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Was Per­so­nal Bran­ding im Be­ruf bringt

Vom Per­so­nal Bran­ding spricht man, wenn sich Be­rufs­tä­ti­ge selbst zur Mar­ke ma­chen. Doch was gilt es da­bei zu be­ach­ten?
starker Geschäftsmann und starke Geschäftsfrau

09.08.2019. (dpa/fle) - Men­schen fol­gen lie­ber Men­schen und nicht Mar­ken. Das ist die Über­zeu­gung von Ibra­him Ev­san.

Seit zehn Jah­ren be­rät der Di­gi­ta­li­sie­rungs­ex­per­te aus Mün­chen Un­ter­neh­mer und Frei­schaf­fen­de da­bei, wie sie sich selbst zur Mar­ke ma­chen.

Ob Elon Musk Chef von Tes­la ist oder von App­le, sei egal, führt Ev­san als Bei­spiel an. Es ge­he um die Per­son Elon Musk - und wo­für er steht. Der Un­ter­neh­mer ver­kauft sich als Vi­sio­när, als Welt­ver­bes­se­rer, gleich­zei­tig gilt er als auf­brau­send und un­be­re­chen­bar. Da­mit ist er er­folg­reich - zu­min­dest im Netz: Dem of­fi­zi­el­len Twit­ter-Ac­count von Tes­la fol­gen knapp 4 Mil­lio­nen Fol­lo­wer, Elon Musk mehr als 27 Mil­lio­nen.

Je­dem, der sich auf dem Ar­beits­markt eta­blie­ren will, ob als Ar­chi­tekt, Fo­to­graf oder De­si­gner, aber auch als Ar­beit­neh­mer, hilft ei­ne Mar­ke, die ihn aus der Mas­se her­aus­hebt.

Per­so­nal Bran­ding, wie die per­sön­li­che Mar­ken­bil­dung aus dem Eng­li­schen über­setzt wer­den kann, ste­he in Deutsch­land noch am An­fang, sagt Ev­san. Sie wer­de aber im­mer wich­ti­ger. Ev­san hat sei­ne ei­ge­ne Mar­ke selbst über Jah­re auf­ge­baut und da­für von An­fang an das In­ter­net ge­nutzt. Auf sei­nem Twit­ter-Ac­count ließ er die Öf­fent­lich­keit dar­an teil­ha­ben, wie er sei­ne ei­ge­ne Ge­schäfts­idee ent­wi­ckel­te. Sein The­ma: Wie baue ich mei­ne Per­so­nal Brand auf? Heu­te wird er zu Kon­fe­ren­zen ein­ge­la­den und gilt als Ex­per­te auf dem Ge­biet.

Pe­tra Wüst, Ex­per­tin und Coach für Selbst­mar­ke­ting aus Ba­sel, emp­fiehlt zu Be­ginn der Mar­ken­bil­dung im­mer den Blick nach in­nen: "Als ers­tes muss man sei­nen in­di­vi­du­el­len Kern her­aus­fin­den." Fra­gen wie "Wer bin ich?", "Was sind mei­ne Stär­ken?" und "Wel­che Emo­tio­nen ha­be ich?" stün­den am An­fang der Ent­wick­lung ei­ner ei­ge­nen Mar­ke.

Mit ih­ren Kun­den ar­bei­tet die Be­ra­te­rin de­ren drei größ­te Stär­ken her­aus. Die Kom­bi­na­ti­on die­ser drei Stär­ken er­gibt in der Re­gel das Be­son­de­re ei­ner Mar­ke. "Je­der Mensch ist ein­zig­ar­tig", sagt Wüst. Die­se Ein­zig­ar­tig­keit müs­se man nur sicht­bar ma­chen.

Für Ev­san ist bei der per­sön­li­chen Mar­ke vor al­lem wich­tig, sich be­wusst zu wer­den, wel­che Bot­schaf­ten man sen­den möch­te: "In wel­chem The­ma ken­ne ich mich aus? Was ist mei­ne Lei­den­schaft und wen möch­te ich er­rei­chen?" Die­se Fra­gen sei­en es­sen­zi­ell, um zu ver­ste­hen, für was man steht und für wen das re­le­vant sein könn­te.

Dann ent­wi­cke­le man sei­ne ei­ge­ne Ge­schich­te, ei­ne Er­zäh­lung über sich selbst, in der her­aus­ge­ar­bei­tet wird, wel­che Er­eig­nis­se und Er­fol­ge ei­nen zu dem Men­schen ge­macht ha­ben, der man ist. "Den in­spi­rie­ren­den Fun­ken" in der ei­ge­nen Vi­ta fin­den, for­mu­liert es Ev­san.

Pe­tra Wüst be­tont, dass Be­rufs­tä­ti­ge ler­nen müs­sen, den ei­ge­nen Le­bens­lauf wert­zu­schät­zen. "Am bes­ten ist es, ei­ne Leis­tung her­vor­zu­he­ben, auf die man selbst stolz ist." Das sa­ge nicht nur viel über das ei­ge­ne Kön­nen, son­dern auch über die ei­ge­nen Prä­fe­ren­zen aus.

Ein ei­ge­nes Pro­fil, das mit­hil­fe ei­ner Per­so­nal Brand zur Ver­mark­tung dient, kann Ein­zel­nen da­bei hel­fen, aus der Mas­se her­aus­zu­ste­chen. Ev­san emp­fiehlt, sich früh zu über­le­gen, auf wel­chen On­line-Platt­for­men man ver­tre­ten sein möch­te: Twit­ter, Face­book, Lin­ke­din oder doch ei­ne ei­ge­ne Web­site? Die Pfle­ge des di­gi­ta­len Ichs kos­tet aber Zeit. Des­halb muss je­der für sich ab­wä­gen, wel­che Por­ta­le ihn in sei­ner Bran­che wei­ter­brin­gen.

Die Dar­stel­lung in so­zia­len Netz­wer­ken ist nicht nur für die ei­ge­ne Dienst­leis­tung von Be­deu­tung. Je mehr Men­schen ei­nem in den so­zia­len Netz­wer­ken fol­gen, des­to hö­her wird auch der Markt­wert des ei­ge­nen Pro­fils. Ar­beit­ge­ber wis­sen das. Mit vie­len Fol­lo­wern kön­ne un­ter Um­stän­den das dop­pel­te Ge­halt aus­ge­han­delt wer­den, soll­te man sich ent­schlie­ßen, sich in ei­ner Fir­ma an­stel­len zu las­sen, so Evs­ans Ein­schät­zung.

Doch nicht al­le Un­ter­neh­men se­hen es ger­ne, wenn ih­re Mit­ar­bei­ter in so­zia­len Netz­wer­ken prä­sent sind. Mi­cha­el Ber­ne­cker, Ge­schäfts­füh­rer des Deut­schen In­sti­tuts für Mar­ke­ting (DIM), sagt, ei­ni­ge Ar­beit­ge­ber ver­bie­ten Face­book und Co. am Ar­beits­platz - vor al­lem in In­dus­trie­be­trie­ben, in de­nen die Chefs nicht mit dem In­ter­net auf­ge­wach­sen sind und die Dis­kre­ti­on schätz­ten. Per­so­nal Bran­ding hän­ge im­mer vom be­ruf­li­chen Kon­text ab. Für al­le Frei­be­ruf­ler und al­le Ar­beit­neh­mer oder Füh­rungs­kräf­te, die in ih­rer Ar­beit ei­ne ho­he Sicht­bar­keit be­nö­tig­ten, sei ei­ne Per­so­nal Brand je­doch es­sen­zi­ell.

Der ein­zi­ge Nach­teil beim Per­so­nal Bran­ding: wenn die Mar­ke et­was Fal­sches ver­mit­telt. "Per­so­nal Bran­ding funk­tio­niert nicht, wenn es kei­ne Sub­stanz hat", so Ber­ne­cker. "Wenn nur das Ego spricht und kein In­halt ver­mit­telt wird, ist die ei­ge­ne Mar­ke sinn­los", er­gänzt Ev­san.

"Bran­ding ist kein Wunsch­kon­zert", fin­det Pe­tra Wüst. Man kön­ne sein ei­ge­nes Ich nicht er­fin­den oder von je­man­dem an­de­ren ko­pie­ren. Und sie fügt hin­zu: "Wer ver­sucht es al­len recht zu ma­chen, der ist nichts für nie­man­den." Zu ei­ner au­then­ti­schen Mar­ke ge­hö­ren auch Ecken und Kan­ten, und die ge­fal­len nicht al­len.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 16. August 2019

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