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ArbG Dort­mund, Be­schluss vom 16.03.2011, 8 Ca 18/11

   
Schlagworte: Aussetzung, CGZP, Tariffähigkeit
   
Gericht: Arbeitsgericht Dortmund
Aktenzeichen: 8 Ca 18/11
Typ: Beschluss
Entscheidungsdatum: 16.03.2011
   
Leitsätze: Der Rechtsstreit über einen Zahlungsanspruch aus dem Gesichtspunkt des "equal pay" für die Zeit vom 31.08.2009 bis 10.12.2010 gegen einen Verleiher mit dem die Geltung der Tarifverträge des CGZP vereinbart ist, ist nicht gem. § 97 Abs 5 ArbGG auszusetzen, weil die fehlende Tariffähigkeit bzw. - zuständigkeit mit dem Beschluss des BAG vom 14.12.2010 (1 ABR 19/10) auch für den streitgegenständlichen Zeitraum zweifelsfrei feststeht.
Vorinstanzen:
   

Ar­beits­ge­richt Dort­mund, 8 Ca 18/11

 

Te­nor:

Der An­trag der Be­klag­ten auf Aus­set­zung des Ver­fah­rens wird zurück­ge­wie­sen.

 

Gründe

I.

Der Kläger war bei der Be­klag­ten ab dem 31.08.2009 als Pfört­ner im Werk­schutz tätig. Auf das Ar­beits­verhält­nis fan­den kraft ar­beits­ver­trag­li­cher Ver­wei­sung (Bl. 5 d. A.) die Man­tel-, Ent­gelt­rah­men-, und Ent­gelt­ta­rif­verträge zwi­schen der Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten Zeit­ar­beit und PSA (CG­ZP) und K1 P1 S1 GmbH & Co. KG in je­weils gülti­ger Fas­sung An­wen­dung.

Von der Be­klag­ten war der Kläger im We­ge der Ar­beit­neh­merüber­las­sung an ein Drit­t­un­ter­neh­men ver­lie­hen wor­den. Mit sei­ner am 03.01.2011 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge ver­langt er Ge­halts­nach­zah­lung für den Zeit­raum vom 31.08.2009 – 10.12.2010 in Höhe von ins­ge­samt 14.660,87 EUR un­ter dem Ge­sichts­punkt des sog. "Equal Pay" gem. § 3 Abs. 1 Ziff. 3 AÜG.

Die Be­klag­te be­an­tragt die Aus­set­zung des Ver­fah­rens mit der Be­gründung, das Bun­des­ar­beits­ge­richt ha­be in sei­ner Ent­schei­dung vom 14.12.2010 (1 ABR 19/10)

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nur über die Ta­riffähig­keit der CG­ZP ab dem 14.12.2010, al­so zu­kunfts­be­zo­gen, ent­schie­den. Auf­grund der bei dem Ar­beits­ge­richt Ber­lin anhängi­gen Be­schluss­ver­fah­ren, in de­nen es um die Ta­riffähig­keit der CG­ZP für die Zeit vor dem 14.12.2010 gin­ge, sei der vor­lie­gen­de Rechts­streit da­her gem. § 97 Abs. 5 ArbGG aus­zu­set­zen.

Der Kläger hat be­an­tragt, den Aus­set­zungs­an­trag ab­zu­leh­nen.

II.

Der Aus­set­zungs­an­trag war ab­zu­leh­nen. 

1.

Gem. § 97 Abs. 5 Satz 1 ArbGG hat das Ge­richt das Ver­fah­ren bis zur Er­le­di­gungei­nes Be­schluss­ver­fah­rens nach § 2a Abs. 1 Nr. 4 aus­zu­set­zen, wenn die Ent­schei­dung des Rechts­streits da­von abhängig ist, ob ei­ne Ver­ei­ni­gung ta­riffähig oder ob die Ta­rif­zuständig­keit der Ver­ei­ni­gung ge­ge­ben ist.

Die Aus­set­zung nach § 97 Abs. 5 Satz 1 ArbGG ist al­ler­dings nur dann ge­bo­ten, wenn die Fra­ge der Ta­riffähig­keit oder Ta­rif­zuständig­keit zwei­fel­haft ist (BAG, Be­schluss vom 23.10.1996, 4 AZR 409/95 m. w. N.). Trotz be­ste­hen­der Zwei­fel kommt ei­ne Aus­set­zung nicht in Be­tracht, wenn über die Fra­ge der Ta­riffähig­keit bzw. Ta­rif­zuständig­keit be­reits rechts­kräftig ent­schei­den und die­ser Be­schluss noch im­mer bin­dend ist, d. h. kei­ne we­sent­li­che Verände­rung des zu­grun­de lie­gen­den Sach­ver­hal­tes ein­ge­tre­ten ist (Wal­ker in: Schwab/Weth, Kom­men­tar zum Ar­beits­ge­richts­ge­setz, 2. Auf­la­ge 2008, Rn. 44 zu § 97 ArbGG m. w. N.).

2. 

Un­ter An­wen­dung die­ser Rechts­grundsätze kommt ei­ne Aus­set­zung des­halb nicht in Be­tracht, weil die Fra­ge der Ta­riffähig­keit durch Be­schluss des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 14.12.2010 (1 ABR 19/10) ver­neint wor­den ist und auf­grund der tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen und recht­li­chen Erwägun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts in der Ent­schei­dung vom 14.12.2010 kei­ne Zwei­fel an der feh­len­den Ta­riffähig­keit der CG­ZP auch für die Zeit vor dem 14.12.2010 be­ste­hen.

a) Der Be­klag­ten ist zu­zu­ge­ben, dass sich aus den Ent­schei­dungs­gründen des Be­schlus­ses vom 14.12.2010 nicht aus­drück­lich er­gibt, dass das Bun­des­ar­beits­ge­richt die Ta­riffähig­keit der CG­ZP schon für Zeiträume vor der Verkündung der Ent­schei­dung am 14.12.2010 an­ge­nom­men hat. Hierfür spricht auch der vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ge­bil­de­te Ober­satz ("Die ge­gen­warts­be­zo­ge­nen Fest­stel­lungs­anträge sind be­gründet", Ziff. B IV bzw. Rn. 63 der Gründe des Be­schlus­ses vom 14.12.2010).

b) Gleich­wohl be­ste­hen auf der Grund­la­ge des vom Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­grun­de ge­leg­ten Sach­ver­hal­tes und der tra­gen­den Erwägun­gen des Be­schlus­ses vom 14.12.2010 kei­ne Zwei­fel dar­an, dass die Ta­riffähig­keit der CG­ZP auch für die Ver­gan­gen­heit, je­den­falls aber seit dem 05.12.2005, nicht ge­ge­ben ist.

1) Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat die Ge­werk­schafts­ei­gen­schaft i. S. d. § 2 Abs. 1 TVG und da­mit die Ta­riffähig­keit der CG­ZP mit der tra­gen­den Erwägung ver­neint, § 3 Abs. 1 der CG­ZP-Sat­zung se­he le­dig­lich ei­ne Bei­trittsmöglich­keit für die im CGB zu­sam­men ge­schlos­se­nen Ar­beit­neh­mer­ko­ali­tio­nen vor, so­dass nach der Sat­zung

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der CG­ZP kei­ne Ar­beit­neh­mer or­ga­ni­siert würden. Dies er­gibt sich aus Ziff. B IV 5. (Rn. 93 der Gründe) des Be­schlus­ses vom 14.12.2010.

§ 3 Abs. 1 der CG­ZP-Sat­zung war al­ler­dings in die­ser Form be­reits in der seit dem 05.12.2005 gel­ten­den CGCP-Sat­zung ent­hal­ten und ist durch die Sat­zungsände­rung vom 08.10.2009 nicht berührt wor­den. Da die feh­len­de Ge­werk­schafts­ei­gen­schaft i. S. d. § 2 Abs. 1 TVG der CG­ZP nach den Ausführun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts aber ge­ra­de auf § 3 Abs. 1 der CG­ZP-Sat­zung in der Fas­sung vom 05.12.2005 be­ruht, be­ste­hen kei­ne Zwei­fel dar­an, dass die Ge­werk­schafts­ei­gen­schaft der CG­ZP und da­mit die Ta­riffähig­keit je­den­falls be­reits seit dem 05.12.2005 nicht ge­ge­ben war.

2) Auch die Ei­gen­schaft der CG­ZP als ta­rif­ver­tragsfähi­ge Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on i. S. d. § 2 Abs. 2, 3 TVG hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt mit der tra­gen­den Erwägung ver­neint, die Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten CGM, DHV und GÖD der CG­ZP hätten ih­re Ta­riffähig­keit der CG­ZP nicht vollständig ver­mit­telt, da die CG­ZP nicht in dem ge­sam­ten durch die Sat­zun­gen ih­rer Mit­glie­der be­stimm­ten Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich zum Ab­schluss von Ta­rif­verträgen be­rech­tigt sei. Dies er­ge­be sich dar­aus, dass die Ta­rif­zuständig­keit der CGCP nach § 1 Abs. 1 der CG­ZP-Sat­zung auf Ta­rif­verträge mit Ar­beit­ge­bern oder Ar­beit­ge­ber­verbänden be­schränkt sei, die oder de­ren Mit­glie­der als Ver­lei­her Drit­ten Ar­beit­neh­mer zur Ar­beits­leis­tung über­las­sen wol­len. Dies schließt nach den tra­gen­den Erwägun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts be­reits die Ei­gen­schaft der CG­ZP als Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on im Sin­ne des § 2 Abs. 3 TVG aus
(Ziff. B IV 6 a) bzw. Rn. 95 des Be­schlus­ses vom 14.12.2010).

§ 1 Abs. 1 der CG­ZP-Sat­zung be­steht in die­ser Form eben­falls be­reits in der Sat­zung vom 05.12.2005. Des­halb be­ste­hen vor­lie­gend auch kei­ne Zwei­fel dar­an, dass die Ei­gen­schaft der CG­ZP als Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on i. S. d. § 2 Abs. 3 TVG je­den­falls be­reits seit dem 05.12.2005 nicht ge­ge­ben war.

Da­her ist für das Ge­richt un­zwei­fel­haft, dass die CG­ZP je­den­falls seit dem 05.12.2005 we­der als Ge­werk­schaft i. S. d. § 2 Abs. 1 TVG noch als Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on i. S. d. § 2 Abs. 2, 3 TVG ta­riffähig war, so­dass kein An­lass be­steht, das Ver­fah­ren gem. § 97 Abs. 5 Satz 1 ArbGG aus­zu­set­zen.

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