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Was kann ei­nen Bur­nout aus­lö­sen?

Frü­her dach­te man beim Bur­nout nur an über­ar­bei­te­te Ma­na­ger, doch heu­te ist klar, dass es vie­le un­ter­schied­li­che Grup­pen trifft
Überforderung und Stress im Job, Burnout

11.09.2019. (dpa/fle) - Von Mee­ting zu Mee­ting het­zen, täg­li­che Über­stun­den und we­nig Schlaf gal­ten vie­le Jah­re als die ty­pi­schen Ur­sa­chen ei­nes Bur­nouts.

Auch ei­ne durch Zeit­druck be­ding­te un­ge­sun­de Er­näh­rung so­wie ein Man­gel an Be­we­gung fie­len oft als Schlag­wör­ter.

Doch mitt­ler­wei­le glau­ben Ex­per­ten: Wenn je­mand sich aus­ge­brannt fühlt, kann das vie­le Grün­de ha­ben - und da­mit auch un­ter­schied­li­che Grup­pen tref­fen.

"Streng ge­nom­men ist laut der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) ein Bur­nout kei­ne Krank­heit, son­dern ein Fak­tor, der die Ge­sund­heit be­ein­träch­ti­gen kann", sagt En­no Maaß von der Deut­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten­Ver­ei­ni­gung (DPtV).

Be­trof­fe­ne füh­len sich auf­grund be­ruf­li­cher oder an­de­rer an­dau­ern­der Über­las­tung geis­tig, kör­per­lich und emo­tio­nal er­schöpft. "Sie sind oft lust­los, ge­reizt und an­ge­spannt, zy­nisch und gleich­gül­tig. Au­ßer­dem kön­nen sie ih­re Auf­ga­ben nicht mehr oder kaum noch be­wäl­ti­gen", er­gänzt Maaß. Hin­zu kom­men nicht sel­ten Un­ru­he, in­ne­re Lee­re, Angst­ge­füh­le, Schlaf­pro­ble­me und nied­ri­ge Mo­ti­va­ti­on für All­tags­auf­ga­ben, so Maaß. Auch Le­bens­freu­de und Selbst­wert­ge­fühl sei­en oft be­ein­träch­tigt.

"Lan­ge Zeit ist da­von aus­ge­gan­gen wor­den, dass Bur­nout durch zu viel Ar­beit ent­steht. Das ist nicht so", sagt auch die Ärz­tin und Au­to­rin Mir­ri­am Prieß. Sie hat sich in ih­rem Buch "Bur­nout kommt nicht nur von Stress" in­ten­siv mit dem The­ma be­fasst. Der Be­zie­hungs­as­pekt spie­le die zen­tra­le Rol­le bei der Ent­ste­hung ei­nes Bur­nouts.

So ha­be je­der, der von ei­nem Bur­nout be­trof­fen sei, kon­flikt­rei­che Be­zie­hun­gen und die Be­zie­hung zu sich selbst ver­lo­ren. "oh­ne Kon­flikt gibt es kei­nen Bur­nout", so Prieß. Vie­le Bur­nout-Be­trof­fe­ne ha­ben sich in Kämp­fen er­schöpft. "Mit dem Part­ner, Ar­beit­ge­ber, Kol­le­gen, mit dem Sys­tem, in dem sie sich be­fan­den, aber auch mit Le­bens­si­tua­tio­nen wie Ver­lus­te, Schei­tern, Krank­heit, die sie nicht ak­zep­tie­ren woll­ten", er­gänzt die Me­di­zi­ne­rin.

Die Fak­to­ren, die ei­nen Bur­nout zu­dem för­dern, sind viel­fäl­tig. So kann auch Per­fek­tio­nis­mus nach An­ga­ben von Anet­te Wahl-Wa­chen­dorf ein wei­te­res Ri­si­ko dar­stel­len. "Aber auch das fa­mi­liä­re Um­feld kann Aus­lö­ser sein, wie zum Bei­spiel die Pfle­ge von An­ge­hö­ri­gen", so die Vi­ze­prä­si­den­tin des Ver­bands Deut­scher Be­triebs- und Werks­ärz­te (VDBW).

Ein Bur­nout kann aber grund­sätz­lich je­den tref­fen. "Be­son­ders häu­fig be­trof­fen sind Be­rufs­tä­ti­ge im mitt­le­ren Le­bens­al­ter und mit eher hö­he­rer Schul­bil­dung, hö­he­rem Ein­kom­men oder hö­he­rer be­ruf­li­cher Stel­lung", er­klärt der stell­ver­tre­ten­de DPtV-Bun­des­vor­sit­zen­de Maaß.

Wer ei­nem Bur­nout vor­beu­gen möch­te, soll­te sich re­gel­mä­ßig fra­gen, ob er sich grund­sätz­lich in der La­ge fühlt, die An­for­de­run­gen sei­ner Ar­beit gut zu be­wäl­ti­gen, so Maaß.

Zu­dem kann je­der selbst ak­tiv wer­den. "Stär­ken Sie Ih­re Dia­log­fä­hig­keit, das heißt, sor­gen Sie für ein Gleich­ge­wicht zwi­schen Neh­men und Ge­ben, so­wohl in Ih­ren Be­zie­hun­gen als auch in dem, was Sie tun", sagt Prieß. Denn ei­ne Bur­nout-Sym­pto­ma­tik soll­te nicht auf die leich­te Schul­ter ge­nom­men wer­den. "Bei drei Vier­tel der Be­trof­fe­nen tre­ten be­glei­tend psy­chi­sche Er­kran­kun­gen wie De­pres­sio­nen und Angst­stö­run­gen auf. Dies kann bis zur Sui­zid-Ge­fahr ge­hen", er­klärt Maaß.

Bei An­zei­chen ei­nes Bur­nouts müs­se zu­nächst ver­sucht wer­den, stär­ker auf Pha­sen der Er­ho­lung zu ach­ten, er­klärt Maaß. So ist es rat­sam, Ur­laub voll­stän­dig und gleich­mä­ßig zu neh­men. Auch re­gel­mä­ßi­ge Pau­sen soll­ten in den Ta­ges­ab­lauf ein­ge­baut wer­den. Un­ter Um­stän­den muss die Ar­beit auch an­ders struk­tu­riert wer­den, da­mit das Ver­hält­nis zwi­schen Frei­zeit und Job aus­ge­wo­ge­ner aus­fällt. Sport und Ent­span­nung kön­nen eben­falls hel­fen.

"Än­dert sich da­mit die Si­tua­ti­on nicht, soll­te ein Psy­cho­the­ra­peut auf­ge­sucht wer­den", sagt Maaß. Der kön­ne ers­te Ori­en­tie­rung ge­ben, Be­schwer­den ein­schät­zen und ab­klä­ren, ob es sich um ei­ne psy­chi­sche Er­kran­kung han­delt. Bei Be­darf be­ra­te er dann zu Be­hand­lungs­mög­lich­kei­ten und wei­te­ren Hil­fen. "Wich­tig ist da­bei, dass die Be­trof­fe­nen ih­re per­sön­li­chen Warn­si­gna­le für Über­for­de­rung ken­nen­ler­nen und für sich her­aus­fin­den, wie sie ak­tiv ver­hin­dern kön­nen, er­neut zu er­kran­ken", er­gänzt Maaß.

Wenn der Be­ruf der Haupt­aus­lö­ser ei­nes Aus­bren­nens ist, muss man aber nicht gleich kün­di­gen wer­den. "Ein Job­wech­sel steht ganz am Schluss - nach Prä­ven­ti­on und Be­hand­lung", er­klärt Wahl-Wa­chen­dorf vom VDBW, die sich be­son­ders mit Be­rufs­the­men aus ärzt­li­cher Sicht aus­ein­an­der­setzt. Grund­sätz­lich soll­te die Füh­rungs- und Un­ter­neh­mens­kul­tur kri­tisch hin­ter­fragt wer­den. Even­tu­ell kön­ne schon ein klä­ren­des Ge­spräch mit dem Vor­ge­setz­ten oder ein in­ter­ner Wech­sel hel­fen.

Bur­nout ent­steht durch zu viel Stress, Selbst­über­for­de­rung und so­zia­le Kon­flik­te. Wer je­doch für aus­rei­chen­de Ru­he­pau­sen sorgt und sein täg­li­ches Le­ben in Be­ruf und Pri­va­tem nach sei­nem Wohl­be­fin­den aus­rich­tet, hat bes­te Chan­cen, ei­nen Bur­nout zu um­ge­hen.

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Letzte Überarbeitung: 16. September 2019

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