar­ken VW und Au­di auf mehr Ren­di­te trim­men. Die Mar­ke Volks­wa­gen et­wa will bis 2023 rund 19 Mil­li­ar­den EUR in Zu­kunfts­the­men ste­cken - was bei nied­ri­gen Ge­winn­mar­gen eng wird.

Im Herbst 2016 hat­te VW bei der Mar­ke mit der Ar­beit­neh­mer­sei­te be­reits ein gro­ßes Spar­pro­gramm ver­ab­re­det, das bis En­de 2020 läuft. Es sieht den welt­wei­ten Ab­bau von 30.000 Stel­len vor, 23.000 da­von in Deutsch­land. Im Ge­gen­zug sol­len 9.000 Ar­beits­plät­ze in Zu­kunfts­be­rei­chen wie der Soft­ware­ent­wick­lung neu ent­ste­hen. Bis­her hat das Un­ter­neh­men in die­sem Rah­men net­to 6.300 Stel­len ab­ge­baut. Das Pro­gramm soll­te ei­ne Er­geb­nis­ver­bes­se­rung von 3,7 Mil­li­ar­den EUR ab 2020 brin­gen und die Pro­duk­ti­vi­tät der Wer­ke deut­lich er­hö­hen.

Oh­ne­hin steht die Mar­ke auch im Ta­ges­ge­schäft nicht oh­ne Her­aus­for­de­run­gen da. In die­sem Jahr kommt ei­ne wei­te­re Stu­fe neu­er Ab­gas- und Ver­brauchs­test­ver­fah­ren, die im ver­gan­ge­nen Jahr so­viel Är­ger mach­ten und Geld ge­kos­tet ha­ben. Auch bei der Ein­füh­rung des neu­en Golf 8 läuft nicht al­les rund. Für den ge­plan­ten Pro­duk­ti­ons­an­lauf des Kas­sen­schla­gers vor En­de des Jah­res sei noch viel zu tun, sag­te Brand­stät­ter.

In der tech­ni­schen Ent­wick­lung will VW nicht an neu­en Jobs spa­ren, son­dern eher auf­bau­en. 2.000 Jobs sol­len dort ent­ste­hen, wo es um Soft­ware und Elek­tro­nik geht. En­de des Jah­res will VW die Pro­duk­ti­on des voll­elek­tri­schen ID an­lau­fen las­sen, der der Golf für das Elek­tro­zeit­al­ter wer­den soll. Auch das Au­to soll mit ver­netz­ten An­wen­dun­gen glän­zen.

Im Fal­le ei­nes un­ge­re­gel­ten Brex­it und mög­li­cher neu­er Zöl­le kün­dig­te VW an, Mehr­kos­ten ge­ge­be­nen­falls an Kun­den wei­ter­zu­ge­ben. "Wir müss­ten dann über hö­he­re Prei­se spre­chen", sag­te Brand­stät­ter. Groß­bri­tan­ni­en ist der zweit­wich­tigs­te Ab­satz­markt für VW in Eu­ro­pa. Rund 500.000 Wa­gen lie­fer­te der Kon­zern ver­gan­ge­nes Jahr dort­hin aus.

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Letzte Überarbeitung: 17. März 2019

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