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ENTSCHEIDUNGSREPORT FÜR DIE BETRIEBLICHE PRAXIS 01|2025

Update Arbeitsrecht 01|2025 vom 31.01.2025

Arbeit und Soziales

Reformdebatte: Am ersten Krankheitstag keine Entgeltfortzahlung mehr?

Anfang Januar sprach sich der Vorstandsvorsitzende der Allianz SE Oliver Bäte für einen Karenztag bei der Entgeltfortzahlung aus. Danach soll es erst ab dem zweiten Krankheitstag Lohnfortzahlung geben.

31.01.2025. Durchschnittlich an 20 Tagen pro Jahr fallen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland infolge einer Erkrankung aus, so Bäte in einem Interview mit dem „Handelsblatt“. 

Die damit verbundenen Kosten für Unternehmen und Krankenkassen sind dementsprechend hoch. Angesichts einer immer älter werdenden Bevölkerung und dadurch steigender Gesundheitskosten könnte man an dieser Stelle sparen, so Bäte.

Wie hoch die durchschnittlichen krankheitsbedingten Fehlzeiten in Deutschland tatsächlich sind - dazu gibt es unterschiedliche Zahlen. 

Laut statistischem Bundesamt waren Beschäftigte 2023 durchschnittlich an 15,1 Tagen krank. Den Angaben einiger großer Krankenkassen zufolge sind es deutlich mehr. 

So fehlten die bei der DAK versicherten Arbeitnehmer 2023 im Durchschnitt an 20 Tagen. Bei den Versicherten der Techniker Krankenkasse (TK) beliefen sich die Krankheitstage 2023 auf durchschnittlich 17,7. Bei den Mitgliedern von Betriebskrankenkassen waren es 2022 und 2023 sogar mehr als 22 Tage.

Unabhängig von der Frage, wo sich die Fehlzeiten bemerkbar machen und wie sie gewählt werden, gibt es einen deutlichen Anstieg seit etwa 2008. So stiegen z.B. die Krankheitstage der Versicherten der Betriebskrankenkassen von 21,6 Tagen im Jahr 2008 auf 22,4 Tage im Jahr 2023.

Deutschlandweit waren es, so die (niedrigeren) Zahlen des statistischen Bundesamts, 2008 noch 8,6 Ausfalltage, im Jahr 2023 dagegen 15,1.

Ähnlich wie Bäte hatte sich bereits vor dem Jahreswechsel die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer geäußert. Auch der Sozialversicherungsexperte Bernd Raffelhüschen und der Vorstandsvorsitzende von Mercedes Benz, Ola Källenius, können dem Vorschlag Bätes etwas abgewinnen.

Dagegen kam von den Gewerkschaften Kritik. Anja Piel, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), warnte vor „Präsentismus“, d.h. der Bereitschaft, trotz einer Erkrankung bei der Arbeit zu erscheinen.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) ließ verlauten, dass ein Karenztag bei der Entgeltfortzahlung mit ihm nicht zu machen ist.

Für einen Karenztag spricht die finanzielle Entlastung von Unternehmen, die sich so oder so bemerkbar machen würde, d.h. auch dann, wenn sich infolge eines Karenztags an der Zahl der Krankheitstage nichts ändern würde.

Ob die Anzahl von Krankmeldungen infolge eines Karenztags sinken würde, ist ungewiss. Möglicherweise kommt es weniger häufig als bisher zu kurzen Krankschreibungen von ein bis drei Tagen, dafür aber öfter zu längeren Auszeiten von einer Woche oder mehr.

Denn wenn man als Arbeitnehmer schon einen unbezahlten Karenztag hinnehmen muss, wäre es sinnvoll, sich zumindest gründlich auszukurieren, d.h. sich z.B. gleich für eine ganze Woche krankschreiben zu lassen.

tagesschau.de, Kein Lohn mehr am ersten Krankheitstag?, 07.01.2025

Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V., Der Krankenstand in Deutschland, 21.01.2025

Statistisches Bundesamt / Destatis, Krankheitstage je Beschäftigten pro Jahr

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Keine Einschränkungen bei Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, 09.01.2025

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