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Wie das Prak­ti­kum zum Er­folg wird

Prak­ti­ka ge­hö­ren zur Aus­bil­dung da­zu. Wer ge­wis­se Re­geln be­ach­tet, kann die Zeit als Chan­ce für ei­nen Be­rufs­ein­stieg nut­zen
Bewerbung, Bewerbungsgespräch, Bewerbungsunterlagen

16.11.2019. (dpa/fle) - Kein ei­ge­ner Ar­beits­platz, kei­ne Zu­gangs­da­ten für den Com­pu­ter, kein rich­ti­ger An­sprech­part­ner und vor­ge­scho­be­ne Auf­trä­ge, weil nichts Bes­se­res zu tun ist: Nicht im­mer sind Prak­ti­ka von Un­ter­neh­mens­sei­te be­son­ders gut or­ga­ni­siert.

Doch ei­ni­ges ha­ben Prak­ti­kan­ten selbst in der Hand, da­mit die Zeit für sie ein Ge­winn wird.

"Im bes­ten Fall fängt ein Prak­ti­kum schon vor dem Prak­ti­kum an", sagt Su­san­ne Braun vom Deut­schen Ge­werk­schafts­bund (DGB). Das heißt: Wer ein Prak­ti­kum macht, soll­te sich dar­über im Kla­ren sein, wel­che Er­war­tun­gen er hat. "Die­se soll­ten sich dann auch im Prak­ti­kums­ver­trag oder in der Nie­der­schrift we­sent­li­cher Ver­trags­be­din­gun­gen wi­der­spie­geln."

Sind die­se Rah­men­be­din­gun­gen ge­re­gelt, sei der ers­te Tag im Un­ter­neh­men ge­eig­net, um ei­nen Prak­ti­kums­plan zu er­stel­len. "Er dient da­zu, ei­ne Über­sicht zu ha­ben, an wel­chen Ter­mi­nen der Prak­ti­kant teil­neh­men soll­te und wel­che Lern­in­hal­te wie und wann ver­mit­telt wer­den", er­läu­tert Braun.

Da­ne­ben ist selbst­be­wuss­tes Auf­tre­ten ent­schei­dend. Rhe­to­rik-Trai­ne­rin Bea­trix Schwarz­bach fin­det, die Kör­per­spra­che soll­te Wach­heit, Of­fen­heit und In­ter­es­se ver­mit­teln. Kon­kret heißt das: Prak­ti­kan­ten soll­ten auf ei­nen fes­ten Hän­de­druck ach­ten, sich mit gan­zem Na­men vor­stel­len und beim ers­ten Rund­gang durch die Fir­ma Fra­gen stel­len, um schon ein­mal In­for­ma­tio­nen zu sam­meln.

Wo muss über­haupt ich hin? Wel­che Auf­ga­ben er­war­ten mich? Was, wenn mich nie­mand be­ach­tet? Ner­vo­si­tät ist vor dem ers­ten Prak­ti­kums­tag ganz na­tür­lich. Des­halb fängt die Vor­be­rei­tung schon auf dem Ar­beits­weg an. Wäh­rend­des­sen soll­ten sich Prak­ti­kan­ten auf ih­re At­mung fo­kus­sie­ren, rät Schwarz­bach. Nicht zu tief ein­at­men - und durch das Aus­at­men Span­nung los­las­sen. Au­ßer­dem hilft es, be­wusst Hän­de und Schul­tern zu lo­ckern.

Si­cher­heit gibt es, wenn man ein paar Fak­ten über den Ar­beit­ge­ber pa­rat hat. "Da­zu ge­hört bei­spiels­wei­se, noch­mals wich­ti­ge Eck­da­ten auf der Un­ter­neh­mens­web­site nach­zu­le­sen, sich über even­tu­el­le Dress­code-Vor­schrif­ten zu in­for­mie­ren und sich Na­men be­kann­ter An­sprech­part­ner ein­zu­prä­gen", er­klärt Image­trai­ne­rin Isa­bel Schür­mann.

Sind die ers­ten Ta­ge erst ein­mal über­stan­den, ist man als Prak­ti­kant mo­ti­viert, Auf­ga­ben zu über­neh­men und mög­lichst viel zu ler­nen. Da­bei sei wich­tig, zu ent­schei­den, wie viel man als Prak­ti­kant rea­lis­tisch ab­ar­bei­ten und ver­ant­wor­ten kann.

Aber nie­mand muss gleich die Flin­te ins Korn wer­fen, wenn er zu­nächst mit leich­ten Übun­gen an­fan­gen muss. "Ein­fa­che, eher nie­der­schwel­li­ge Auf­ga­ben kön­nen durch­aus Be­stand­teil der Prak­ti­kums­ar­bei­ten sein", sagt Schür­mann.

Da­ge­gen sei nichts ein­zu­wen­den, denn auch Rou­ti­ne­tä­tig­kei­ten ge­hö­ren zum Ar­beits­all­tag, und soll­ten sorg­fäl­tig er­le­digt wer­den. Die Image­trai­ne­rin ist sich si­cher: Je grö­ßer die Lern­be­reit­schaft, Ei­gen­in­itia­ti­ve und Neu­gier­de, des­to span­nen­der und lehr­rei­cher wer­den auch die über­tra­ge­nen Auf­ga­ben sein.

Schür­mann emp­fiehlt, zu­nächst das Mit­ein­an­der im Team auf­merk­sam zu be­ob­ach­ten. Da­durch be­kommt man mög­lichst schnell ein gu­tes Ver­ständ­nis wich­ti­ger Ab­läu­fe. Wer kei­ne kon­kre­ten Ar­beits­an­wei­sun­gen be­kommt und auch an­der­wei­tig nicht ein­ge­bun­den wird, soll­te ak­tiv auf Team­mit­glie­der zu­ge­hen und Un­ter­stüt­zung an­bie­ten.

"Stellt sich dann nach ei­ner ge­wis­sen Zeit her­aus, dass die über­tra­ge­nen Auf­ga­ben im­mer glei­che Rou­ti­ne­ar­bei­ten sind und nicht den im Vor­stel­lungs­ge­spräch zu­ge­sag­ten In­hal­ten ent­spre­chen, emp­feh­le ich, das Ge­spräch zu su­chen", emp­fiehlt Schür­mann.

Man­che Prak­ti­ka fan­gen viel­ver­spre­chend an, er­wei­sen sich je­doch spä­ter als Ent­täu­schung. "Im Not­fall kann das hei­ßen, dass es bes­ser ist, das Prak­ti­kum ab­zu­bre­chen, als sich wo­chen­lang durch­zu­quä­len", sagt Su­san­ne Braun. Wer als bil­li­ge Ar­beits­kraft aus­ge­nutzt wird, oh­ne et­was zu ler­nen, oder im Ar­beits­um­feld von Dis­kri­mi­nie­rung und Mob­bing be­trof­fen ist, soll­te sich Be­ra­tung su­chen.

Geht es dar­um, den Prak­ti­kums­be­treu­er oder Vor­ge­setz­ten auf man­geln­de Auf­ga­ben an­zu­spre­chen, sind Of­fen­heit, Freund­lich­keit und Kon­struk­ti­vi­tät Trumpf, sonst kön­ne man kei­ne Be­zie­hung knüp­fen, er­klärt Rhe­to­rik-Trai­ne­rin Schwarz­bach. Auf der an­de­ren Sei­te soll­te man es eben­so kon­kret an­spre­chen, wenn man über­for­dert ist. In der Po­si­ti­on des Prak­ti­kan­ten zu sein, sei kein Grund, sich zu­rück­zu­hal­ten.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 16. November 2019

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