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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/275

Wirt­schaft zwi­schen Ban­gen und Hof­fen

2020 wird kein leich­tes Jahr sa­gen Öko­no­men vor­aus. Was be­deu­tet das für Be­schäf­tig­te, Un­ter­neh­men und Ver­brau­cher?
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13.12.2019. (dpa/fle) - Der jah­re­lan­ge Auf­schwung in Deutsch­land ist vor­erst be­en­det.

Glo­ba­le Han­dels­kon­flik­te, die Ab­küh­lung der Welt­kon­junk­tur und die Brex­it-Hän­ge­par­tie brem­sen vor al­lem die ex­port­ori­en­tier­te In­dus­trie.

Dar­an dürf­te sich auch 2020 zu­nächst nicht viel än­dern. "Es wird ein schwie­ri­ges Jahr. Dem wird sich auch Deutsch­land nicht ent­zie­hen kön­nen", sagt LBBW-Chef­volks­wirt Uwe Bur­kert vor­aus. Der Sach­ver­stän­di­gen­rat zur Be­gut­ach­tung der ge­samt­wirt­schaft­li­chen (Wirt­schafts­wei­se) er­war­tet frü­hes­tens im Jah­res­ver­lauf 2020 ei­ne Kon­junk­tur­be­le­bung. Es gibt aber auch Licht­bli­cke.

Bis­lang trotzt der Ar­beits­markt der Kon­junk­tur­flau­te. Zwar sor­gen gro­ße Kon­zer­ne wie BASF, Thys­sen­krupp oder die Deut­sche Bank mit dem Ab­bau Tau­sen­der Stel­len für Schlag­zei­len. Nach Ein­schät­zung der Wirt­schafts­wei­sen wird die Ar­beits­lo­sen­quo­te ins­ge­samt 2020 aber nur ge­ring­fü­gig von 5 Pro­zent auf 5,1 Pro­zent stei­gen. An­de­re Öko­no­men rech­nen so­gar mit ei­nem leich­ten Rück­gang. Nach wie vor su­chen vie­le Un­ter­neh­men - vor al­lem klei­ne­re und mitt­le­re - hän­de­rin­gend Fach­kräf­te. Sie ver­su­chen da­her, Mit­ar­bei­ter auch in schwie­ri­ge­ren Zei­ten zu hal­ten, zum Bei­spiel mit Kurz­ar­beit. "Mit den üp­pig ge­füll­ten Ar­beits­zeit­kon­ten und den groß­zü­gi­gen Re­ge­lun­gen zum Kurz­ar­bei­ter­geld ste­hen auch dies­mal wirk­sa­me In­stru­men­te be­reit, die so­gar in der schwe­ren Re­zes­si­on des Jah­res 2009 ei­nen Ein­bruch der Be­schäf­ti­gung ver­hin­dert ha­ben", ar­gu­men­tiert Com­merz­bank-Chef­volks­wirt Jörg Krä­mer.

We­gen der nach wie vor gu­ten La­ge auf dem Ar­beits­markt be­kom­men die meis­ten Ver­brau­cher bis­lang noch nicht viel von der Kon­junk­tur­flau­te zu spü­ren. Dank der ver­gleichs­wei­se nied­ri­gen In­fla­ti­on ha­ben Be­schäf­tig­te mehr von den jüngs­ten Lohn- und Ge­halts­er­hö­hun­gen. Nach Be­rech­nun­gen des WSI-Ta­rif­ar­chivs der ge­werk­schafts­na­hen Böck­ler-Stif­tung sind die Ta­rif­ge­häl­ter 2019 um durch­schnitt­lich 3 Pro­zent ge­stie­gen und da­mit er­neut stär­ker als die Ver­brau­cher­prei­se mit et­wa 1,4 Pro­zent. Hin­zu kom­men die his­to­risch nied­ri­gen Zin­sen, die die Bud­gets der pri­va­ten Haus­hal­te ent­las­ten.

Dar­an dürf­te sich auch 2020 nicht viel än­dern. Ein deut­li­cher An­stieg der Ver­brau­cher­prei­se wird nicht er­war­tet, ein bal­di­ges En­de der Zins­flau­te im Eu­ro­raum ist nicht in Sicht. Nach Ein­schät­zung der Deut­schen In­sti­tuts für Wirt­schafts­for­schung (DIW) wer­den die Pri­vat­haus­hal­te in den kom­men­den bei­den Jah­ren von mehr Geld im Porte­mon­naie pro­fi­tie­ren: "Die Ren­ten wer­den recht kräf­tig stei­gen, Steu­er­er­leich­te­run­gen sind auf den Weg ge­bracht und vor al­lem die Ab­schaf­fung des So­li­da­ri­täts­zu­schlags für ei­nen Groß­teil der Haus­hal­te dürf­te die Kon­sum­lau­ne wei­ter stei­gern." Der Pri­vat­kon­sum wird Öko­no­men zu­fol­ge die Kon­junk­tur in Eu­ro­pas größ­ter Volks­wirt­schaft auch 2020 stüt­zen.

Kräf­ti­gen Ge­gen­wind spürt da­ge­gen die deut­sche In­dus­trie. In­ter­na­tio­na­le Han­dels­kon­flik­te und die Brex­it-Hän­ge­par­tie be­las­ten vor al­lem Un­ter­neh­men, die viel ins Aus­land lie­fern. Der Welt­han­del schwä­chelt, ver­un­si­cher­te Kun­den hal­ten sich mit Be­stel­lun­gen zu­rück. Bei In­dus­trie­un­ter­neh­men ge­hen we­ni­ger Auf­trä­ge ein. Die Fol­ge: Die Pro­duk­ti­on muss her­un­ter­ge­fah­ren wer­den. Der In­dus­trie­ver­band BDI rech­net da­mit, dass die In­dus­trie­pro­duk­ti­on in Deutsch­land 2019 um ins­ge­samt vier Pro­zent schrumpft. Die Flau­te trifft vor al­lem ex­port­ori­en­tier­te Schlüs­sel­bran­chen wie den Au­to- und Ma­schi­nen­bau so­wie die Elek­tro- und Che­mie­in­dus­trie. Ste­fan Kooths vom In­sti­tut für Welt­wirt­schaft (IfW) in Kiel sieht aber ers­te An­zei­chen für ei­ne Auf­hel­lung: "Der Ab­wärts­sog wird schwä­cher, im Aus­lands­ge­schäft ist so­gar schon ei­ne leich­te Auf­wärts­ten­denz er­kenn­bar."

Die Flau­te hin­ter­lässt al­ler­dings ers­te Spu­ren, auch in an­de­ren Bran­chen. So er­war­tet die Wirt­schafts­aus­kunf­tei Credit­re­form erst­mals seit dem Kri­sen­jahr 2009 im nächs­ten Jahr ins­ge­samt wie­der ei­nen An­stieg der Fir­men­plei­ten. "Die kon­junk­tu­rel­le Ab­schwä­chung in Deutsch­land macht sich zu­neh­mend in der In­sol­venz­sta­tis­tik be­merk­bar", stell­te Credit­re­form-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Vol­ker Ul­bricht kürz­lich fest. Für 2020 rech­net er mit 19.800 Fir­men­plei­ten nach ge­schätzt 19.400 in die­sem Jahr.

Die Ab­küh­lung der Kon­junk­tur könn­te die von Nied­rig­zin­sen ge­beu­tel­ten Kre­dit­in­sti­tu­te vor zu­sätz­li­che Pro­ble­me stel­len. Sie müs­sen mög­li­cher­wei­se mehr Geld bei­sei­te­le­gen für den Fall, dass Kun­den ih­re Kre­di­te nicht mehr be­die­nen kön­nen. Bay­erns Spar­kas­sen­prä­si­dent Ul­rich Net­zer warn­te jüngst, dass mit der Kon­junk­tur­ab­schwä­chung vor­aus­sicht­lich die not­lei­den­den Kre­di­te bei den kom­mu­na­len Geld­in­sti­tu­ten zu­neh­men könn­ten. Er se­he in Bay­ern noch kei­ne Spar­kas­se mit ro­ten Zah­len. "Aber die nach­las­sen­de Kon­junk­tur ist ei­ne wei­te­re Zu­tat für ei­nen bit­te­ren Cock­tail."

Nach Ein­schät­zung der Deut­schen Bun­des­bank er­hö­hen Zins­tief und Kon­junk­tur­schwä­che die Ri­si­ken für das hei­mi­sche Fi­nanz­sys­tem. "Die Ver­wund­bar­keit hat zu­ge­nom­men", sag­te Bun­des­bank-Vi­ze­prä­si­den­tin Clau­dia Buch.

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Letzte Überarbeitung: 14. Dezember 2019

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