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Wie er­folg­ver­spre­chend sind Job­mes­sen?

In Deutsch­land fin­den pro Jahr et­wa 200 Job­mes­sen statt. Lohnt sich der Be­such für Be­wer­ber?
Messe, viele Geschäftsleute

11.11.2019. (dpa/fle) - Der Le­bens­lauf liegt aus­ge­druckt in der Map­pe, die Schu­he sind ge­putzt, und die Mo­ti­va­ti­on ist groß - aber an der Ein­gangs­tür der Kar­rie­re­mes­se be­kom­men vie­le feuch­te Hän­de.

Kein Wun­der: Schließ­lich ler­nen Be­su­cher dort wo­mög­lich ih­ren neu­en Ar­beit­ge­ber ken­nen.

Das so ein Ter­min - nicht an­ders als ein Vor­stel­lungs­ge­spräch - al­so oft für Ner­vo­si­tät und wei­che Knie sorgt, ist nach­voll­zieh­bar.

Vie­le stol­pern da­bei zu un­be­darft in die Mes­se­hal­len. "Mei­ne Er­fah­rung ist, dass Be­wer­ber sich um Kopf und Kra­gen re­den", hat Job­coach Tan­ja Herr­mann-Hurt­zig aus Lan­gen­feld be­ob­ach­tet. Die Trai­ne­rin ist seit 20 Jah­ren im Per­so­nal­ma­nage­ment tä­tig und war be­reits auf vie­len Job­mes­sen.

Gründ­li­che Vor­be­rei­tung ist da­her das A und O. Am bes­ten in­for­mie­ren sich In­ter­es­sier­te schon vor­ab, wel­che Un­ter­neh­men auf der Mes­se ver­tre­ten sein wer­den und ge­hen bei der Re­cher­che et­was in die Tie­fe. "Wie heißt der An­sprech­part­ner, wie groß ist das Un­ter­neh­men, was sind die Pro­duk­te, wie ist der Wett­be­werb?", zählt Herr­mann-Hurt­zig auf. Wer schon vor der Mes­se Stel­len­aus­schrei­bun­gen ei­nes Un­ter­neh­mens stu­diert, kann zu­sätz­li­che Hin­wei­se auf ge­wünsch­te Kom­pe­ten­zen fin­den.

Be­wer­ber su­chen je­doch nicht im­mer aus ei­ner Sie­ger­po­si­ti­on her­aus nach ei­ner neu­en Stel­le. Ar­beits­lo­sig­keit, Er­zie­hungs­zei­ten, ge­bro­che­ne Er­werbs­bio­gra­fi­en oder Frust im ak­tu­el­len Job kön­nen bei der Selbst­prä­sen­ta­ti­on hem­men.

"Das ist im­mer ei­ne Fra­ge der Per­spek­ti­ve", so Herr­mann-Hurt­zig. Grund­sätz­lich gel­te: Mie­se­pe­ter sucht kei­ner. "Ich wür­de im­mer sa­gen: Wel­che Er­war­tun­gen ha­be ich an das Un­ter­neh­men, was möch­te ich ger­ne in Zu­kunft ma­chen, da­mit ich auch mei­ne vol­le Ka­pa­zi­tät ein­brin­gen kann?"

Lü­gen muss da­bei nie­mand, denn Per­so­na­ler ver­ste­hen, dass nicht im­mer al­les im Le­ben glatt läuft. Bes­ser sei ei­ne po­si­ti­ve Hal­tung zu den ei­ge­nen Be­rufs­plä­nen, so Herr­mann-Hurt­zig - un­ter­stützt von ei­ner of­fe­nen Kör­per­spra­che und ei­nem Lä­cheln im Ge­sicht. Wer im per­sön­li­chen Ge­spräch un­si­cher ist, soll­te es vor­ab mit Freun­den oder ei­nem Auf­nah­me­ge­rät üben.

Es spricht auch nichts da­ge­gen, gleich vor Ort los­zu­le­gen. Je öf­ter man ei­ne Si­tua­ti­on durch­spielt, des­to sou­ve­rä­ner wird man. Wer will, kann am Stand ei­nes we­ni­ger fa­vo­ri­sier­ten Un­ter­neh­mens sein ers­tes Ge­spräch ab­sol­vie­ren, rät Marc Ten­bieg, ge­schäfts­füh­ren­der Vor­stand im Deut­schen Mit­tel­stands-Bund (DMB).

Er hat Stra­te­gi­en pa­rat, um dem Un­ter­neh­men von In­ter­es­se im Ge­dächt­nis zu blei­ben: "Ich fin­de Be­wer­bungs­map­pen in Pa­pier­form grund­sätz­lich nicht ver­kehrt. Die kann ich nicht so ver­ste­cken wie ei­nen E-Mail-Ord­ner." Ein USB-Stick mit di­gi­ta­len Un­ter­la­gen kön­ne aber eben­so ein­ge­reicht wer­den.

Kar­rie­re­mes­sen sind da­bei nicht nur für Be­wer­ber wich­tig - sie sind viel­mehr ein Ge­winn für bei­de Sei­ten. Auch für Un­ter­neh­men, be­tont Ten­bieg. Sie er­fah­ren ei­ner­seits, wer sich für sie in­ter­es­siert. Am Stand kä­men au­ßer­dem teils ge­ziel­te­re Kon­tak­te zu­stan­de als bei ei­ner breit ge­streu­ten On­line-An­zei­ge. Be­wer­ber brau­chen al­so nicht zö­ger­lich sein, wenn sie den­ken, gut zu ei­nem Un­ter­neh­men zu pas­sen.

Ge­hen Be­wer­ber al­so am En­de ei­nes lan­gen Mes­se­ta­ges nicht nur mit Ta­schen voll Ku­gel­schrei­bern und Fly­ern nach Hau­se, son­dern auch mit zahl­rei­chen Job-An­ge­bo­ten im Ge­päck? Wie er­folg­ver­spre­chend sol­che Mes­sen sind, lässt sich pau­schal nur schwer sa­gen.

Für Dia­na Ant­wer­pes vom Ar­beit­ge­ber­ser­vice der Ar­beits­agen­tur in Net­te­tal ist ein Plus von Job­mes­sen auf je­den Fall, dass es fes­te Ge­sprächss­lots gibt, die Kan­di­da­ten bei den Un­ter­neh­men bu­chen kön­nen.

Auch ein weit­ge­fä­cher­tes Rah­men­pro­gramm und Work­shops be­rei­chern vie­le Mes­sen heut­zu­ta­ge. Ten­bieg sieht die­se flan­kie­ren­den Events po­si­tiv. So schaf­fe bei­spiels­wei­se ein Busi­ness-Früh­stück am Stand ei­ne lo­cke­re At­mo­sphä­re.

Wer beim po­ten­zi­el­len neu­en Ar­beit­ge­ber auf der Mes­se punk­ten konn­te, soll­te den Kon­takt fes­ti­gen. Herr­mann-Hurt­zig rät, zü­gig ei­ne E-Mail zu schrei­ben. Oder On­line-Kar­rie­re­por­ta­le zum Netz­wer­ken zu nut­zen. Die­se or­ga­ni­sier­ten teils ei­ge­ne Events, die wei­te­re An­knüp­fungs­punk­te bie­ten.

Selbst bei ei­ner Ab­sa­ge sind noch nicht al­le Chan­cen ver­tan. Denn Per­so­na­ler hal­ten sich vor, ab­ge­lehn­te, aber ge­eig­ne­te Kan­di­da­ten zu ei­nem spä­te­ren Punkt noch ein­mal zu kon­tak­tie­ren. So lässt sich un­ter Um­stän­den mit ei­nem Te­le­fo­nat ein pas­sen­der Kan­di­dat fin­den. "Der ver­deck­te Stel­len­markt ist nicht zu un­ter­schät­zen", macht Her­mann-Hurt­zig Mut.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. November 2019

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