HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/164

Wo­hin steu­ert die Kon­junk­tur?

Die Hoff­nung auf ei­nen Kon­junk­tur­auf­schwung im zwei­ten Halb­jahr schwin­det. Doch rutscht die Kon­junk­tur wirk­lich ab?
Diagramme auf Tablet, Statistiken, Studien

11.07.2019. (dpa/fle) - Die schlech­ten Nach­rich­ten für die deut­sche Wirt­schaft schei­nen nicht ab­zu­rei­ßen: Bör­sen­schwer­ge­wich­te wie BASF oder Luft­han­sa kap­pen ih­re Ge­winn­pro­gno­sen, Tau­sen­de Stel­len ste­hen bei Groß­kon­zer­nen auf der Kip­pe, Wirt­schafts­ver­bän­de bli­cken im­mer skep­ti­scher in die Zu­kunft.

"Das zwei­te Halb­jahr hat be­gon­nen, und von der all­ge­mein er­war­te­ten Be­le­bung der Kon­junk­tur in Deutsch­land ist nichts zu se­hen", be­schreibt Com­merz­bank-Kon­junk­tur­ex­per­te Ralph Sol­veen die ak­tu­el­le La­ge.

Die in­ter­na­tio­na­len Han­dels­kon­flik­te hin­ter­las­sen im­mer deut­li­che­re Spu­ren. Das trifft die ex­port­ori­en­tier­te deut­sche Wirt­schaft. Der vor al­lem für Au­tos oder Ma­schi­nen "ma­de in Ger­ma­ny" wich­ti­ge chi­ne­si­sche Ab­satz­markt schwä­chelt. Hin­zu kommt der Struk­tur­wan­del in der Au­to­in­dus­trie we­gen der Elek­tro­mo­bi­li­tät. Ma­schi­nen­bau­er und Che­mie­in­dus­trie be­kla­gen, dass sich Kun­den aus der Au­to­bran­che mit Be­stel­lun­gen zu­rück­hal­ten.

Der Chef des Deut­schen In­sti­tuts für Wirt­schafts­for­schung (DIW), Mar­cel Fratz­scher, sieht trotz der Ri­si­ken kei­nen Grund für Schwarz­ma­le­rei: "Wir soll­ten in Deutsch­land nicht in Pa­nik über die sich ab­schwä­chen­de wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung ver­fal­len. Die Grund­la­ge der deut­schen Wirt­schaft ist nach wie vor sehr so­li­de."

Am Lau­fen ge­hal­ten wird die deut­sche Wirt­schaft mo­men­tan vor al­lem vom Bau­boom und der Kon­sum­freu­de der Ver­brau­cher. Die kon­junk­tu­rel­le Schwä­che füh­re al­ler­dings zur Ver­un­si­che­rung bei den Men­schen, «da­mit zu we­ni­ger Kon­sum und da­durch wie­der­um zu we­ni­ger Wachs­tum», er­läu­tert Fratz­scher. Die Bun­des­re­gie­rung soll­te sich dar­auf vor­be­rei­ten und ein nach­hal­ti­ges In­ves­ti­ti­ons­pro­gramm be­schlie­ßen, um ei­nen lang­fris­ti­gen Im­puls zu set­zen.

Nach Ein­schät­zung des Ifo-Kon­junk­tur­ch­efs Ti­mo Woll­mers­häu­ser gibt es be­reits "ers­te An­zei­chen, dass sich die In­dus­trie­schwä­che auch auf an­de­re Wirt­schafts­be­rei­che über­trägt". So ha­be sich die Stim­mung bei den in­dus­trie­na­hen Dienst­leis­tern, et­wa in der Lo­gis­tik, deut­lich ein­ge­trübt.

Zwar sind die Auf­trags­bü­cher vie­ler Un­ter­neh­men noch gut ge­füllt. Ge­hen je­doch kei­ne neu­en Be­stel­lun­gen im nen­nens­wer­ten Um­fang ein, müs­sen Her­stel­ler ih­re Pro­duk­ti­on dros­seln. Das hat Fol­gen für die Be­schäf­tig­ten.

Laut ei­ner Um­fra­ge des Ifo-In­sti­tuts steigt die Zahl der In­dus­trie­un­ter­neh­men, die mit Kurz­ar­beit rech­nen, oder sie be­reits ein­ge­führt ha­ben. Der­zeit fah­ren 3,8 Pro­zent der Un­ter­neh­men im Ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­be Kurz­ar­beit. 8,5 Pro­zent rech­nen mit ei­ner Ein­füh­rung in den kom­men­den drei Mo­na­ten. Das ist der höchs­te Wert seit 2013. Kurz­ar­beit hilft, Fach­kräf­te in schwie­ri­ge­ren Zei­ten zu hal­ten und Ent­las­sun­gen zu ver­hin­dern.

Stel­len­kür­zun­gen für die nächs­ten Mo­na­te und Jah­re ha­ben be­reits ei­ne gan­ze Rei­he pro­mi­nen­ter Un­ter­neh­men an­ge­kün­digt. So will der US-Au­to­her­stel­ler Ford 5.400 Stel­len in Deutsch­land strei­chen, Thys­sen­Krupp 4.000, BASF 3.000 und Sie­mens 1.400. Bei der Deut­schen Bank sol­len weit­weit rund 18.000 Voll­zeit­jobs ver­schwin­den, in Deutsch­land dürf­te sich der Ab­bau al­ler­dings in Gren­zen hal­ten. Auch wenn die Plä­ne teil­wei­se un­ter­neh­mens­spe­zi­fi­sche Grün­de ha­ben, die Sor­ge wächst.

"Wenn sich der Be­schäf­ti­gungs­auf­bau wei­ter ver­lang­samt oder die Ar­beits­lo­sig­keit gar zu­nimmt, stei­gen die Ein­kom­men der Haus­hal­te nicht mehr so kräf­tig und sie hal­ten sich bei den Kon­sum­aus­ga­ben zu­rück", er­läu­tert Woll­mers­häu­ser. Der­zeit rech­ne das Ifo-In­sti­tut aber da­mit, dass sich die In­dus­trie ge­gen En­de des Jah­res all­mäh­lich wie­der er­ho­le.

Auch der Prä­si­dent der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) Det­lef Schee­le, sieht ei­ne grund­le­gend an­de­re Si­tua­ti­on als bei­spiels­wei­se zu Zei­ten der in­ter­na­tio­na­len Fi­nanz­kri­se vor zehn Jah­ren: "Wir ge­hen zur­zeit da­von aus, (...) dass sich die­se kon­junk­tu­rel­le Ein­trü­bung über drei, vier Quar­ta­le hin­zieht und es dann wie­der an­zieht."

Hoff­nung macht Woll­mers­häu­ser das kürz­lich zwi­schen der Eu­ro­päi­schen Uni­on und den Mer­co­sur-Staa­ten ge­schlos­se­ne Frei­han­dels­ab­kom­men. "Es setzt ein wich­ti­ges Zei­chen ge­gen die Wirt­schafts­po­li­ti­ken, die über Ab­schot­tung, Sank­tio­nen und An­dro­hun­gen ver­su­chen, die glo­ba­li­sier­te Wirt­schafts­ord­nung zu ver­än­dern." Zu­dem wir­ke die Nied­rig­zins­po­li­tik der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) stüt­zend. "Das dürf­te der Bau­kon­junk­tur wei­ter Schwung ver­lei­hen."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 30. August 2019

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email* Nachname
  Abmelden   *Pflichtangabe

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2019:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de