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Weih­nachts­geld steigt um 1,9 Pro­zent

Das lan­des­durch­schnitt­li­che Weih­nachts­geld steigt er­neut an. Vor al­lem für Mit­ar­bei­ter in Be­trie­ben, für die ein Ta­rif­ver­trag gilt
Weihnachtsmann auf Geldscheinen

04.11.2019. (dpa/fle) - Vie­le Ar­beit­neh­mer in Deutsch­land ha­ben es längst ein­ge­plant: Das jähr­li­che Weih­nachts­geld.

Ins­be­son­de­re Ta­rif­be­schäf­tig­te kön­nen sich auf das Ex­tra zum Jah­res­en­de ver­las­sen, wie das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt am Mon­tag be­rich­te­te.

Knapp neun von zehn Be­schäf­tig­ten (86,9 Pro­zent) er­hal­ten hier in die­sem Jahr ei­ne Son­der­zah­lung. Im Schnitt sind es 2.632 EUR brut­to - 1,9 Pro­zent mehr als im Vor­jahr. 2018 hat­te es ein Plus von 2,3 Pro­zent ge­ge­ben.

Zwi­schen ein­zel­nen Bran­chen so­wie zwi­schen Ost und West gibt es al­ler­dings teils deut­li­che Un­ter­schie­de. In West­deutsch­land be­kom­men Ta­rif­be­schäf­tig­te im Schnitt ein Zu­satz­plus von 2.644 EUR, im Os­ten sind es 2.547 EUR.

Be­trach­tet man die Bran­chen, kön­nen sich Mit­ar­bei­ter in der Erd­öl- und Erd­gas­ge­win­nung auf die höchs­te Son­der­zah­lung freu­en. Sie be­kom­men 5.780 EUR. Be­son­ders we­nig Weih­nachts­geld gibt es in der Land­wirt­schaft (492 EUR), bei Wach- und Si­cher­heits­diens­ten (510 EUR) so­wie in der Leih­ar­beit (318 EUR).

Aus Sicht des WSI-Ta­rif­ex­per­ten Mal­te Lüb­ker ste­hen mit Ta­rif­ver­trä­gen die Chan­cen aus­ge­spro­chen gut, das Ex­tra zum Jah­res­en­de zu er­hal­ten. "Fast durch die Bank be­kommt man mit Ta­rif­ver­trä­gen Weih­nachts­geld", sag­te der Ex­per­te des Wirt­schafts- und So­zi­al­wis­sen­schaft­li­chen In­sti­tuts (WSI) der ge­werk­schaft­li­chen Hans-Böck­ler-Stif­tung. Es gibt al­ler­dings Aus­nah­men: In ei­ni­gen Bran­chen, bei­spiels­wei­se bei Ge­bäu­de­rei­ni­gern, gibt es bis­lang noch kein ta­rif­lich ver­ein­bar­tes Weih­nachts­geld.

Zu­dem gel­ten Ta­rif­ver­trä­ge längst nicht für al­le Ar­beit­neh­mer. Ar­beits­markt­for­scher se­hen seit Jah­ren ei­ne "schlei­chen­de Ero­si­on" der Ta­rif­bin­dung. Nach jüngs­ten Da­ten des Nürn­ber­ger In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB) ar­bei­te­ten im ver­gan­ge­nen Jahr 46 Pro­zent der Be­schäf­tig­ten in Be­trie­ben mit ei­nem Bran­chen­ta­rif. Seit 1996 ist den An­teil den An­ga­ben zu­fol­ge da­mit bun­des­weit um 21 Pro­zent­punk­te ge­sun­ken.

Da­ne­ben gibt es noch Fir­men- und Haus­ta­rif­ver­trä­ge. In West­deutsch­land gal­ten 2018 für acht Pro­zent der Be­schäf­tig­ten sol­che auf Fir­me­nebe­ne aus­ge­han­del­ten Re­ge­lun­gen, in Ost­deutsch­land für elf Pro­zent. Al­ler­dings gilt dem IAB zu­fol­ge selbst in Un­ter­neh­men oh­ne Ta­rif­bin­dung die je­wei­li­ge Bran­chen­ver­ein­ba­rung oft als Richt­schnur für Löh­ne und Ge­häl­ter.

Wenn es ums Weih­nachts­geld geht, schei­nen Be­schäf­tig­te in nicht-ta­rif­ge­bun­de­nen Be­trie­ben je­doch schlech­te­re Kar­ten zu ha­ben. Im ver­gan­ge­nen Jahr be­ka­men nach ei­ner On­line-Be­fra­gung des WSI nur 42 Pro­zent Weih­nachts­geld. In den Be­trie­ben oh­ne Ta­rif­bin­dung wer­de das Weih­nachts­geld oft nur als frei­wil­li­ge Zah­lung ge­leis­tet, die un­ter be­stimm­ten Be­din­gun­gen wie­der ein­ge­stellt wer­den kön­ne.

Nicht sel­ten steht das Ex­tra un­ter dem Vor­be­halt der Be­triebs­treue oder er­reich­ter Er­folgs­zie­le. Denn hin­ter dem Be­griff Weih­nachts­geld ver­ber­gen sich so un­ter­schied­li­che Din­ge wie Er­folgs- und Treue­prä­mi­en, frei­wil­li­ge Bo­ni eben­so wie ta­rif­lich fest­ge­schrie­be­ne Ent­gelt­an­sprü­che der Be­schäf­tig­ten. Die Wies­ba­de­ner Sta­tis­ti­ker er­fas­sen bei­spiels­wei­se al­le zu­sätz­li­chen Jah­res­zah­lun­gen, die laut Ta­rif­ver­trag im No­vem­ber oder De­zem­ber aus­ge­zahlt wer­den müs­sen. Aus­ge­wer­tet wur­den 650 Bran­chen- und Fir­men­ta­rif­ver­trä­ge.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 4. November 2019

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