HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

 

ArbG Flens­burg, Ur­teil vom 19.02.2015, 3 Ca 1123/14

   
Schlagworte: Urlaub, Elternzeit
   
Gericht: Arbeitsgericht Flensburg
Aktenzeichen: 3 Ca 1123/14
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 19.02.2015
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: nachgehend:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, 12.01.2016 - 1 Sa 88a/15,
Bundesarbeitsgericht, 15.11.2016 - 9 AZR 125/16
   

Ar­beits­ge­richt Flens­burg
Kam­mer 3


Ak­ten­zei­chen: 3 Ca 1123/14
(Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben!)


Verkündet am 19.02.2015


gez. …
als Ur­kunds­be­amt. d. Geschäfts­stel­le

 

Ur­teil

Im Na­men des Vol­kes

 

In dem Rechts­streit

 

pp.

 

hat die 3. Kam­mer des Ar­beits­ge­richts Flens­burg auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 19.02.2015 durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt ... als Vor­sit­zen­den und d. eh­ren­amt­li­chen Rich­ter ... als Bei­sit­zer und d. eh­ren­amt­li­chen Rich­ter ... als Bei­sit­zer

für Recht er­kannt:

 

  1. Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

  2. Die Kläge­rin hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

  3. Der Streit­wert wird auf EUR 3.874,50 fest­ge­setzt.

 

- 2 -

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

1.

Ge­gen die­ses Ur­teil kann d. Kläg. Be­ru­fung ein­le­gen,

a) wenn sie in dem Ur­teil zu­ge­las­sen wor­den ist,
b) wenn der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des 600 EUR über­steigt oder
c) in Rechts­strei­tig­kei­ten über das Be­ste­hen, das Nicht­be­ste­hen oder die Kündi­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses.

Der Be­ru­fungskläger hat ge­ge­be­nen­falls den Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des glaub­haft zu ma­chen.

Die Ein­le­gung der Be­ru­fung hat

bin­nen ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat

nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils schrift­lich beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, De­li-us­s­traße 22, 24114 Kiel zu er­fol­gen. Die Be­ru­fungs­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Be­ru­fung ge­rich­tet wird, so­wie die Erklärung, dass ge­gen die­ses Ur­teil Be­ru­fung ein­ge­legt wer­de, ent­hal­ten.

Die Be­ru­fung ist, so­fern nicht be­reits in der Be­ru­fungs­schrift er­folgt,

bin­nen zwei Mo­na­ten

nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils schrift­lich ge­genüber dem Lan­des­ar­beits­ge­richt zu be­gründen.

Der Be­ru­fungskläger muss sich vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt durch ei­nen bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt ver­tre­ten las­sen, ins­be­son­de­re müssen Be­ru­fungs- und ei­ne even­tu­el­le Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift von ei­nem sol­chen un­ter­zeich­net sein.

An sei­ne Stel­le kann auch ein Ver­tre­ter ei­nes Ver­ban­des (Ge­werk­schaf­ten, Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gun­gen) oder ei­nes Spit­zen­ver­ban­des (Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände) tre­ten, so­fern er kraft Sat­zung oder Voll­macht zur Ver­tre­tung be­fugt und die Par­tei Mit­glied des Ver­ban­des oder Spit­zen­ver­ban­des ist. An die Stel­le der vor­ge­nann­ten Ver­tre­ter können auch An­ge­stell­te ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner die­ser Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, tre­ten, so­fern die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung der Ver­bands­mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und der Ver­band für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet. Ist die Par­tei Mit­glied ei­nes Ver­ban­des oder Spit­zen­ver­ban­des, kann sie sich auch durch ei­nen Ver­tre­ter ei­nes an­de­ren Ver­ban­des oder An­ge­stell­ten ei­ner der oben ge­nann­ten ju­ris­ti­schen Per­so­nen mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung ver­tre­ten las­sen.

Mit der Be­ru­fungs­schrift soll ei­ne Aus­fer­ti­gung oder be­glau­big­te Ab­schrift des an­ge­foch­te­nen Ur­teils vor­ge­legt wer­den. Die Geschäfts­stel­le des Lan­des­ar­beits­ge­richts bit­tet, Schriftsätze in fünf­fa­cher Fer­ti­gung ein­zu­rei­chen.

2. Für d. Bekl. ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

 

- 3 -

 

Tat­be­stand:

 

Die Par­tei­en strei­ten über ei­nen Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch.

Die Kläge­rin war bei dem Rechts­vorgänger der Be­klag­ten seit dem 01.04.2007 als Frisörin beschäftigt. Die ver­ein­bar­te Brut­to­mo­nats­vergütung be­trug zunächst EUR 1.085,00 und wur­de ab dem 01.01.2005 auf EUR 1.105,00 erhöht. Auf die Zu­satz­ver­ein­ba­rung zum Ar­beits­ver­trag vom 20.12.2007 (Bl. 4 d. A.) wird Be­zug ge­nom­men.

Das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin ging zum 01.01.2014 im We­ge des Be­triebsüber­gangs auf die Be­klag­te über. Mit An­er­kennt­nis­ur­teil des er­ken­nen­den Ge­richts im Ver­fah­ren 3 Ca 913/14 wur­de fest­ge­stellt, dass zwi­schen den Par­tei­en ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis be­steht.

 

Die Kläge­rin trägt vor:

Die Be­klag­te sei ver­pflich­tet, die Ur­laubs­ansprüche aus den Jah­ren 2012, 2013 und 2014, wel­che sie we­gen Mut­ter­schutz und der In­an­spruch­nah­me von El­tern­zeit nicht in na­tu­ra ha­be neh­men können, ab­zu­gel­ten. Sie ha­be nach der Ge­burt ih­rer Toch­ter L. J. am ..10.2009 mit Schrei­ben vom 02.11.2009 (Bl. 55 d. A.) für die Zeit vom 07.12.2009 bis zum 26.10.2012 El­tern­zeit be­an­tragt. Am ...12.2012 sei ihr Sohn N. P. ge­bo­ren wor­den. Sie ha­be in der Fol­ge mit Schrei­ben vom 12.12.2012 (Bl. 56 d. A.) für die Zeit vom 30.01.2013 bis zum 04.12.2013 El­tern­zeit be­an­tragt. Der Rechts­vorgänger der Be­klag­ten ha­be die­sem An­trag mit Schrei­ben vom 19.12.2012 (Bl. 58 d. A.) zu­ge­stimmt. Mit Schrei­ben vom 15.07.2013 (Bl. 57 d. A.) ha­be sie schließlich die Verlänge­rung der El­tern­zeit bis zum 04.12.2015 be­an­tragt. Der Rechts­vorgänger der Be­klag­ten ha­be auch die­sem An­trag mit Schrei­ben vom 26.08.2013 (Bl. 59 d. A.) zu­ge­stimmt.

Während der El­tern­zeit ent­ste­he der ge­setz­li­che Ur­laubs­an­spruch. Die­ser sei auch nicht zu kürzen. § 17 Abs. 1 S. 1 BEEG sei eu­ro­pa­rechts­wid­rig.

 

- 4 -

Der Kläge­rin-Ver­tre­ter stellt die Anträge,

  1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 1.291,50 EUR brut­to Ur­laubs­ab­gel­tung für das Jahr 2012 nebst 5 % Zin­sen über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz der EZB seit dem 10.10.2014 zu be­zah­len,

  2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 1.291,50 EUR brut­to Ur­laubs­ab­gel­tung für das Jahr 2013 nebst 5 % Zin­sen über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz der EZB seit dem 10.10.2014 zu be­zah­len,

  3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 1.291,50 EUR brut­to Ur­laubs­ab­gel­tung für das Jahr 2014 nebst 5 % Zin­sen über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz der EZB seit dem 10.10.2014 zu be­zah­len.

 

Der Be­klag­ten-Ver­tre­ter be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

 

Die Be­klag­te trägt vor:

Die Kläge­rin ha­be kei­nen An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung. Ein sol­cher An­spruch set­ze ein be­en­de­tes Ar­beits­verhält­nis vor­aus. Das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin bes­te-he je­doch fort. So­weit die Kläge­rin in den Jah­ren 2012 bis 2014 auf­grund der In­an­spruch­nah­me von Mut­ter­schutz und El­tern­zeit nicht ge­ar­bei­tet ha­be, müsse sie auch nicht von der Ar­beit frei­ge­stellt wer­den. Ein Ur­laubs­an­spruch sei in die­sen Jah­ren nicht ent­stan­den. Ein et­wai­ger Ur­laubs­an­spruch sei spätes­tens zum 31.03. des je­wei­li­gen Fol­ge­jah­res ver­fal­len oder je­den­falls nach § 17 Abs. 1 S. 1 BEEG zu kürzen. Die Kürzung des Ur­laubs sei der Kläge­rin mit An­walts­schrei­ben vom 10.10.2014 (Bl. 42 f d. A.) mit­ge­teilt wor­den.

Auch sei der streit­ge­genständ­li­che An­spruch nicht in­ner­halb der im Ar­beits­ver­trag ver­ein­bar­ten Aus­schluss­frist gel­tend ge­macht wor­den. Außer­dem be­ru­fe sie sich auf die Ein­re­de der Verjährung.

Sch­ließlich sei der An­spruch auch der Höhe nach nicht nach­voll­zieh­bar.

 

- 5 -

We­gen der Ein­zel­hei­ten des Par­tei­vor­brin­gens wird auf den In­halt der zwi­schen den Par­tei­en vor­ge­tra­ge­nen und ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen ver­wie­sen.

 

Ent­schei­dungs­gründe:

I.

Die zulässi­ge Kla­ge ist un­be­gründet. Die Kläge­rin hat kei­nen An­spruch auf Ur­laubs­ab­gel­tung.

Gemäß § 7 Abs. 4 BUrlG ist der Ur­laub ab­zu­gel­ten, der we­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ganz oder teil­wei­se nicht mehr gewährt wer­den kann. Vor­aus­set­zung für den Ur­laubs­ab­gel­tungs­an­spruch ist da­mit die recht­li­che Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses, d. h. die Be­en­di­gung des Ar­beits­ver­tra­ges (BAG vom 16.10.2012 – 9 AZR 234/11 -, zi­tiert nach Ju­ris).

Vor­lie­gend fehlt es be­reits an ei­ner recht­li­chen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses. Die Be­klag­te hat an­er­kannt, dass zwi­schen den Par­tei­en ein Ar­beits­verhält­nis be­steht. Ein Be­en­di­gungs­tat­be­stand ist we­der vor­ge­tra­gen noch er­sicht­lich. Die Par­tei­en ge­hen viel­mehr übe­rein­stim­mend da­von aus, dass sich die Kläge­rin in El­tern­zeit be­fin­det. Die In­an­spruch­nah­me von El­tern­zeit führt je­doch nicht zu ei­ner Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses. Durch die El­tern­zeit wird das Ar­beits­verhält­nis in sei­nem Be­stand nicht berührt (ErfK/Gall­ner, 15. Auf­la­ge, § 15 BEEG Rn 25). Es ent­fal­len (bei feh­len­der Teil­zeit­beschäfti­gung) le­dig­lich die wech­sei­ti­gen Haupt­leis­tungs­pflich­ten; die Ar­beits­pflicht und die Vergütungs­pflicht ru­hen (ErfK/Gall­ner, aaO. m. w. N.). Ob über­haupt und ggf. in wel­chem Um­fang noch ein Ur­laubs­an­spruch aus den Jah­ren 2012 bis 2014 be­steht, kann da­hin­ste­hen.

 

II.

Die Ne­ben­ent­schei­dun­gen be­ru­hen auf §§ 46 Abs. 2 S. 1 ArbGG, 91 Abs. 1 S. 1 ZPO, 61 Abs. 1 ArbGG, 3 ff ZPO.

Die Kläge­rin hat als un­ter­le­ge­ne Par­tei die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen. Der Streit­wert ent­spricht der Sum­me der ein­ge­klag­ten For­de­run­gen.

gez. ...

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