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Wohl­fahrts­ver­band stellt Ar­muts­be­richt vor

Dem pa­ri­tä­ti­schen Wohl­fart­ver­bands zu­fol­ge geht die Ar­mut zwar zu­rück, es ent­ste­hen aber neue Pro­blem­re­gio­nen
Altersarmut, knappe Rente, Seniorin zählt Geldmünzen

13.12.2019. (dpa/fle) - Die Ver­tei­lung von Ar­mut in Deutsch­land hat sich nach ei­ner Stu­die des Pa­ri­tä­ti­schen Wohl­fahrts­ver­bands in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich ver­än­dert.

In sei­nem am Don­ners­tag ver­öf­fent­lich­ten "Ar­muts­be­richt 2019" stellt der Ver­band ei­ne wach­sen­de Kluft zwi­schen Wohl­stands- und Ar­muts­re­gio­nen nicht mehr nur ent­lang der al­ten Ost-West-Li­nie fest, son­dern im ge­sam­ten Land.

Au­ßer­dem ge­be es ei­nen star­ken An­stieg von Ar­mut in der Grup­pe der Rent­ner. Op­po­si­ti­ons­po­li­ti­ker spra­chen von ei­nem "Ar­muts­zeug­nis für die Bun­des­re­gie­rung".

Dem Be­richt zu­fol­ge ballt sich Ar­mut im Os­ten und in Nord­rhein-West­fa­len und in meh­re­ren Re­gio­nen ent­lang ei­nes "Nord­west­gür­tels", der sich von Schles­wig-Hol­stein über Nie­der­sach­sen und Hes­sen bis nach Rhein­land-Pfalz zieht. Dem stün­den die "wohl­ha­ben­den" Län­der Bay­ern und Ba­den-Würt­tem­berg ge­gen­über, heißt es. Das Ruhr­ge­biet blei­be mit ei­ner Ar­muts­quo­te von 21,1 Pro­zent bei 5,8 Mil­lio­nen Ein­woh­nern "Pro­blem­re­gi­on Num­mer 1".

Der Pa­ri­tä­ti­sche Wohl­fahrts­ver­band hat für sei­ne Aus­wer­tung Da­ten zur so­ge­nann­ten Ar­muts­ge­fähr­dung des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts re­gio­na­li­siert, die auf Be­völ­ke­rungs­be­fra­gun­gen zum Ein­kom­men ba­sie­ren. Auf der Deutsch­land­kar­te wird so sicht­bar, wo Ar­muts­schwer­punk­te und we­ni­ger von Ar­mut be­trof­fe­ne Re­gio­nen lie­gen. Bun­des­weit sei die Ar­muts­ge­fähr­dungs­quo­te 2018 zwar auf 15,5 Pro­zent zu­rück­ge­gan­gen. Trotz­dem "zeich­nen sich be­sorg­nis­er­re­gen­de Ent­wick­lun­gen und neue Pro­blem­re­gio­nen ins­be­son­de­re in West­deutsch­land ab", heißt es in dem Be­richt.

Wenn von Ar­mut in Deutsch­land die Re­de ist, geht es we­ni­ger um Hun­ger oder di­rek­te Not. Ar­mut wird in der Bun­des­re­pu­blik über das Haus­halts­ein­kom­men und die dar­aus fol­gen­den Mög­lich­kei­ten an ge­sell­schaft­li­cher Teil­ha­be de­fi­niert. Die Ar­muts­ge­fähr­dungs­quo­te gibt den An­teil der Be­völ­ke­rung an, der mit we­ni­ger als 60 Pro­zent des mitt­le­ren Ein­kom­mens aus­kom­men muss. Bei ei­nem Ein-Per­so­nen-Haus­halt lag die­se Gren­ze 2018 bei 1.035 EUR im Mo­nat. Ei­ne Fa­mi­lie mit zwei Kin­dern gilt als ar­muts­ge­fähr­det, wenn sie we­ni­ger als 2.174 EUR im Mo­nat für Wohn- und Le­bens­hal­tungs­kos­ten zur Ver­fü­gung hat.

Aber war­um der um­ständ­li­che Be­griff "ar­muts­ge­fähr­det"? War­um sagt man nicht gleich "arm"? Weil es hier­bei nur um Geld ge­he, das den Be­trof­fe­nen zur Ver­fü­gung ste­he, hieß es am Don­ners­tag auf Nach­fra­ge beim Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt. Ar­mut be­mes­se sich aber nicht al­lein am Geld, son­dern um­fas­se mehr. Au­ßer­dem sei­en die Da­ten im­mer nur Mo­ment­auf­nah­men. Wenn bei­spiels­wei­se ein Selbst­stän­di­ger bei der stich­pro­ben­ar­ti­gen Ein­kom­mens­be­fra­gung an­ge­be, dass er in die­sem Mo­nat kaum Ein­nah­men ge­habt ha­be, wür­de die­ser so­fort als "arm" ein­ge­stuft, ob­wohl er viel­leicht aufs Jahr ge­rech­net gu­te Ge­schäf­te ge­macht ha­be.

Der Pa­ri­tä­ti­sche Wohl­fahrts­ver­band sieht das an­ders: Für ihn sind Men­schen un­ter der 60-Pro­zent-Ein­kom­mens­schwel­le de­fi­ni­tiv arm und nicht nur ar­muts­ge­fähr­det. "Al­les in un­se­rer Ge­sell­schaft läuft nun­mal über Geld. Oh­ne Geld geht nichts", sag­te Haupt­ge­schäfts­füh­rer Ul­rich Schnei­der. Be­son­ders kri­tisch sieht der Ver­band die Ar­muts­ent­wick­lung bei Rent­nern. 2008 wa­ren dem­nach noch 12 Pro­zent der Rent­ner arm oder ar­muts­ge­fähr­det - je nach De­fi­ni­ti­on -, 2018 wa­ren es 16 Pro­zent. Die Rent­ner sei­en die Grup­pe mit der schlech­tes­ten Ent­wick­lung.

Der So­zi­al­ver­band VdK nann­te die Zah­len des Ar­muts­be­richts alar­mie­rend. Er schloss sich der For­de­rung des Pa­ri­tä­ti­schen nach ei­nem hö­he­ren Min­dest­lohn und hö­he­ren Hartz-IV-Sät­zen an. Lin­ke-Frak­ti­ons­chef Diet­mar Bartsch sag­te: "Die Zah­len des Pa­ri­tä­ti­schen sind ein Ar­muts­zeug­nis für die gro­ße Ko­ali­ti­on". Trotz jah­re­lan­gen Auf­schwungs und Re­kord­be­schäf­ti­gung könn­ten Ar­muts­re­gio­nen nicht auf­ho­len. Von ei­nem "Ar­muts­zeug­nis für die Bun­des­re­gie­rung" sprach auch die Frak­ti­ons­che­fin der Grü­nen, Kat­rin Gö­ring-Eckardt.

Lin­ke und Grü­ne er­neu­er­ten ih­re For­de­rung nach ei­ner stär­ke­ren Un­ter­stüt­zung für Kin­der aus ein­kom­mens­schwa­chen Haus­hal­ten. Bei­de Par­tei­en - wie auch die SPD - spre­chen sich für ei­ne so­ge­nann­te Kin­der­grund­si­che­rung aus, in der al­le staat­li­chen Leis­tun­gen für Kin­der un­bü­ro­kra­tisch zu­sam­men­ge­fasst wer­den.

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Letzte Überarbeitung: 13. Dezember 2019

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