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LSG Nie­der­sach­sen-Bre­men, Ur­teil vom 06.08.2014, L 2 R 306/14

   
Schlagworte: Rente
   
Gericht: Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen
Aktenzeichen: L 2 R 306/14
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 06.08.2014
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: Sozialgericht Stade, Urteil vom 13.05.2014, S 30 R 414/13
   

Lan­des­so­zi­al­ge­richt
Nie­der­sach­sen-Bre­men

IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

B.

- Kläge­rin und Be­ru­fungskläge­rin -

ge­gen

Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Braun­schweig-Han­no­ver,
Lan­ge Wei­he 2/4, 30880 Laat­zen

- Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te -

hat der 2. Se­nat des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nie­der­sach­sen-Bre­men oh­ne münd­li­che Ver­hand­lung am 6. Au­gust 2014 in Cel­le durch die Rich­te­rin am Lan­des­so­zi­al­ge­richt C. und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter D. und E. für Recht er­kannt:

Die Be­ru­fung wird zurück­ge­wie­sen.

Kos­ten sind nicht zu er­stat­ten.

Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

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Tat­be­stand

Zwi­schen den Be­tei­lig­ten ist die Rechtmäßig­keit der Ren­ten­an­pas­sung zum 1. Ju­li 2013 strei­tig. Die Kläge­rin be­gehrt ei­ne wei­ter­ge­hen­de Erhöhung ih­rer Ren­te zum 1. Ju­li 2013.

Die am 20. Sep­tem­ber 1950 ge­bo­re­ne Kläge­rin er­hielt auf­grund des Be­schei­des vom 23. De­zem­ber 2010 ei­ne Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung seit dem 1. Sep­tem­ber 2010. Mit Ren­ten­an­pas­sungs­mit­tei­lung zum 01. Ju­li 2013 teil­te die Be­klag­te der Kläge­rin mit, dass der ak­tu­el­le Ren­ten­wert um 0,25 % von 28,07 Eu­ro auf 28,14 Eu­ro stei­ge. Der mo­nat­li­che Zahl­be­trag ab 1. Ju­li 2013 be­tra­ge 440,58 Eu­ro.

In dem Zeit­raum vom 1. Ja­nu­ar bis 30. Ju­ni 2013 er­hielt die Kläge­rin ei­ne mo­nat­li­che Brut­to-Ren­te in Höhe von 489,67 E. Abzüglich des Bei­trags­an­teils zur Kran­ken­ver­si­che­rung in Höhe von 40,15 € und des Bei­tra­ges zur Pfle­ge­ver­si­che­rung in Höhe von 10,04 er­gab sich ein aus­zu­zah­len­der Net­to-Be­trag von 439,48 E. Ab dem 1. Ju­li 2013 bis 30. Sep­tem­ber 2013 er­hielt die Kläge­rin ei­nen mo­nat­li­chen Ren­ten-Brut­to-Be­trag von 490,89 E. Abzüglich des Bei­trags­an­teils zur Kran­ken­ver­si­che­rung in Höhe von 40,25 und des Bei­tra­ges zur Pfle­ge­ver­si­che­rung in Höhe von 10,06 er­gab sich ein aus­zu­zah­len­der Net­to-Be­trag von 440,58 E. An­trags­gemäß gewähr­te die Be­klag­te der Kläge­rin mit Be­scheid vom 25. Ok­to­ber 2013 ab 1. Ok­to­ber 2013 ei­ne Al­ters­ren­te für Frau­en. Die Al­ters­ren­te für Frau­en be­trug ab 1. No­vem­ber 2013 mo­nat­lich 492,16 E. Abzüglich des Bei­trags­teils des Rent­ners zur Kran­ken­ver­si­che­rung in Höhe von 40,35 und des Bei­trags des Rent­ners zur Pfle­ge­ver­si­che­rung in Höhe von 10,09 € er­gab sich ein mo­nat­li­cher Zahl­be­trag in Höhe von 441.72 E.

Ge­gen die Ren­ten­an­pas­sungs­mit­tei­lung zum 1. Ju­li 2013 leg­te die Kläge­rin Wi­der­spruch ein und führ­te aus, dass die An­pas­sung der Ren­te um nur 0,25 % ge­gen den Gleich­heits­satz des Grund­ge­set­zes und die all­ge­mei­nen Men­schen­ren­te ver­s­toße. Die Erhöhung der Al­ters­bezüge für pen­sio­nier­te Be­am­te fal­le er­heb­lich um­fang­rei­cher aus. Sie be­geh­re des­we­gen rück­wir­kend zum 1. Ju­li 2013 ei­ne Erhöhung um 8,75 %. Mit Schrei­ben vom 26. Ju­li 2013 teil­te die Be­klag­te der Kläge­rin die in der Ren­ten­wert­be­stim­mungs­ver­ord­nung 2013 berück­sich­tig­ten Wer­te mit. Mit Wi­der­spruchs­be­scheid vom 18. Sep­tem­ber 2013 wies die Be­klag­te dann den Wi­der­spruch zurück.

Mit der am 17. Ok­to­ber 2013 er­ho­be­nen Kla­ge hat die Kläge­rin ih­ren Vor­trag aus dem Wi­der­spruchs­ver­fah­ren wie­der­holt.

Das So­zi­al­ge­richt (SG) Sta­de hat die Kla­ge mit Ge­richts­be­scheid vom 13. Mai 2014 (zu­ge­stellt am 15. Mai 2014) ab­ge­wie­sen und aus­geführt, dass auch die An­pas­sung der Ren­te der Kläge­rin zum 1. Ju­li 2013 rechtmäßig sei. Sie ent­spre­che den ge­setz­li­chen

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ver­s­toße nicht ge­gen die Grund­rech­te der Kläge­rin. Ins­be­son­de­re lie­ge kein Ver­s­toß ge­gen die Gleich­be­hand­lung mit Be­am­ten vor. An­ge­sichts der schon im grundsätz­li­chen ab­wei­chen­den Aus­gangs­la­ge der Be­sol­dung der Be­am­ten und de­ren Ru­he­stands­bezügen sei kein Raum dafür, punk­tu­ell ein­zel­ne Re­ge­lun­gen über die Be­am­ten­be­sol­dung oder Ver­sor­gung aus ih­rem Zu­sam­men­hang zu reißen und über Ar­ti­kel 3 Abs. 1 Grund­ge­setz (GG) als den Ge­setz­ge­ber bin­den­de Vor­ga­be für die Norm ganz an­ders ge­la­ger­ter Rechts­be­zie­hun­gen et­wa hin­sicht­lich der Aus­ge­stal­tung der Ren­ten­ansprüche nach dem SGB VI - her­an­zu­zie­hen.

Mit ih­rer ge­gen den Ge­richts­be­scheid vom 13. Mai 2014 am 12. Ju­ni 2014 ein­ge­leg­ten Be­ru­fung ver­folgt die Kläge­rin ihr Be­geh­ren wei­ter.

Die Kläge­rin be­an­tragt sinn­gemäß,

1. den Ge­richts­be­scheid des So­zi­al­ge­richts Sta­de vom 13. Mai 2014 auf­zu­he­ben und die Ren­ten­an­pas­sungs­mit­tei­lung zum 1. Ju­li 2013 in der Fas­sung des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 18. Sep­tem­ber 2013 zu ändern und

2. die Be­klag­te zur An­he­bung der Ren­te zum 1. Ju­li 2013 um 8,75 % zu ver­pflich­ten. Die Be­klag­te be­an­tragt sinn­gemäß,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Mit Be­schluss vom 29. Ju­li 2014 hat das Ge­richt nach Anhörung der Be­tei­lig­ten die Be­ru­fung auf die Be­richt­er­stat­te­rin über­tra­gen, die zu­sam­men mit den eh­ren­amt­li­chen Rich­tern ent­schei­det (§ 153 Abs. 5 SGG). Die Be­tei­lig­ten ha­ben sich mit ei­ner Ent­schei­dung des Se­nats in die­ser Be­set­zung oh­ne münd­li­che Ver­hand­lung ein­ver­stan­den erklärt (Schriftsätze vom 21. und 26. Ju­li 2014).

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf den In­halt der Ge­richts­ak­te und auf den In­halt der bei­ge­zo­ge­nen Ver­wal­tungs­vorgänge der Be­klag­ten Be­zug ge­nom­men, die vor­ge­le­gen ha­ben und Ge­gen­stand der Ent­schei­dung ge­we­sen sind.

Ent­schei­dungs­gründe

Der Se­nat ent­schei­det durch die Be­richt­er­stat­te­rin mit den eh­ren­amt­li­chen Rich­tern, da der Se­nat die Be­ru­fung auf die­se über­tra­gen hat (§ 153 Abs. 5 SGG). Der Se­nat ent­schei­det oh­ne

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münd­li­che Ver­hand­lung (§ 124 Abs. 2 SGG), da die Be­tei­lig­ten hier­zu ih­re Zu­stim­mung er­teilt ha­ben.

Die zulässi­ge Be­ru­fung hat kei­nen Er­folg. Die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung ver­letzt die Kläge­rin nicht in ih­ren Rech­ten. Sie hat kei­nen An­spruch auf ei­ne wei­te­re Erhöhung des Ren­ten­zahl­be­tra­ges zum 1. Ju­li 2013 als ihr die Be­klag­te be­reits zu­ge­spro­chen hat.

Die An­pas­sung der der Kläge­rin zum 1. Ju­li 2013 noch gewähr­ten Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung ent­spricht den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben und miss­ach­tet kei­ne Grund­rech­te des Kläge­rin.

Da­bei geht der Se­nat da­von aus, dass die be­an­stan­de­te Ren­ten­an­pas­sungs­mit­tei­lung zum 1. Ju­li 2013 aus der Sicht ei­nes verständi­gen Empfängers je­den­falls un­ter Berück­sich­ti­gung der für die ge­richt­li­che Über­prüfung maßgeb­li­chen Fas­sung, die sie im Wi­der­spruchs­be­scheid vom 18. Sep­tem­ber 2013 ge­fun­den hat, ei­ne Re­ge­lung im Sin­ne der Erhöhung des bis­he­ri­gen Ren­ten­zahl­be­tra­ges ge­trof­fen hat.

1.
Nach § 69 Abs. 1 So­zi­al­ge­setz­buch Sechs­tes Buch (SGB VI) hat die Bun­des­re­gie­rung den je­weils ab dem 1. Ju­li ei­nes Jah­res maßgeb­li­chen ak­tu­el­len Ren­ten­wert durch Rechts­ver­ord­nung zu be­stim­men. Ent­spre­chend die­ser Ver­pflich­tung hat die Bun­des­re­gie­rung mit der Ver­ord­nung vom 12. Ju­ni 2013 zur Be­stim­mung der Ren­ten­wer­te in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und in der Al­ters­si­che­rung der Land­wir­te zum 1. Ju­li 2013 (BGBl. I, 1573) den ab
1. Ju­li 2013 auch für die Kläge­rin maßgeb­li­chen ak­tu­el­len Ren­ten­wert (West) auf 28,14 € fest­ge­setzt. Die Be­klag­te hat in kor­rek­ter Um­set­zung die­ser Ver­ord­nungs­vor­ga­be der Kläge­rin zu­tref­fend die Ren­ten­erhöhung mit­ge­teilt.

2.
Die Fest­set­zung des ak­tu­el­len Ren­ten­wer­tes (West) auf 28,14 € zum 1. Ju­li 2013 in der ge­nann­ten Ver­ord­nung ent­spricht den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben, die in § 68 Abs. 1 bis 5 und Abs. 7 (der frühe­re Abs. 6 ist auf­ge­ho­ben) SGB VI fol­gen­der­maßen fest­ge­legt sind:

1) Der ak­tu­el­le Ren­ten­wert ist der Be­trag, der ei­ner mo­nat­li­chen Ren­te we­gen Al­ters der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung ent­spricht, wenn für ein Ka­len­der­jahr Beiträge auf­grund des Durch­schnitts­ent­gelts ge­zahlt wor­den sind. Am 30. Ju­ni 2005 beträgt der ak­tu­el­le Ren­ten­wert 26,13 Eu­ro. Er verändert sich zum 1. Ju­li ei­nes je­den Jah­res, in­dem der bis­he­ri­ge ak­tu­el­le Ren­ten­wert mit den Fak­to­ren für die Verände­rung
1. der Brut­tolöhne und -gehälter je Ar­beit­neh­mer,
2. des Bei­trags­sat­zes zur all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung und
3. dem Nach­hal­tig­keits­fak­tor ver­vielfältigt wird.

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(2) Brut­tolöhne und -gehälter je Ar­beit­neh­mer sind die durch das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt er­mit­tel­ten Brut­tolöhne und -gehälter je Ar­beit­neh­mer oh­ne Per­so­nen in Ar­beits­ge­le­gen­hei­ten mit Entschädi­gun­gen für Mehr­auf­wen­dun­gen je­weils nach der Sys­te­ma­tik der Volks­wirt­schaft­li­chen Ge­samt­rech­nun­gen. Der Fak­tor für die Verände­rung der Brut­tolöhne und -gehälter je Ar­beit­neh­mer wird er­mit­telt, in­dem de­ren Wert für das ver­gan­ge­ne Ka­len­der­jahr durch den Wert für das vor­ver­gan­ge­ne Ka­len­der­jahr ge­teilt wird. Da­bei wird der Wert für das vor-ver­gan­ge­ne Ka­len­der­jahr an die Ent­wick­lung der Ein­nah­men der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung an­ge­passt, in­dem er mit dem Fak­tor ver­vielfältigt wird, der sich aus dem Verhält­nis der Verände­rung der Brut­tolöhne und -gehälter je Ar­beit­neh­mer im vor­ver­gan­ge­nen Ka­len­der­jahr ge­genüber dem drit­ten zurück­lie­gen­den Ka­len­der­jahr und der Verände­rung der aus der Ver­si­cher­ten­sta­tis­tik der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Bund er­mit­tel­ten bei­trags­pflich­ti­gen Brut­to­lohn- und -ge­halts­sum­me je durch­schnitt­lich beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer oh­ne Be­am­te ein­sch­ließlich der Be­zie­her von Ar­beits­lo­sen­geld im vor­ver­gan­ge­nen Ka­len­der­jahr ge­genüber dem drit­ten zurück­lie­gen­den Ka­len­der­jahr er­gibt.

(3) Der Fak­tor, der sich aus der Verände­rung des Bei­trags­sat­zes zur all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung er­gibt, wird er­mit­telt, in­dem
1. der durch­schnitt­li­che Bei­trags­satz in der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung des ver­gan­ge­nen Ka­len­der­jah­res von der Dif­fe­renz aus 100 vom Hun­dert und dem Al­ters­vor­sor­gean­teil für das Jahr 2012 sub­tra­hiert wird,
2. der durch­schnitt­li­che Bei­trags­satz in der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung für das vor­ver­gan­ge­ne Ka­len­der­jahr von der Dif­fe­renz aus 100 vom Hun­dert und dem Al­ters­vor­sor­gean­teil für das Jahr 2012 sub­tra­hiert wird,
und an­sch­ließend der nach Num­mer 1 er­mit­tel­te Wert durch den nach Num­mer 2 er­mit­tel­ten Wert ge­teilt wird. Al­ters­vor­sor­gean­teil für das Jahr 2012 ist der Wert, der im Fünf­ten Ka­pi­tel für das Jahr 2012 als Al­ters­vor­sor­gean­teil be­stimmt wor­den ist.

(4) Der Nach­hal­tig­keits­fak­tor wird er­mit­telt, in­dem der um die Verände­rung des Rent­ner­quo­ti­en­ten im ver­gan­ge­nen Ka­len­der­jahr ge­genüber dem vor­ver­gan­ge­nen Ka­len­der­jahr ver­min­der­te Wert eins mit ei­nem Pa­ra­me­ter a ver­vielfältigt und um den Wert eins erhöht wird. Der Rent­ner­quo­ti­ent wird er­mit­telt, in­dem die An­zahl der Äqui­va­lenz­rent­ner durch die An­zahl der Äqui­va­lenz­bei­trags­zah­ler di­vi­diert wird. Die An­zahl der Äqui­va­lenz­rent­ner wird er­mit­telt, in­dem das aus den Rech­nungs­er­geb­nis­sen auf 1.000 Eu­ro ge­nau be­stimm­te Ge­samt­vo­lu­men der Ren­ten abzüglich er­stat­te­ter Auf­wen­dun­gen für Ren­ten und Ren­ten­tei­le ei­nes Ka­len­der­jah­res durch ei­ne Re­gel­al­ters­ren­te des­sel­ben Ka­len­der­jah­res aus der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung mit 45 Ent­gelt­punk­ten di­vi­diert wird. Die An­zahl der Äqui­va­lenz­bei­trags­zah­ler wird er­mit­telt, in­dem das aus den Rech­nungs­er­geb­nis­sen auf 1.000 Eu­ro ge­nau be­stimm­te Ge­samt­vo­lu­men der Beiträge al­ler in der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäftig­ten, der ge­ringfügig Beschäftig­ten (§ 8 Vier­tes Buch) und der Be­zie­her von Ar­beits­lo­sen­geld ei­nes Ka­len­der­jah­res durch den auf das Durch­schnitts­ent­gelt nach An­la­ge 1 ent­fal­len­den Bei­trag der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung des­sel­ben Ka­len­der­jah­res di­vi­diert wird. Die je­wei­li­ge An­zahl der Äqui­va­lenz­rent­ner und der Äqui­va­lenz­bei­trags­zah­ler ist auf 1.000 Per­so­nen ge­nau zu be­rech­nen. Der Pa­ra­me­ter a beträgt 0,25.

(5) Der nach den Absätzen 1 bis 4 an­stel­le des bis­he­ri­gen ak­tu­el­len Ren­ten­werts zu be­stim­men­de neue ak­tu­el­le Ren­ten­wert wird nach fol­gen­der For­mel er­mit­telt:

BE.ta x 100 —AVA2a12— RV BI-1. 1(1 _ RQ a+1

ARt= —AR x

BE­ris 1 00 — AV Azou — RVB e,2

Da­bei sind:

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ARt = zu be­stim­men­der ak­tu­el­ler Ren­ten­wert ab dem 1. Ju­li,

ARt_i = bis­he­ri­ger ak­tu­el­ler Ren­ten­wert,

BEI.4 = Brut­tolöhne und -gehälter je Ar­beit­neh­mer im ver­gan­ge­nen Ka­len­der­jahr,

BE42 = Brut­tolöhne und -gehälter je Ar­beit­neh­mer im vor­ver­gan­ge­nen Ka­len­der­jahr un­ter Berück­sich­ti­gung der Verände­rung der bei­trags­pflich­ti­gen Brut­tolöhne und -gehälter je Ar­beit­neh­mer oh­ne Be­am­te ein­sch­ließlich der Be­zie­her von Ar­beits­lo­sen­geld,

AVA2012 = Al­ters­vor­sor­gean­teil für das Jahr 2012 in Höhe von 4 vom Hun­dert,

= durch­schnitt­li­cher Bei­trags­satz in der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung im ver­gan­ge­nen Ka­len­der­jahr,

RVBt_2 = durch­schnitt­li­cher Bei­trags­satz in der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung im vor­ver­gan­ge­nen Ka­len­der­jahr.

RQt_i = Rent­ner­quo­ti­ent im ver­gan­ge­nen Ka­len­der­jahr,

RQt_2 = Rent­ner­quo­ti­ent im vor­ver­gan­ge­nen Ka­len­der­jahr.

(6) (weg­ge­fal­len)

(7) Bei der Be­stim­mung des neu­en ak­tu­el­len Ren­ten­werts sind für das ver­gan­ge­ne Ka­len­der­jahr die dem Sta­tis­ti­schen Bun­des­amt zu Be­ginn des Ka­len­der­jah­res vor­lie­gen­den Da­ten zu den Brut­tolöhnen und -gehältern je Ar­beit­neh­mer und für das vor­ver­gan­ge­ne und das drit­te zurück­lie­gen­de Ka­len­der­jahr die bei der Be­stim­mung des bis­he­ri­gen ak­tu­el­len Ren­ten­werts ver­wen­de­ten Da­ten zu den Brut­tolöhnen und -gehältern je Ar­beit­neh­mer zu­grun­de zu le­gen. Für die Be­stim­mung der bei­trags­pflich­ti­gen Brut­tolöhne und -gehälter je Ar­beit­neh­mer oh­ne Be­am­te ein­sch­ließlich der Be­zie­her von Ar­beits­lo­sen­geld nach Ab­satz 2 Satz 3 sind die der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Bund vor­lie­gen­den Da­ten aus der Ver­si­cher­ten­sta­tis­tik zu ver­wen­den. Da­bei sind für das vor­ver­gan­ge­ne Ka­len­der­jahr die zu Be­ginn des Ka­len­der­jah­res vor­lie­gen­den Da­ten zu den bei­trags­pflich­ti­gen Brut­tolöhnen und -gehältern je Ar­beit­neh­mer oh­ne Be­am­te ein­sch­ließlich der Be­zie­her von Ar­beits­lo­sen­geld und für das drit­te zurück­lie­gen­de Ka­len­der­jahr die bei der Be­stim­mung des bis­he­ri­gen ak­tu­el­len Ren­ten­werts ver­wen­de­ten Da­ten zu den bei­trags­pflich­ti­gen Brut­tolöhnen und -gehältern je Ar­beit­neh­mer oh­ne Be­am­te ein­sch­ließlich der Be­zie­her von Ar­beits­lo­sen­geld zu­grun­de zu le­gen. Bei der Er­mitt­lung des Rent­ner­quo­ti­en­ten für das ver­gan­ge­ne Ka­len­der­jahr sind die der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Bund im ers­ten Vier­tel­jahr des Ka­len­der­jah­res vor­lie­gen­den Da­ten und für das vor­ver­gan­ge­ne Ka­len­der­jahr die bei der Be­stim­mung des bis­he­ri­gen ak­tu­el­len Ren­ten­werts ver­wen­de­ten Da­ten zu­grun­de zu le­gen.

Bei der Be­stim­mung des ak­tu­el­len Ren­ten­werts hat die Bun­des­re­gie­rung ins­be­son­de­re fol­gen­de Ge­sichts­punk­te berück­sich­tigt (ver­glei­che Ver­ord­nungs­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung be­tref­fend die Ver­ord­nung zur Be­stim­mung der Ren­ten­wer­te in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und in der Al­ters­si­che­rung der Land­wir­te zum 1. Ju­li 2013 (Ren­ten­wert­be­stim­mungs­ver­ord­nung 2013 - RVI/BestV2013); ab­ruf­bar u.a. un­ter www.bmas.de):

• die Verände­rung der Brut­tolöhne und -gehälter je Ar­beit­neh­mer (oh­ne Per­so­nen in Ar­beits­ge­le­gen­hei­ten mit Entschädi­gun­gen für Mehr­auf­wen­dun­gen) nach der Sys­te­ma­tik der Volks­wirt­schaft­li­chen Ge­samt­rech­nun­gen in den al­ten Ländern im Jahr 2012 ge­genüber dem Jahr 2011 um 1,50 Pro­zent, wo­bei die Ent­wick­lung der Ein­nah­men der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung (Verhält­nis der Verände­rung der bei­trags­pflich­ti­gen Brut­tolöhne - und gehälter je Ar­beit­neh­mer oh­ne Be­am­te ein schließlich der Be­zie­her von Ar­beits­lo­sen­geld zu der Verände­rung der Brut­tolöhne und -gehälter je Ar­beit­neh­mer nach den Volks­wirt­schaft­li­chen Ge­samt­rech­nun­gen vom Jahr 2010 zum Jahr 2011) berück­sich­tigt wird,

• die Verände­rung des durch­schnitt­li­chen Bei­trags­sat­zes in der all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rung des Jah­res 2012 (19,6 Pro­zent) ge­genüber dem Jahr 2011 (19,9 Pro­zent) um mi­nus 0,3 Pro­zent­punk­te so­wie die

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Verände­rung bei den Auf­wen­dun­gen für die geförder­te pri­va­te Al­ters­vor­sor­ge (Al­ters­vor­sor­gean­teil) des Jah­res 2012 ge­gen über 2011 um plus 0,5 Pro­zent­punk­te, die zu­sam­men im Er­geb­nis ei­nen Fak­tor von 0,9974 er­ge­ben, und

• den Nach­hal­tig­keits­fak­tor mit 0,9928.

Auf die­ser Ba­sis würde sich der bis zum 30. Ju­ni 2013 maßge­ben­de ak­tu­el­le Ren­ten­wert ab dem 1. Ju­li 2013 von 28,07 Eu­ro auf 28 21 Eu­ro erhöhen. Dies ent­spricht ei­nem An­pas­sungs­satz von 0,50 Pro­zent be­zie­hungs­wei­se ei­nem An­pas­sungs­fak­tor von 1,0050.
Auch im Jahr 2013 ist der seit der Ren­ten­an­pas­sung des Jah­res 2005 auf­grund nicht re­li­sier­ter Dämp­fungs­ef­fek­te der Ren­ten­an­pas­sungs­for­mel ent­stan­de­ne Aus­gleichs­be­darf ab­zu­bau­en. Der Ab­bau er­folgt, in­dem der bis­he­ri­ge ak­tu­el­le Ren­ten­wert nur mit dem hälf­ti­gen An­pas­sungs­fak­tor von 1,0025 an­zu­he­ben ist. Der bis zum 30. Ju­ni 2013 maßge­ben­de ak­tu­el­le Ren­ten­wert erhöht sich da­her ab dem 1. Ju­li 2013 von 28,07 Eu­ro auf 28,14 Eu­ro.
Dies ent­spricht ei­nem An­pas­sungs­satz von 0,25 Pro­zent.

Rechts­feh­ler bei die­ser Er­mitt­lung wer­den we­der kon­kret von der Kläge­rin auf­ge­zeigt noch sind sol­che an­der­wei­tig er­kenn­bar.

3. Die vor­ste­hend erläuter­ten ein­fach­ge­setz­li­chen Vor­ga­ben ste­hen mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen An­for­de­run­gen im Ein­klang. Dies hat der Se­nat be­reits für die Fest­set­zung des ak­tu­el­len Ren­ten­wer­tes zum 1. Ju­li 2010 in der Ent­schei­dung vom 18. Mai 2011 (L 2 KN 8/11, veröffent­licht in ju­ris) aus­geführt. Auch vor­lie­gend gilt:

„a) Das Grund­ge­setz enthält kei­ne spe­zi­fi­schen Vor­ga­ben über die Be­rech­nung der Al­ters­ren­ten aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und/oder zu der Fra­ge des für die Fi­nan­zie­rung die­ser Ren­ten zur Verfügung zu stel­len­den Fi­nanz­vo­lu­mens. Dies­bezüglich gab es his­to­risch ge­se­hen auch un­ter der Gel­tung des Grund­ge­set­zes recht un­ter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen. So wur­de noch bis Mit­te der 60er Jah­re ein Bei­trags­satz von 14 % zur Ren­ten­ver­si­che­rung für an­ge­mes­sen und aus­rei­chend er­ach­tet.

b) In der Recht­spre­chung des BVerfG ist al­ler­dings an­er­kannt, dass Ren­ten­ansprüche und Ren­ten­an­wart­schaf­ten un­ter den Schutz der Ei­gen­tums­ga­ran­tie des Art. 14 Abs. 1 GG fal­len. Der durch Art. 14 GG ver­mit­tel­te Ei­gen­tums­schutz der Ansprüche auf Ver­si­cher­ten­ren­ten und Ren­ten­an­wart­schaf­ten in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ent­spricht dem Grund­satz, dass die grund­recht­lich geschütz­te Ei­gen­tums­ga­ran­tie auch so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Po­si­tio­nen um­fasst, die nach Art ei­nes Aus­sch­ließlich-keits­rechts dem Recht­sträger als pri­vatnützig zu­ge­ord­net sind. Die­se ge­nießen Ei­gen­tums­schutz, wenn sie auf nicht un­er­heb­li­chen Ei­gen­leis­tun­gen des Ver­si­cher­ten be­ru­hen und der Si­che­rung sei­ner Exis­tenz die­nen (BVerfG, U.v. 4. Ju­li 1995 — 1 BvF 2/86 u.a. — E 92, 365). Ge­gen­stand des Schut­zes des Art. 14 GG sind der An­spruch oder

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die An­wart­schaft, wie sie sich ins­ge­samt aus der je­wei­li­gen Ge­set­zes­la­ge er­ge­ben (BVerfG, B. v. 1. Ju­li 1981 - 1 BvR 874/77 — E 58, 81).

Da­bei hat das BVerfG al­ler­dings bis­lang noch nicht ab­sch­ließend geklärt, ob und, falls ja, in wel­chem Rah­men und un­ter wel­chen tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen auch ei­ne re­gelmäßige An­pas­sung von Ren­ten un­ter den Schutz der Ei­gen­tums­ga­ran­tie gern. Art. 14 Abs. 1 GG fal­len kann (vgl. da­zu und zum Fol­gen­den: BVerfG, Be­schluss vom 26.07.2007 - 1 BvR 823-03, 1247107 - NZS 2008, 254). Es hat je­den­falls klar­ge­stellt, dass die in frühe­ren Jah­ren zu be­ob­ach­ten­de tatsächli­che Ent­wick­lung der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung durch­aus die fak­ti­sche Er­war­tung bei den be­trof­fe­nen Rent­nern be­gründet ha­be, es fände ei­ne fortwähren­de Erhöhung des Leis­tungs­ni­veaus der Ren­ten statt. Dar­aus al­lein er­ge­be sich je­doch kein ver­fas­sungs­recht­lich schützens­wer­tes Ver­trau­en in ei­ne un­ein­ge­schränk­te und ste­ti­ge Ren­ten­erhöhung, weil we­der die Rechts­la­ge noch die Sys­te­ma­tik der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ei­ne ent­spre­chen­de Au­to­ma­tik be­gründen könn­ten (BVerfG, aaO mwN).

An­de­rer­seits hat das BVerfG (Be­schluss vom 26.07.2007, aaO mwN) zu­gleich her­vor­ge­ho­ben, dass der Ge­setz­ge­ber bei Ein­grif­fen in die Sys­te­ma­tik der re­gelmäßigen Ren­ten­an­pas­sung ver­fas­sungs­recht­lich ge­bun­den sei. Im Be­reich der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung be­gründen die lang­fris­ti­gen Bei­trags­ver­pflich­tun­gen, die erst zu ei­nem sehr viel später lie­gen­den Zeit­punkt zu Leis­tun­gen führen, ein be­son­de­res Ver­trau­en auf den Fort­be­stand ge­setz­li­cher Leis­tungs­re­ge­lun­gen, zu de­nen auch die Vor­schrif­ten über die re­gelmäßige Ren­ten­an­pas­sung gehören. Zu­dem folgt aus dem in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung grundsätz­lich an­ge­ord­ne­ten, die all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit nach Art. 1 Abs. 1 GG berühren­den Ver­si­che­rungs­zwang mit ei­nem er­heb­li­chen Bei­trags­satz­ni­veau die Pflicht des Ge­setz­ge­bers, für die er­brach­ten Bei­trags­leis­tun­gen im Ver­si­che­rungs­fall adäqua­te Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen zu er­brin­gen. Sch­ließlich dürfen die Re­ge­lun­gen über die Ren­ten­an­pas­sung nicht zu ei­ner sub­stan­ti­el­len Ent­wer­tung der er­reich­ten Ansprüche und An­wart­schaf­ten mit der Fol­ge führen, dass die­se im Er­geb­nis leer lau­fen (BVerfG, Be­schluss vom 26. 7. 2007, aaO).

aa)
Aus den vor­ste­hen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Erwägun­gen er­gibt sich zunächst, dass der Ge­setz­ge­ber selbst die maßgeb­li­chen Ent­schei­dun­gen für die Be­stim­mung der Ren­tenhöhe zu tref­fen hat. Ent­spre­chen­de Re­ge­lun­gen hat der Ge­setz­ge­ber mit den erläuter­ten - sehr kom­ple­xen - Be­stim­mun­gen in § 68 SGB VI ge­trof­fen.
Da­bei muss der Se­nat im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang nicht ab­sch­ließend klären, in­wie­weit der Ge­setz­ge­ber sei­ner ver­fas­sungs­recht­li­chen Ver­pflich­tung zur Be­stim­mung

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des In­halts des Ei­gen­tums der Ver­si­cher­ten an ih­ren Ren­ten­ansprüchen und -an­wart­schaf­ten durch Fest­le­gung des je­wei­li­gen ak­tu­el­len Ren­ten­wer­tes und da­mit des je­wei­li­gen ak­tu­el­len Ren­ten­ni­veaus ge­wis­ser­maßen "auf Vor­rat" da­durch genügen kann, dass er in § 68 Abs. 5 SGB VI Fak­to­ren ver­schie­de­ner in Be­tracht zu zie­hen­der künf­ti­ger wirt­schaft­li­cher und so­zia­ler Ent­wick­lun­gen in ei­ne kom­ple­xe For­mel ge­fasst hat, an­hand de­rer sich in künf­ti­gen Jah­ren die Ent­wick­lung der Ren­tenhöhe be­stim­men soll. Un­ter Berück­sich­ti­gung der her­aus­ra­gen­den Be­deu­tung der Fest­set­zung des je­wei­li­gen ak­tu­el­len Ren­ten­ni­veaus für die Exis­tenz­si­che­rung und die fi­nan­zi­el­le La­ge der im Ren­ten­be­zug ste­hen­den Ver­si­cher­ten dürf­te in die­sem Zu­sam­men­hang auch ei­ne in­halt­li­che Abwägungs­ent­schei­dung des Ge­setz­ge­bers in über­schau­ba­ren Zeitabständen zu for­dern sein. So hat das BVerfG ei­nen ver­gleich­ba­ren An­satz be­zo­gen auf ei­ne an­de­re dem Ge­setz­ge­ber ob­lie­gen­de An­ge­mes­sen­heits­prüfung ent­wi­ckelt: Nach der ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung darf das Par­la­ment sich sei­ner Pflicht zur selbständi­gen Ent­schei­dung über die Be­stim­mung des­sen, was nach sei­ner Über­zeu­gung "ei­ne an­ge­mes­se­ne, die Un­abhängig­keit si­chern­de Entschädi­gung" der Ab­ge­ord­ne­ten ist, nicht da­durch ent­zie­hen, dass es in ei­ner ent­spre­chen­den ge­setz­li­chen Re­ge­lung ei­ne Stei­ge­rung der Ab­ge­ord­ne­ten­bezüge ent­spre­chend den je­wei­li­gen Be­am­ten­bezügen vor­schreibt. Nach Einschätzung des BVerfG ist ein sol­ches "for­mal-tech­ni­sches Mit­tel" zur Be­mes­sung der Höhe der Entschädi­gung sei­ner In­ten­ti­on nach da­zu be­stimmt, das Par­la­ment der Not­wen­dig­keit zu ent­he­ben, je­de Verände­rung in der Höhe der Entschädi­gung im Ple­num zu dis­ku­tie­ren und vor den Au­gen der Öffent­lich­keit darüber als ei­ner selbständi­gen po­li­ti­schen Fra­ge zu ent­schei­den. Mit ei­ner sol­chen "tech­ni­schen" Kopp­lung wer­de das Ge­bot der ei­genständi­gen Prüfung und Wer­tung der maßgeb­li­chen An­ge­mes­sen­heit um­gan­gen (BVerfG, 05.11,1975 - 2 BvR 193/74 — E 40, 296).

Wenn schon ei­ne re­la­tiv über­schau­ba­re Kop­pe­lung der Ent­wick­lung von Ab­ge­ord­ne­ten­bezügen mit et­wa der Ge­halts­ent­wick­lung bei Be­am­ten nicht die er­for­der­li­che ein­geständi­ge Abwägung zum Aus­druck bringt, dann gilt dies erst recht be­zo­gen auf so kom­ple­xe Be­rech­nungs­vor­ga­ben, wie dies § 68 Abs. 5 SGB VI vor­sieht. Sei­ner ver­fas­sungs­recht­li­chen Abwägungs­pflicht ver­mag der Ge­setz­ge­ber nur dann aus­rei­chend nach­zu­kom­men, wenn er zwar nicht not­wen­dig jähr­lich, je­doch in je­den­falls noch über­schau­ba­ren zeit­li­chen Abständen das Er­geb­nis der sich aus ent­spre­chen­den For­meln er­ge­ben­den Be­rech­nun­gen un­ter Berück­sich­ti­gung der zwi­schen­zeit­li­chen wirt­schaft­li­chen und so­zia­len Ent­wick­lung auf sei­ne An­ge­mes­sen­heit über­prüft. Da­bei hat er na­ment­lich in­halt­lich ab­zuwägen, in­wie­weit sich aus den Be­rech­nungs­vor­ga­ben ggf. er­ge­ben­den Ab­sen­kun­gen des Ren­ten­ni­veaus für die be­trof­fe­nen Ren­ten­be­zie­her noch in ei­nem an­ge­mes­se­nen Verhält­nis zu den Vor­tei­len für die All­ge­mein­heit ste­hen, die

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sich für die­se aus der Nicht­be­reit­stel­lung wei­te­rer fi­nan­zi­el­ler Mit­tel für die Ren­ten­ver­si­che­rung er­ge­ben. Ent­spre­chen­de kon­kre­te Abwägun­gen las­sen sich nicht "auf Vor­rat" für vie­le künf­ti­ge Jah­re durch das Auf­stel­len ei­ner For­mel er­set­zen, da sich mit ei­ner sol­chen die sich aus vielfälti­gen Fak­to­ren zu­sam­men­set­zen­de kom­ple­xe künf­ti­ge wirt­schaft­li­che und so­zia­le Ent­wick­lung und de­ren Be­wer­tung nicht verläss­lich vor­weg­neh­men lässt.

Der Ge­setz­ge­ber hat je­doch die erläuter­ten Vor­ga­ben in § 68 SGB VI wie­der­holt geändert und da­mit zu­gleich in­halt­lich auf ih­re An­ge­mes­sen­heit hin über­prüft. Zu­letzt ist § 68 SGB VI durch das Ge­setz zur Ren­ten­an­pas­sung 2008 vom 26. Ju­ni 2008 (BGBl. I, 1076) geändert wor­den. Da­mit ist ein hin­rei­chend en­ger zeit­li­cher Ab­stand der zur Über­prüfung ge­stell­ten (aus­ge­blie­be­nen) Ren­ten­an­pas­sung zum 1. Ju­li 2010 zur letz­ten in­halt­li­chen Abwägung durch den Ge­setz­ge­ber oh­ne Wei­te­res noch ge­ge­ben.

bb)
Die Fest­le­gung des je­wei­li­gen ak­tu­el­len Ren­ten­wer­tes als Aus­druck der dem Ge­setz­ge­ber durch Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG zu­ge­wie­se­ne Be­stim­mung des In­halts des Ei­gen­tums der Ver­si­cher­ten an ih­ren Ren­ten­ansprüchen und -an­wart­schaf­ten stellt sich zunächst als ei­ne rechts­po­li­ti­sche Ent­schei­dung dar, bei der der Ge­setz­ge­ber vielfälti­ge Fak­to­ren zu berück­sich­ti­gen hat. Er muss — ins­be­son­de­re auch lang­fris­tig — so­wohl die fi­nan­zi­el­len Grund­la­gen der Ren­ten­ver­si­che­rung als auch des all­ge­mei­nen Staats­haus­hal­tes gewähr­leis­ten und die Aus­wir­kun­gen zusätz­li­cher Fi­nanz­mit­tel, sei­en es Bei­trags­sat­z­erhöhun­gen oder ver­mehr­te staat­li­che Zuschüsse, auf die all­ge­mei­ne Wirt­schafts- und Fi­nanz­ent­wick­lung abwägend berück­sich­ti­gen. Da­bei hat er ins­be­son­de­re auch die de­mo­gra­phi­sche Ent­wick­lung zu berück­sich­ti­gen und ih­re kurz-, mit­tel- und lang­fris­ti­gen Aus­wir­kun­gen et­wa auf die Ren­ten­ver­si­che­rung, die übri­gen So­zi­al­ver­si­che­rungs­zwei­ge ins­be­son­de­re in Form der Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung, die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung und auf die staat­li­chen und ge­sell­schaft­li­chen Res­sour­cen ab­zuschätzen und zu be­wer­ten. Die­se rechts­po­li­ti­sche Einschätzun­gen und Be­wer­tun­gen ob­lie­gen nach den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben dem Ge­setz­ge­ber und nicht et­wa den Ge­rich­ten. Dem­ent­spre­chend ist im vor­lie­gen­den Ge­richts­ver­fah­ren auch kein Raum, rechts­po­li­ti­sche Fra­gen et­wa im Sin­ne der po­li­ti­schen und so­zia­len An­ge­mes­sen­heit der Nicht­erhöhung der Ren­ten zum 1. Ju­li 2010 zu erörtern,

Na­ment­lich ist der Ge­setz­ge­ber nicht nur be­rech­tigt, son­dern auch ver­pflich­tet, die ins­be­son­de­re fi­nanz­po­li­ti­schen Aus­wir­kun­gen wei­ter­ge­hen­der Ren­ten­erhöhun­gen (et­wa be­dingt durch ei­ne für die Ren­ten­be­zie­her güns­ti­ge­re Neu­fas­sung des § 68 SGB VI)

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zu berück­sich­ti­gen. Er darf in die­sem Zu­sam­men­hang ins­be­son­de­re sei­ne Einschätzung bezüglich der Fra­ge ein­be­zie­hen, in­wie­weit ei­ne Erhöhung des pa­ritätisch vom Ar­beit­ge­ber mit zu tra­gen­den Bei­trags­sat­zes zur ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung den Fak­tor Ar­beit zusätz­lich ver­teu­ert und zum Weg­fall oder zum Nicht­ent­ste­hen ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger Beschäfti­gungs­verhält­nis­se bei­tra­gen kann (BVerfG, Be­schluss vom 26. Ju­li 2007, aaO). In Zu­kunft kann auch die Fra­ge der Wett­be­werbsfähig­keit des deut­schen Ar­beits­mark­tes für Ar­beits­su­chen­de im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich zu­neh­men­de Re­le­vanz er­lan­gen, nach­dem ins­be­son­de­re in Teil­be­rei­chen (et­wa bei Ban­ken oder im me­di­zi­ni­schen Sek­tor) be­reits heu­te zu be­ob­ach­ten ist, dass Ar­beits­su­chen­de den Staat für ih­re be­ruf­li­che Tätig­keit auch nach den je­weils zu er­war­ten­den (ten­den­zi­ell: Net­to-)Einkünf­ten auswählen. Letz­te­res wird für den Be­reich der Eu­ropäischen Uni­on mit dem für sie prägen­den Prin­zip der Freizügig­keit auch ge­ra­de­zu in­ten­diert.

Vor ei­ner Erhöhung des aus Steu­er­mit­teln fi­nan­zier­ten Bun­des­zu­schus­ses hat der Ge­setz­ge­ber sorgfältig de­ren Aus­wir­kun­gen auf die oh­ne­hin be­reits sehr ho­he Staats­ver­schul­dung zu be­den­ken, zu­mal die­se ge­ra­de auch vor dem Hin­ter­grund der de­mo­gra­phisch be­dingt na­he­lie­gen­den Möglich­keit ei­ner Ab­nah­me der Zahl der Er­werbstäti­gen schon mit be­deut­sa­men Ri­si­ken be­haf­tet ist.

Darüber hin­aus hat der Ge­setz­ge­ber auch den ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben hin­sicht­lich ei­ner an­ge­mes­se­nen Berück­sich­ti­gung von Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten Rech­nung zu tra­gen. An­ge­sichts der den Be­stand der Ren­ten­ver­si­che­rung si­chern­den Be­deu­tung der Kin­der­er­zie­hung hat das BVerfG (Ur­teil vom 7. Ju­li 1992 (1 BvL 51186, 1 BvL 50/87, 1 BvR 873/90, 1 BvR 761/91 — E 87, 1) den Ge­setz­ge­ber für ver­pflich­tet an­ge­se­hen, für ei­nen an­ge­mes­se­nen Aus­gleich zu sor­gen. So­weit sich die Be­nach­tei­li­gung ge­ra­de in der Al­ters­si­che­rung der Kin­der er­zie­hen­den Fa­mi­li­en­mit­glie­der nie­der­schlägt, ist der er­for­der­li­che Aus­gleich vor­nehm­lich durch ren­ten­recht­li­che Re­ge­lun­gen zu be­wir­ken. Dies be­deu­tet zwar kei­ne ge­ne­rel­le Gleich­set­zung von Kin­der­er­zie­hungs-und sons­ti­gen Bei­trags­zei­ten; der Ge­setz­ge­ber hat je­doch si­cher­zu­stel­len, dass sich mit je­dem Re­form­schritt die Be­nach­tei­li­gung der Fa­mi­lie tatsächlich ver­rin­gert (BVerfG, aaO).

cc)
Die So­zi­al­ge­rich­te ha­ben im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang viel­mehr al­lein zu prüfen, ob der Ge­setz­ge­ber bei sei­nen rechts­po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen die ihm dies­bezüglich von der Ver­fas­sung ge­setz­ten Gren­zen sei­nes — wei­ten — Be­wer­tungs­spiel­raums über­schrit­ten hat. Ei­ne sol­che Grenzüber­schrei­tung ist bis­lang nicht er­folgt. Es lässt ins­be­son­de­re kei­ne grund­le­gen­de Ab­wei­chung der Sach­la­ge im Ver­gleich zu in frühe-

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ren Jah­ren aus­ge­blie­be­nen Ren­ten­an­pas­sun­gen fest­stel­len, die in der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung je­weils als ver­fas­sungs­gemäß an­ge­se­hen wor­den sind (vgl. ins­be­son­de­re BSG, U.v. 13. No­vem­ber 2008 - B 13 R 13/08 R SozR 4-2600 § 255e Nr 1, und U.v. 21. Ja­nu­ar 2009 - B 12 R 1/07 R je­weils be­zo­gen auf die Aus­set­zung der Ren­ten­an­pas­sung im Jah­re 2005 mwN).

Da­bei be­darf im vor­lie­gen­den Zu­sam­men­hang wie im Rah­men der vor­ste­hend her­an­ge­zo­ge­nen Ent­schei­dung des BVerfG vom 26. Ju­li 2007 kei­ner Ent­schei­dung, wo kon­kret der so­zi­al­po­li­ti­sche Ge­stal­tungs­spiel­raum des Ge­setz­ge­bers bei der Aus­ge­stal­tung der Leis­tun­gen der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung sei­ne Gren­ze fin­det, weil die Ren­te ih­re Funk­ti­on als sub­stan­ti­el­le Al­ters­si­che­rung verlöre. Der Se­nat hat kei­nen An­lass, dar­an zu zwei­feln, dass die vor­lie­gend mit der Be­ru­fung an­ge­grif­fe­nen Maßnah­men die­se Gren­ze nicht er­rei­chen. Dies gilt auch dann, wenn nicht iso­liert das Aus­blei­ben ei­ner Ren­ten­erhöhung zum 1. Ju­li 2010 der Prüfung un­ter­zo­gen wird, son­dern zu­gleich auch die mit­tel­fris­ti­ge Ren­ten­ent­wick­lung mit in die Be­trach­tung ein­be­zo­gen wird, wie sie sich auch als Fol­ge der wie­der­hol­ten ge­setz­ge­be­ri­schen Mo­di­fi­zie­run­gen der Vor­ga­ben für die Be­stim­mung des ak­tu­el­len Ren­ten­wer­tes in § 68 SGB VI dar­stellt."

Zur Über­zeu­gung des Se­na­tes hat der Ge­setz­ge­ber auch bei der vor­lie­gen­den Ren­ten­an­pas­sung zum 1. Ju­li 2013 sei­nen so­zi­al­po­li­ti­schen Ge­stal­tungs­spiel­raum bei der Aus­ge­stal­tung der Leis­tun­gen der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung nicht über­schrit­ten.
Ak­tu­ell hat das BVerfG in sei­ner Ent­schei­dung vom 3. Ju­ni 2014 (Nicht­an­nah­me­be­schluss, 1 BvR 79109, 1 BvR 1235/09, 1 BvR 1298/09, 1 BvR 1701/09, 1 BvR 3148/10- zi­tiert nach ju­ris) aus­geführt:

„1. Grund­rech­te der Be­schwer­deführer wer­den durch die un­ter­blie­be­ne Erhöhung der Ren­ten zum 1. Ju­li 2005 nicht ver­letzt.

a) In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist an­er­kannt, dass Ren­ten­ansprüche und Ren­ten­an­wart­schaf­ten un­ter den Schutz der Ei­gen­tums­ga­ran­tie des Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG fal­len (stRspr; vgl. BVerfGE 128, 138 <147>; 131, 66 <80> m.w.N.). Da­bei ist of­fen ge­blie­ben, ob und in­wie­weit die­ser ei­gen­tums­recht­li­che Schutz die all­ge­mein vor­ge­se­he­ne jähr­li­che Ren­ten­an­pas­sung mit um­fasst (vgl. BVerfGE 64, 87 <97 f.>: 100, 1 <44>). Es kommt ent­schei­dend dar­auf an, dass der Ge­setz­ge­ber im Recht der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ih­re nach­hal­ti­ge Fi­nan­zie­rung an­strebt (vgl. BVerfGE 128, 138 <149 ff.>) und den An­for­de­run­gen an die Verhält­nismäßig­keit genügt (BVerfGE 128, 138 <152 ff.>). Ob dies der Fall ist, be­darf auch hier kei­ner Ent­schei­dung.

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Selbst wenn man, so­weit ei­ne Erhöhung der Ren­ten­zahl­beträge zum 1. Ju­li 2005 ent­spre­chend der ge­stie­ge­nen Ar­beits­ein­kom­men un­ter­blie­ben ist, dar­in ei­ne Be­trof­fen­heit des Schutz­be­reichs von Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG sähe, wäre die Ei­gen­tums­ga­ran­tie nicht ver­letzt. Die mit den Ge­set­zen zur Ergänzung des Ge­set­zes zur Re­form der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und zur Förde­rung ei­nes ka­pi­tal­ge­deck­ten Al­ters­vor­sor­ge­vermögens (Al­ters­vermögen­s­ergänzungs­ge­setz - AV­mEG) vom 21. März 2001 (BGBl I S. 403) so­wie zur Si­che­rung der nach­hal­ti­gen Fi­nan­zie­rungs­grund­la­gen der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung (RV-Nach­hal­tig­keits­ge­setz) vom 21. Ju­li 2004 (BGBI 1 S. 1791) vor­ge­nom­me­nen Ände­run­gen der For­mel zur Fort­schrei­bung des ak­tu­el­len Ren­ten­werts, ins­be­son­de­re durch Einfügung des Al­ters­vor­sor­gean­teils und des Nach­hal­tig­keits­fak­tors, stel­len sich als ge­setz­li­che Maßnah­men dar, die je­den­falls mit Blick auf die hier an­ge­grif­fe­ne An­pas­sung der Ren­ten zum 1. Ju­li 2005 ver­fas­sungs­recht­lich ge­recht­fer­tigt wären und zu­gleich gemäß Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG In­halt und Schran­ken des Ei­gen­tums ver­fas­sungs­gemäß be­stim­men würden (vgl. BVerfGE 128, 138 <147 ff.>).

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat bei der ei­gen­tums­recht­li­chen Prüfung von auf die Höhe von Ren­ten­leis­tun­gen be­zo­ge­nen ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen an­er­kannt, dass dem Ge­setz­ge­ber ei­ne aus­rei­chen­de Fle­xi­bi­lität er­hal­ten blei­ben muss, um das Ren­ten­ver­si­che­rungs­sys­tem und ins­be­son­de­re des­sen Fi­nan­zie­rung zu gewähr­leis­ten. Da­her ver­fes­tigt die Ei­gen­tums­ga­ran­tie das Ren­ten­ver­si­che­rungs­sys­tem nicht so, dass es starr wird und den An­for­de­run­gen un­ter veränder­ten Umständen nicht mehr genügen kann (vgl. BVerfGE 53, 257 <293>; 58, 81 <110>; 69, 272 <304>; 100, 1 <37>). Ge­setz­li­che Maßnah­men, die der Er­hal­tung der Funk­ti­ons- und Leis­tungsfähig­keit der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung die­nen, müssen al­ler­dings von ei­nem ge­wich­ti­gen öffent­li­chen In­ter­es­se ge­tra­gen und verhält­nismäßig sein.

aa) So­wohl die mit dem Al­ters­vermögen­s­ergänzungs­ge­setz als auch die mit dem RV-Nach­hal­tig­keits­ge­setz vor­ge­nom­me­nen Ände­run­gen der For­mel zur Fort­schrei­bung des ak­tu­el­len Ren­ten­werts sind von dem ge­wich­ti­gen öffent­li­chen In­ter­es­se be­stimmt, die Fi­nan­zier­bar­keit des Sys­tems der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung zu si­chern. Ins­be­son­de­re die Einfügung des Al­ters­vor­sor­gean­teils und des Nach­hal­tig­keits­fak­tors in die For­mel zur Fort­schrei­bung des ak­tu­el­len Ren­ten­werts zählen zu den Maßnah­men, mit de­nen der Ge­setz­ge­ber un­ter Wah­rung des Grund­sat­zes der Ge­ne­ra­tio­nen­ge­rech­tig­keit die lang­fris­ti­ge Sta­bi­li­sie­rung der Fi­nan­zen der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung si­cher­stel­len woll­te. Da­bei sah er die Be­wah­rung der Ge­ne­ra­tio­nen­ge­rech­tig­keit als für die ge­setz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung exis­ten­zi­ell an, weil Jung und Alt, Bei-

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trags­zah­ler und Leis­tungs­be­zie­her auf­grund der prak­ti­zier­ten Um­la­ge­fi­nan­zie­rung im so­ge­nann­ten Ge­ne­ra­tio­nen­ver­trag mit­ein­an­der ver­bun­den sind (vgl. BT­Drucks 15/2149, S. 17).

Maßge­bend für die Einführung des Al­ters­vor­sor­gean­teils war die vor dem Hin­ter­grund des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels un­ter jünge­ren Men­schen weit ver­brei­te­te Un­si­cher­heit, ob sie trotz ho­her Beiträge im Al­ter noch ei­ne aus­rei­chen­de Ren­te aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung er­hal­ten wer­den. Es wur­de zu­neh­mend be­zwei­felt, dass künf­ti­ge Bei­trags­zah­ler ab dem Jahr 2030 be­reit sein wer­den, ei­ne Be­las­tung ih­res Ein­kom­mens durch die Bei­trags­zah­lung zur ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung in Höhe von mögli­cher­wei­se 24 bis 26 % zu ak­zep­tie­ren. Nur mit ei­nem sol­chen Bei­trags­satz wäre die Zah­lung der Ren­ten auf gleich blei­ben­dem Ni­veau an die da­mals 30- bis 40Jähri­gen nach den Pro­gno­sen der Bun­des­re­gie­rung gewähr­leis­tet ge­we­sen. Vor die­sem Hin­ter­grund soll­te mit der lang­fris­ti­gen Sta­bi­li­sie­rung des Bei­trags­sat­zes in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung Ver­trau­en in de­ren Zu­kunfts­fes­tig­keit ge­schaf­fen und der An­stieg der Lohn­ne­ben­kos­ten zur Stärkung der wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen be­grenzt wer­den (vgl. BT­Drucks 14/4595, S. 37)."

4. Ei­ne Rechts­wid­rig­keit der zum 1. Ju­li 2013 er­folg­ten Ren­ten­erhöhung er­gibt sich auch nicht aus dem Ver­gleich mit der Be­am­ten­ver­sor­gung. Auch dies hat der Se­nat be­reits in der Ent­schei­dung vom 18. Mai 2011 ausführ­lich dar­ge­legt:

„Die Be­sol­dung von Be­am­ten ein­sch­ließlich ih­rer Ver­sor­gung im Al­ter durch Ru­he­stands­bezüge folgt ei­ge­nen Re­geln. Nach Art. 33 Abs. 2 GG hat je­der Deut­sche nach sei­ner Eig­nung, Befähi­gung und fach­li­chen Leis­tung glei­chen Zu­gang zu je­dem öffent­li­chen Am­te. Da­mit wird die Gleich­be­rech­ti­gung hin­sicht­lich des Zu­gan­ges zu öffent­li­chen Ämtern und na­ment­lich auch zum Be­am­ten­dienst gewähr­leis­tet. Natürlich ist da­mit aber kein An­spruch ver­bun­den, auch dann wie ein Be­am­ter ge­stellt zu wer­den, wenn man von die­ser Frei­heit zur Er­grei­fung ei­nes sol­chen Am­tes kei­nen Ge­brauch ge­macht hat (bzw. bei der Aus­wahl ge­genüber an­de­ren Be­wer­bern un­ter­le­gen ist).

Nach Art. 33 Abs. 4 GG ist die Ausübung ho­heits­recht­li­cher Be­fug­nis­se als ständi­ge Auf­ga­be in der Re­gel An­gehöri­gen des öffent­li­chen Diens­tes zu über­tra­gen, die in ei­nem öffent­lich-recht­li­chen - re­gelmäßig le­bensläng­li­chen - Dienst- und Treue­verhält­nis ste­hen, wo­bei (Abs. 5) das Recht des öffent­li­chen Diens­tes und da­mit die Aus­ge­stal­tung die­ses Treue­verhält­nis­ses un­ter Berück­sich­ti­gung der her­ge­brach­ten Grundsätze des Be­rufs­be­am­ten­tums zu re­geln und fort­zu­ent­wi­ckeln ist.

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Dies­bezüglich gibt es kei­ne Par­al­le­len zum all­ge­mei­nen Ren­ten­ver­si­che­rungs­recht. Der Ver­si­cher­te in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ist be­reits kei­ne Dienst- und Treue­pflicht ge­genüber dem Staat ein­ge­gan­gen. Das Recht der Be­am­ten ist über­dies durch vielfälti­ge (viel­fach eher his­to­risch zu erklären­de) Son­der­re­ge­lun­gen ge­prägt, die auch mit er­heb­li­chen zusätz­li­chen Be­las­tun­gen für die Be­am­ten ver­bun­den sind. So ha­ben Be­am­te wei­ter­hin kei­ne Möglich­keit, wie an­de­re Ar­beit­neh­mer le­dig­lich un­ter Auf­brin­gung des Ar­beit­neh­mer­an­teils an den Ver­si­che­rungs­beträgen der ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­se bei­zu­tre­ten; die Pen­sio­nen wer­den in nach­hal­tig größerem Um­fang be­steu­ert als Ren­ten aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung. Oh­ne­hin dürfen die Ru­he­stands­bezüge der Be­am­ten nicht al­lein mit den Ren­ten aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ver­gli­chen wer­den, da sie darüber hin­aus auch an die Stel­le der in wei­ten Tei­len der Wirt­schaft und für die An­ge­stell­ten im öffent­li­chen Dienst übli­chen zusätz­li­chen be­trieb­li­chen Al­ters­vor­sor­ge tre­ten. Darüber hin­aus dient die so­zia­le Ab­si­che­rung der Be­am­ten ein­sch­ließlich ih­rer Al­ters­vor­sor­ge auch als Ar­gu­ment dafür, dass die­se während des ak­ti­ven Be­rufs­le­bens nicht sel­ten ge­rin­ge­re Bezüge er­hal­ten als die für ent­spre­chen­de Tätig­kei­ten in der frei­en Wirt­schaft übli­chen Gehälter.

An­ge­sichts der vor­ste­hend dar­ge­leg­ten schon im Grundsätz­li­chen ab­wei­chen­den Aus­gangs­la­ge ist kein Raum, punk­tu­ell ein­zel­ne Re­ge­lun­gen über die Be­am­ten­be­sol­dung oder -ver­sor­gung aus ih­rem Zu­sam­men­hang zu reißen und über Art. 3 Abs. 1 GG als den Ge­setz­ge­ber bin­den­de Vor­ga­be für die Nor­mie­rung ganz an­ders ge­la­ger­ter Rechts­be­zie­hun­gen et­wa hin­sicht­lich der Aus­ge­stal­tung der Ren­ten­ansprüche nach dem SGB VI her­an­zu­zie­hen."

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 193 SGG.

Gründe, die Re­vi­si­on zu­zu­las­sen (§ 160 Abs. 2 SGG), sind nicht ge­ge­ben.

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